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Verhütung: Hormonspirale

Nach Einlage in die Gebärmutter gibt die Hormonspirale kleine Mengen eines Gestagenhormons ab. Alle Modelle bieten einen guten Empfängnisschutz, der hauptsächlich auf den örtlichen Hormonwirkungen beruht

aktualisiert am 12.02.2019
Hormonspirale

Hormonspirale: Der Zylinder am Schaft setzt das Hormon Gestagen frei


Wie funktioniert die Hormonspirale?

Die Hormonspirale, auch Verhütungsschirmchen genannt, hat meist die Form eines T und ist aus flexiblem Kunststoff. Der senkrechte Stab trägt einen Zylinder, in dem das Hormon Levenorgestrel, ein dem natürlichen Gelbkörperhormon ähnliches künstliches Gestagen, enthalten ist. Außerdem sind in einer Öse unten am Stab zwei feine Rückholfäden aus Kunststoff befestigt. Sie dienen Arzt und Trägerin zur Kontrolle: Die Fäden lassen sich ertasten, um das Vorhandensein der Spirale direkt zu überprüfen. Außerdem kann der Frauenarzt die Spirale anhand der Fäden wieder leicht entfernen.

Die Hormonspirale wird auch als intrauterines Wirkstoff-Freisetzungssystem oder Intrauterinsystem, kurz IUS, bezeichnet; intrauterin bedeutet in der Gebärmutter. Spiralen gehören zu den reversiblen Langzeitkontrazeptiva. Denn neben der Kupferspirale wirkt auch die Hormonspirale über längere Zeit verhütend (kontrazeptiv). Sie kann jederzeit entfernt, der Empfängnisschutz somit kurzfristig rückgängig gemacht werden (reversibel). Er besteht normalerweise ab dem ersten Tag der Anwendung.

Sprechstunde beim Arzt

Die Hormonspirale bewirkt, dass der Schleim im Gebärmutterhals dickflüssiger wird. Die Spermien können so nicht in die Gebärmutter beziehungsweise zum Ei vordringen. Auch lässt ihre Beweglichkeit nach. Zudem bildet sich die Gebärmutterschleimhaut stark zurück. Falls vereinzelt doch noch Spermien ans Ziel gelangen und eine Eizelle befruchtet wird, kann diese sich nicht in der Gebärmutter einnisten. Das Gestagen verhindert mehrheitlich nicht den Eisprung.

Es sind Ausführungen in verschiedenen Größen und mit unterschiedlichem Hormongehalt verfügbar, derzeit mit 13,5 Milligramm, 19,5 Milligramm oder 52 Milligramm Levonorgestrel. Je nach Modell kann eine Hormonspirale bis zu drei oder fünf Jahren in der Gebärmutter bleiben und wirksam sein. Für die 52-Milligramm Spirale gibt es außerdem bestimmte medizinische Indikationen (siehe unten, Abschnitt "Vorteile").

Hat eine Spirale "ausgedient", kann auf Wunsch normalerweise wieder eine neue Spirale eingesetzt werden.

Das Gespräch mit dem Arzt

Über Vor- und Nachteile muss sich eine Frau, die mit der Hormonspirale verhüten möchte, vorab von ihrem Frauenarzt beraten lassen. Auch ist das Einlegen der Spirale ein kleiner Eingriff. Die Frau bestätigt schriftlich, dass sie über die Risiken der Spirale wie auch des Eingriffs aufgeklärt wurde und die Verhütungsmethode wünscht.

Einlegen der Hormonspirale*, ärztliche Kontrollen

Bei der gynäkologischen Voruntersuchung überprüft der Arzt, ob die Gebärmutter der Frau für die Verhütungsmethode geeignet ist. Außerdem vergewissert er sich, dass keine Infektion und auch sonst keine Gegenanzeigen vorliegen. Eine Schwangerschaft schließt die Anwendung aus (weitere Gegenanzeigen im entsprechenden Abschnitt weiter unten).

