Wer an Erektionsstörungen leidet, dem soll ab sofort eine neue App helfen können: Kranus Edera der Firma kranus health. Seit Montag können sich Patienten das Produkt von ihrem Arzt verschreiben lassen. Es handelt sich dabei um die erste urologische „App auf Rezept“.

kranus health bezeichnet ihr Produkt als „Potenz-App auf Rezept“: Das Programm soll Patienten bei der Behandlung von erektiler Dysfunktion (ED), auch Erektionsstörungen genannt, unterstützen. Es handele sich dabei um eine digitale Therapie, wie kranus health in einer Pressemitteilung schreibt. Die soll vor allem helfen, die Ursachen von ED zu bekämpfen: „Das 12-wöchige digitale Coaching-Programm besteht aus Beckenbodentraining, physiotherapeutischen Übungen, kardiovaskulärem Ausdauertraining und Übungen zur Achtsamkeit und Körpererfahrung sowie sexualtherapeutischen Inhalten.“

Nutzer der App sollen ein personalisiertes Training mit wöchentlich ändernden Übungen erhalten. Zudem gibt es eine Auswertung des Übungsfortschritts und „Motivationsbotschaften“ in Videoformat. Auch enthält die App Hintergrundinfos zu ED. Das soll Patienten helfen, besser zu verstehen, wie sich beispielsweise Dinge wie Stress oder Ernährung auf die Störung auswirken können.

Eine neue App soll bei Erektionsproblemen helfen können.

Eine neue App soll bei Erektionsproblemen helfen können.

DiGA: App gegen Rezept

Die App für alle Männer ab 18 Jahren geeignet und kann von Ärztinnen und Ärzten auf Rezept verschrieben werden. Die Kosten werden dann von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Das ist möglich, da es sich bei der Anwendung um eine sogenannte DiGA handelt.

DiGA steht für Digitale Gesundheitsanwendungen. Hierbei handelt es sich meist um Apps aus dem Bereich Medizin, die Patienten bei der Therapie von Krankheiten unterstützen sollen. Es gibt DiGA aus verschiedenen Fachrichtungen wie Innere Medizin oder Orthopädie, die meisten stammen aber aus dem Bereich Psychologie. Bis Juli 2021 wurden neun DiGA seit ihrer Zulassung mindestens 183 000 Mal heruntergeladen, wie eine Analyse des eHealth-Monitors 2021 der Unternehmensberatung McKinsey & Company zeigt.

Damit gesetzliche Kassen die Kosten für die Anwendungen übernehmen, müssen DiGA erst vom Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen werden. Einschließlich der App Kranus Edera hat die Behörde bisher 26 DiGA in Deutschland zugelassen. Mehr zum Thema DiGA lesen Sie in diesem Artikel.

Die App Kranus Edera wurde im DiGA-Verzeichnis „vorläufig aufgenommen“. So eine Kennzeichnung erhalten Programme, die den „Nachweis eines positiven Versorgungseffekts für Patienten noch  nicht hinreichend erbracht“ haben, wie das BfArM auf seiner Website schreibt. Allerdings haben vorliegende Daten gezeigt, dass das Programm „plausible Hinweise für einen oder mehrere positive Versorgungseffekte gibt“, weshalb solche DiGa für mindestens zwölf Monate im DiGA-Verzeichnis gelistet werden.

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Leitlinien raten zur Änderung des Lebensstils bei ED

In Deutschland ist Untersuchungen zufolge etwa jeder dritte Mann ab 60 Jahren von ED betroffen. Grundsätzlich gilt: Je höher das Alter, desto höher die Wahrscheinlichkeit, von ED betroffen zu sein. Ursachen für eine ED können unterschiedlich sein: beispielsweise chronische Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck. Auch können Medikamente wie Psychopharmaka oder Lebensstilfaktoren wie Rauchen oder zu viel Alkohol eine ED auslösen. Mittlerweile konnte auch einige Studien einen Zusammenhang zwischen einer Sars-Cov-2-Infektion und einer ED belegen.

Es gibt darum verschiedene Therapieformen, um ED zu behandeln, wie eine Behandlung der Ursachen, psychiatrisch-psychologische Therapie oder eine Therapie mit Medikamenten. Laut den Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie sollte eine kommentarlose medikamentöse Therapie, wenn möglich, vermieden und stattdessen zuerst die Ursachen der ED behandelt werden. Besonders wird zu einer Veränderung des Lebensstils geraten, wie Gewicht abnehmen oder weniger Rauchen und Alkohol trinken.

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