Verhütung: Hormonspirale

Die Spirale wird in die Gebärmutter eingelegt und gibt dort das Hormon Gestagen ab. Der gute Empfängnisschutz beruht ausschließlich auf den örtlichen Hormonwirkungen
aktualisiert am 09.01.2018

Hormonspirale: Der Zylinder am Schaft setzt das Hormon Gestagen frei

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Wie funktioniert die Hormonspirale?

Die Hormonspirale, auch Verhütungsschirmchen genannt, hat meist die Form eines T und ist aus flexiblem Kunststoff. Der senkrechte Stab trägt einen Zylinder, in dem das Hormon Levenorgestrel, ein dem natürlichen Gelbkörperhormon ähnliches künstliches Gestagen, enthalten ist. Außerdem sind in einer Öse unten am Stab zwei feine Rückholfäden aus Polyäthylen-Kunststoff zum Entfernen der Spirale befestigt. Sie dienen auch zur Selbstkontrolle: Die Frau kann die Fäden ertasten und so das Vorhandensein der Spirale überprüfen.

Die Hormonspirale wird auch als Intrauterinsystem, kurz IUS, bezeichnet; intrauterin bedeutet in der Gebärmutter. Sie gehört zu den reversiblen Langzeitkontrazeptiva. Denn die Hormonspirale wirkt über längere Zeit verhütend, kann jedoch jederzeit entfernt, ihre Wirkung also rückgängig gemacht werden.

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Die Hormonspirale bewirkt, dass der Schleim im Gebärmutterhals dickflüssiger wird. Die Spermien können so nicht in die Gebärmutter beziehungsweise zum Ei vordringen. Außerdem bildet sich die Gebärmutterschleimhaut stark zurück, da das Gestagen kontinuierlich direkt vor Ort abgegeben wird. Falls vereinzelt Spermien doch ans Ziel gelangen und eine Eizelle befruchtet wird, kann diese sich nicht in der Gebärmutter einnisten. Das Gestagen verhindert nicht den Eisprung.

Es gibt mehrere Ausführungen: kleinere Hormonspiralen mit 13,5 Milligramm Levonorgestrel und größere mit 52 Milligramm Levonorgestrel. Sie können je nach Modell drei bis fünf Jahre in der Gebärmutter wirksam sein. Die kleineren Modelle lassen sich anhand eines Silberrings innen am Kunststoffschaft per Ultraschallbild von anderen Spiralen unterscheiden. Auch in Röntgenaufnahmen lassen sich die Spiralen erkennen.

Das Gespräch mit dem Arzt

Über Vor- und Nachteile muss sich eine Frau, die mit der Hormonspirale verhüten möchte, vorab von ihrem Frauenarzt beraten lassen. Auch ist das Einlegen der Spirale ein kleiner Eingriff. Die Frau bestätigt schriftlich, dass sie über die Risiken der Spirale wie auch des Eingriffs aufgeklärt wurde und die Verhütungsmethode wünscht.

Einlegen der Hormonspirale, ärztliche Kontrollen

Bei der gynäkologischen Voruntersuchung überprüft der Arzt, ob die Gebärmutter der Frau für eine Spirale beziehungsweise Hormonspirale geeignet ist. Außerdem vergewissert er sich, dass keine Infektion und auch sonst keine Gegenanzeigen vorliegen. Eine Schwangerschaft schließt die Anwendung natürlich aus.

Die letzte Krebsfrüherkennungsuntersuchung mit einem Zellabstrich vom Gebärmutterhals sollte nicht länger als sechs Monate zurückliegen. Eingelegt wird die Spirale während der Regelblutung.

Bei Bedarf kann die Frau rechtzeitig vor dem Einsetzen ein Schmerzmittel erhalten.

Die Spirale wird nach Desinfektion von Scheide und Muttermund mithilfe eines sterilen Applikators in die Gebärmutter eingebracht. Zuvor prüft der Arzt deren Länge und Lage mit einer eingeführten Sonde. Dabei schließt er auch bislang unbekannt gebliebene Hindernisse vor Ort wie ein Myom der Gebärmutter oder ein schon vorhandenes IUS aus. Nach Vorschieben und Freisetzen der Spirale entfalten sich ihre Querarme, und sie nimmt ihren Platz unter dem "Dach" der Gebärmutter ein. Gegebenenfalls muss der Gebärmutterhals anfangs noch etwas vorgedehnt werden. Zum Schluss kürzt der Arzt die Fäden auf die passende Länge und überprüft den Sitz der Spirale mittels Ultraschall.

Vier bis zwölf Wochen danach schaut der Arzt nach, ob alles in Ordnung ist. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt, ob die Spirale weiterhin richtig liegt. Normalerweise bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen diese erste Kontrolluntersuchung. Weitere Routinekontrollen sind in etwa halbjährlichen Abständen vorgesehen, bei Bedarf auch zu jedem früheren Zeitpunkt.