Die letzte Krebsfrüherkennungsuntersuchung mit einem Zellabstrich vom Gebärmutterhals sollte nicht länger als sechs Monate zurückliegen. Entdeckt der Frauenarzt bei der Voruntersuchung einen auffälligen Befund, wird er zunächst einen Kontrollabstrich entnehmen und ihn überprüfen lassen, bevor er die Spirale einsetzt.

Im Allgemeinen erfolgt dies während der Regelblutung. Falls notwendig, kann die Frau rechtzeitig vor dem Einsetzen ein Schmerzmittel erhalten. Nach Desinfektion von Scheide und Muttermund führt der Arzt das IUS mithilfe eines sterilen Applikators in die Gebärmutter ein.

Zuvor prüft er deren Länge und Lage mit einer Sonde. Dabei schließt er auch bislang unbekannt gebliebene Hindernisse vor Ort wie ein Myom der Gebärmutter oder ein schon vorhandenes IUS aus. Nach Vorschieben und Freisetzen der Spirale entfalten sich ihre Querarme, und sie nimmt ihren Platz unter dem "Dach" der Gebärmutter ein.

Mitunter muss der Gebärmutterhals anfangs noch etwas vorgedehnt werden. Zum Schluss kürzt der Arzt die Fäden auf die passende Länge und überprüft den Sitz der Spirale. Gegebenenfalls erfolgt dies mittels Ultraschall.

Vier bis zwölf Wochen später schaut der Arzt nach, ob alles in Ordnung ist. Eine Ultraschalluntersuchung kann anzeigen, ob die Spirale weiterhin richtig liegt. Normalerweise bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen diese erste Kontrolluntersuchung. Weitere Routinekontrollen sind in etwa halbjährlichen Abständen vorgesehen, bei Bedarf auch zu jedem früheren Zeitpunkt.

Der Gynäkologe erklärt der Frau, wie sie die Rückholfäden selbst ertastet. Sie sollte sich lieber nicht darauf verlassen, dass der Partner beim Sex etwas davon verspürt – das ist ohnehin nur hypothetisch. Am besten also gelegentlich prüfen, ob die Fädchen an Ort und Stelle sind. Ein guter Zeitpunkt ist gleich nach der Menstruation (falls sie nicht ausbleibt; siehe Abschnitt "Nachteile").
Ein Silberring hilft, die kleineren von der größeren Spirale zu unterscheiden. Zudem haben die Rückholfäden der kleineren Spiralen unterschiedliche Farben.

*Wie der Arzt die Spirale einlegt, ist hier nur orientierend erklärt. Im Einzelfall kann der Ablauf je nach verwendeter Spirale und Ausgangssituation der Patientin abweichen.

Vorteile der Hormonspirale

Die Hormonspirale ist für Frauen geeignet, die langfristig verhüten möchten. Einnahmefehler wie beispielsweise bei der Pille sind ausgeschlossen. Auch Zeitverschiebungen bei Reisen oder Magen-Darmprobleme spielen für die Verhütungssicherheit keine Rolle.

Die Periode wird durch die Hormonspirale schwächer, kürzer, oft auch weniger schmerzhaft. Teilweise kann sie komplett ausbleiben (Amenorrhö). Das kann, muss aber nicht erwünscht sein. Sicherheitshalber sollten Betroffene, wenn sie in diesem Fall auch den Rückholfaden nicht tasten, zusätzlich eine Barrieremethode als Empfängnisschutz anwenden und bei Verdacht auf eine Schwangerschaft einen Test machen.

Fällt das Ergebnis negativ aus und fehlen andere Schwangerschaftszeichen, den Test gegebenenfalls wiederholen und / oder ohne Zeitverlust (Stichwort: Notfallverhütung?) den Frauenarzt hinzuziehen.

Eine neu auftretende Amenorrhö sollte im Prinzip immer abgeklärt werden, auch unter der Hormonspirale. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau mit Hormonspirale schwanger wird, ist allerdings sehr gering.

Aus diesem Grund haben Anwenderinnen von Hormonspiralen insgesamt auch ein niedrigeres Risiko für eine Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft als Frauen, die nicht verhüten.

Aber: Im Falle einer Schwangerschaft unter der Hormonspirale ist dieses Risiko leicht erhöht. Auch deshalb empfiehlt sich hier frühzeitig eine Beratung beim Frauenarzt.

Infektionen der Genitalorgane, zum Beispiel Eileiterentzündungen, kommen bei Frauen, die mit einer Spirale verhüten, per se nicht häufiger vor als bei Frauen, die andere Verhütungsmethoden anwenden.

Die höher dosierte Hormonspirale (52 Milligramm) gilt als besonders geeignet für Frauen, die starke Monatsblutungen haben und eine reversible Verhütungsmethode wünschen. Medizinische Indikationen sind zum Beispiel Blutungen bei bestimmten Gerinnungsstörungen oder gerinnungshemmenden Behandlungen, auch mit Neigung zu Blutarmut. Der verhütende Effekt wird dann (zugleich) therapeutisch genutzt.

Erfolgt die Anwendung aus medizinischen Gründen, bezahlen die Krankenkassen in der Regel alle Kontrolluntersuchungen.

Bei einer Endometriose der Gebärmuttermuskulatur, die häufig zu schmerzhaften Regelblutungen und auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führt, ist die Hormonspirale zwar auch eine "Option". Eine entsprechende Zulassung als Therapie steht hier allerdings aus.

Ein wichtiger Punkt ist zudem das Risiko für Venenthrombosen und Embolien im Zusammenhang mit einer Hormontherapie. Bei einer Thrombose verschließt ein Gerinnsel zum Beispiel eine Beinvene. Bröckchen des Gerinnsels können mit dem Blutstrom fortgeschleppt werden (Embolie).

Experten setzen das zusätzliche Risiko für solche mitunter gefährlichen Thrombo-Embolien bei der Hormonspirale niedriger an als bei bestimmten Pillen oder vergleichbaren Verhütungsmitteln wie Hormonpflaster und Verhütungsring. Sie kann daher auch für Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko infrage kommen. Mehr zu dem Thema im Beitrag "Die Pille".

Die Hormonspirale ist zudem für Frauen geeignet, die östrogenbetonte Verhütungsmittel nicht vertragen. Auch in der Stillzeit ist sie nach Auffassung der meisten Experten eine Option zum Verhüten, da das Gestagen nur minimal in die Muttermilch übergeht. Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, wird die Hormonspirale im Allgemeinen erst drei Monate nach Entbindung eingelegt, nachdem die Gebärmutter sich vollständig zurückgebildet hat.

Außerdem kann die höherdosierte Hormonspirale (52 Milligramm), wenn nötig, als Gestagenkomponente im Rahmen einer Therapie ("Hormonersatztherapie") mit dem Hormon Östrogen geeignet sein. Diese Therapie sollte jährlich überprüft werden. Der behandelne Frauenarzt informiert genauer darüber.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten im Hinblick auf den Empfängnisschutz, wie sie zum Beispiel bei der Pille vorkommen können, werden bei der Hormonspirale als nicht bedeutend eingeschätzt, da das freigesetzte Gestagen ganz überwiegend nur örtlich wirkt. Es empfiehlt sich allerdings, bei Behandlungen mit Arzneimitteln die Informationen in den Beipackzetteln stets zu überprüfen und sich bei Bedarf vom Arzt / Apotheker informieren zu lassen.

Frau mit Bauchschmerzen

Nachteile der Hormonspirale

Das Einlegen der Hormonspirale erfordert eine bestimmte Technik und kann eventuell etwas schmerzhaft sein, besonders für jüngere Frauen. Eine Verletzung der Gebärmutter passiert allerdings äußerst selten. Im Allgemeinen macht sich das sofort mit Schmerzen bemerkbar, und der Arzt wird geeignete Maßnahmen treffen. Fieber und Unterleibsschmerzen kurz nach dem Eingriff können auf eine Infektion hindeuten.