Der Gynäkologe erklärt der Frau auch, wie sie die Rückholfäden selbst ertastet. Sie sollte sich lieber nicht darauf verlassen, dass der Partner beim Sex etwas davon verspürt – das ist ohnehin nur hypothetisch. Am besten also in regelmäßigen Abständen prüfen, ob die Fädchen an Ort und Stelle sind. Ein guter Zeitpunkt ist gleich nach der Menstruation (falls sie nicht ausbleibt; siehe Abschnitt "Nachteile").

Vorteile der Hormonspirale

Die Hormonspirale ist für Frauen geeignet, die langfristig verhüten möchten. Einnahmefehler wie beispielsweise bei der Pille sind ausgeschlossen.

Weil ausschließlich Gestagene freigesetzt werden, noch dazu nur ein geringer oder sehr geringer Anteil in den Körper übergeht, treten weniger Nebenwirkungen auf als etwa bei den heute üblichen niedrig dosierten Kombinationspillen (Mikropillen).

Frauen mit der Spirale leiden beispielsweise weniger häufig unter Minderung der Lust am Sex (Libidoverlust). Unter verschiedenen Pillen klagen nach Studien etwa zehn Prozent der Anwenderinnen darüber. Dennoch gehört der Libidoverlust zu den häufiger genannten Nebenwirkungen der Hormonspirale.

Die Periode wird durch die Hormonspirale schwächer, kürzer, oft auch weniger schmerzhaft.

Infektionen der Genitalorgane, zum Beispiel Eileiterentzündungen, kommen bei Frauen, die mit der Spirale verhüten, per se nicht häufiger vor als bei Frauen, die andere Verhütungsmethoden anwenden.

Weil die Wahrscheinlichkeit einer Frau, mit Hormonspirale schwanger zu werden, sehr gering ist, hat sie insgesamt ein niedrigeres Risiko für eine Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft als Frauen, die nicht verhüten. Aber: Im Falle einer Schwangerschaft unter der Hormonspirale ist dieses Risiko leicht erhöht.

Die höher dosierte Hormonspirale gilt als besonders geeignet für Frauen, die starke Monatsblutungen haben. Somit kann sie auch bei bestimmten Gerinnungsstörungen als Verhütungsmittel zum Einsatz kommen. Bei Anwendung aus medizinischen Gründen bezahlen Krankenkassen auch die späteren Kontrolluntersuchungen. Als sogenannter Wachstumsschutz für die Gebärmutterschleimhaut eignet sich die Gestagenabgabe via großer Spirale außerdem bei einer Hormonersatzherapie mit Östrogenen in den Wechseljahren. Bei einer Endometriose der Gebärmuttermuskulatur, die häufig zu schmerzhaften Regelblutungen und auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führt, kann diese Hormonspirale als Behandlungs- und Verhütungsoption infrage kommen. Eine geprüfte Zulassung steht hier allerdings aus.

Ein wichtiger Punkt ist zudem das Risiko für venöse Thrombosen und Embolien. Bei einer Thrombose verschließt zum Beispiel ein Gerinnsel eine Beinvene. Bröckchen des Gerinnsels können mit dem Blutstrom fortgeschleppt werden (Embolie). Experten setzen das Risiko für solche mitunter gefährlichen Thrombo-Embolien bei der Hormonspirale niedriger an als bei bestimmten Pillen oder vergleichbaren Verhütungsmitteln wie Hormonpflaster und Verhütungsring. Sie kann daher auch für Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko infrage kommen. Mehr dazu im Beitrag "Die Pille".

Die Hormonspirale ist schließlich für Frauen geeignet, die östrogenbetonte Verhütungsmittel nicht vertragen. Auch in der Stillzeit ist sie eine Option zum Verhüten, da das Gestagen nur minimal in die Muttermilch übergeht, weniger noch als bei der rein gestagenhaltigen Minipille. Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, wird die Hormonspirale im Allgemeinen erst drei Monate nach Entbindung eingelegt, nachdem die Gebärmutter sich vollständig zurückgebildet hat.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, wie sie bei der Pille vorkommen können, sind bei der Hormonspirale nicht bekannt oder werden als nicht bedeutend eingeschätzt, da das freigesetzte Gestagen ganz überwiegend nur örtlich wirkt.


Seltene Komplikationen beim Einlegen der Spirale: Verletzungen oder Infektionen der Gebärmutter

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Nachteile der Hormonspirale

Das Einlegen der Hormonspirale erfordert eine bestimmte Technik und kann eventuell etwas schmerzhaft sein, besonders für jüngere Frauen. Eine Verletzung der Gebärmutter passiert äußerst selten. Im Allgemeinen macht sich das sofort mit Schmerzen bemerkbar, und der Arzt wird geeignete Maßnahmen treffen. Fieber und Unterleibsschmerzen kurz nach dem Eingriff können auf eine Infektion hindeuten.

Manchmal verrutscht die Spirale, seltener noch wird sie tatsächlich ausgestoßen. Dies passiert am ehesten in den ersten zwei Monaten und führt meist zu Blutungen oder Schmerzen. Doch kann die Spirale selten einmal auch unbemerkt verloren gehen. Darauf kann dann eventuell eine – zunächst wieder – verstärkte Menstruation hinweisen. Lässt sich kein Faden tasten, ist zunächst davon auszugehen, dass kein sicherer Empfängnisschutz mehr besteht. Dann sollte die Frau eine zusätzliche Verhütungsmaßnahme (eine Barrieremethode wie zum Beispiel das Kondom) anwenden und sich baldmöglich vom Gynäkologen kontrollieren lassen.

Setzt sechs Wochen nach Beginn der letzten Menstruation (gilt für Frauen, die unter der Hormonspirale weiterhin Regelblutungen haben) keine Blutung ein, ist eine Schwangerschaft denkbar. Dabei ist das Risiko für eine Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft etwas erhöht (siehe oben).

Nebenwirkungen der Hormonspirale

Wie bei allen hormonellen Verhütungsmitteln, insgesamt aber deutlich seltener – das abgegebene Gestagen-Hormon wirkt ja überwiegend örtlich – berichten Frauen über Nebenwirkungen, etwa Brustspannen, Kopfschmerzen, Gewichtsveränderungen, depressive Verstimmungen, Akne und Libidoverlust. Dies gilt besonders für die erste Zeit nach dem Einlegen.

Anfangs können mitunter vermehrt Schmierblutungen, verstärkte Monatsblutungen oder Zwischenblutungen auftreten.

Bei etwa zwanzig Prozent der Frauen, die die Hormonspirale schon länger anwenden, schwächt die Menstruation sich ab oder bleibt aus (Amenorrhö). Viele Betroffene sehen das allerdings positiv.

Sogenannte funktionelle Zysten des Eierstocks entwickeln sich bei etwa jeder zehnten Anwenderin der Hormonspirale. Das Eibläschen, der Follikel, wird nach dem Eisprung zum Gelbkörper, und der bildet sich normalerweise am Zyklusende zurück. Manchmal bleibt ein vergrößerter Follikel bestehen. Meist macht dies keine Beschwerden, leichte Bauchschmerzen sind eher die Ausnahme. Einmal entdeckt, kontrolliert der Gynäkologe den Befund zeitnah. Häufig verschwinden solche Zysten nach zwei, drei Monaten wieder von selbst. Nur selten ist ein operativer Eingriff notwendig.

Gegenanzeigen der Hormonspirale

Fehlbildungen der Gebärmutter schließen das Einlegen einer Spirale in der Regel aus. Auch ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für sexuell übertragene Krankheiten, etwa bei häufig wechselnden Partnern, Neigung zu Unterleibsentzündungen oder frühere Eileiterschwangerschaften sprechen gegen eine Verhütung mit der Spirale.

Bei bestehenden Infektionen und Entzündungen der Geschlechtsorgane kommt die Methode nicht in Betracht. Genitalinfektionen müssen gezielt behandelt werden, um Folgen wie zum Beispiel Unfruchtbarkeit zu vermeiden. Gegebenenfalls entfernt der Arzt eine liegende Spirale sogar.

Bei Verdacht auf oder Nachweis von Gebärmutterhalskrebs beziehungsweise -krebsvorstufen (Zervixdysplasien) sowie bei Gebärmutterkörperkrebs setzt der Frauenarzt keine Hormonspirale ein. Bestimmte Formen von Brustkrebs gehören ebenfalls zu den Gegenanzeigen. Auch unklare Unterleibsblutungen vertragen sich nicht mit der Spirale. Dasselbe gilt für akute Lebererkrankungen oder Lebertumoren.

Wann besondere Vorsicht angebracht ist

Gefäßerkrankungen, etwa eine akute Venenentzündung oder -thrombose und Herz-Kreislauf-Krankheiten wie zum Beispiel starker Bluthochdruck schränken die Anwendung bedingt ein. Daher wird der Arzt dann abwägen, ob eine Hormonspirale infrage kommt oder eine bereits vorhandene entfernt werden sollte.

Ausgeprägte Migräne mit Sehstörungen, ein Gefäßverschluss im Auge, Leukämien oder Erkrankungen mit Gelbsucht sind ebenfalls Situationen, in denen der Arzt empfehlen wird, die Hormonspirale nicht einzulegen oder ihre Anwendung zu beenden.

Wichtig

Die Hormonspirale schützt zwar sehr zuverlässig vor einer ungewollten Schwangerschaft, und zwar sofort nach dem Einlegen, nicht aber vor Infektionen wie HIV/Aids oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Diese Risiken können jedoch zusätzlich angewendete Kondome senken.

Bei Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr, die gesetzlich krankenversichert oder sozialhilfeberechtigt sind, übernimmt die zuständige Krankenkasse beziehungsweise der Sozialhilfeträger die Kosten für die Spirale. Sicherheitshalber sollte man sich dazu beim Arzt, bei der Krankenkasse oder einer geeigneten Beratungsstelle für Familienplanung, Schwangerschaft und Verhütung informieren.

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Bildnachweis: Your Photo Today/BSIP, Thinkstock/PhotosCom, Brand X Pictures/RYF

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