Manchmal verrutscht die Spirale, seltener noch wird sie tatsächlich ausgestoßen. Dies passiert am ehesten in den ersten zwei Monaten und führt meist zu Blutungen oder Schmerzen. Doch kann die Spirale selten einmal auch unbemerkt verloren gehen. Darauf kann dann eventuell eine – zunächst wieder – verstärkte Menstruation hinweisen. Lässt sich kein Faden tasten, ist zunächst davon auszugehen, dass kein sicherer Empfängnisschutz mehr besteht.

Setzt sechs Wochen nach Beginn der letzten Menstruation (gilt für Frauen, die unter der Hormonspirale weiterhin Regelblutungen haben) keine Blutung ein, ist eine Schwangerschaft denkbar. Dabei ist das Risiko für eine Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft etwas erhöht (siehe oben).

Nebenwirkungen der Hormonspirale

Auch hier gilt, jeweils die Patientinformation der eingesetzten Spirale heranzuziehen. Die Verträglichkeit von Arzneimitteln ist individuell sehr verschieden. Viele Frauen kommen mit der Hormonspirale gut zurecht. Ähnlich wie bei vergleichbaren anderen hormonellen Verhütungsmitteln beinhalten die bekannten Nebenwirkungen häufiger Probleme wie beispielsweise Kopfschmerzen, Bauch- und Unterleibsschmerzen, Gewichtsveränderungen, Brustspannen, Akne, Nervosität, depressive Verstimmung oder Depressionen, Abnahme der sexuellen Lust (Libidoververänderungen). Dies gilt insbesondere für die erste Zeit nach dem Einlegen.
Hinweis: In die Fach- und Gebrauchsinformationen hormoneller Verhütungsmittel (hormoneller Kontrazeptiva, hier: der Hormonspirale) sind Warnhinweise aufgenommen worden, die auf ein erhöhtes Suizidrisiko als mögliche Folge von Depressionen aufmerksam machen. Frauen, die Stimmungsschwankungen und depressive Symptome unter der Anwendung eines Kontrazeptivums festellen, sollten sich rasch von ihrem Arzt medizinisch beraten lasssen, auch wenn die Spirale erst vor Kurzem eingelegt wurde.

In den ersten drei bis sechs Monaten der Anwendung können außerdem vermehrt Schmierblutungen, verstärkte Monatsblutungen oder Zwischenblutungen auftreten.

Bei einem Teil der Frauen, die die Hormonspirale schon länger nutzen, schwächt die Menstruation sich ab oder bleibt aus (Amenorrhö).

Sogenannte funktionelle Zysten des Eierstocks gehören zu den sehr häufigen Nebenwirkungen der Hormonspirale. Das Eibläschen, der Follikel, wird nach dem Eisprung zum Gelbkörper, und der bildet sich normalerweise am Zyklusende zurück. Manchmal bleibt ein vergrößerter Follikel bestehen. Meist macht dies keine Beschwerden, leichte Bauchschmerzen sind eher die Ausnahme. Einmal entdeckt, kontrolliert der Gynäkologe den Befund zeitnah. Häufig verschwinden solche Zysten wieder von selbst. Nur selten ist ein operativer Eingriff notwendig.

Gegenanzeigen der Hormonspirale

Fehlbildungen der Gebärmutter schließen das Einlegen einer Spirale in der Regel aus. Auch ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für sexuell übertragene Krankheiten, etwa bei häufig wechselnden Partnern, Neigung zu Unterleibsentzündungen oder frühere Eileiterschwangerschaften, sprechen gegen eine Verhütung mit der Spirale.

Bei bestehenden Infektionen und Entzündungen der Geschlechtsorgane kommt die Methode nicht in Betracht. Genitalinfektionen müssen gezielt behandelt werden, um Folgen wie zum Beispiel Unfruchtbarkeit zu vermeiden. Gegebenenfalls entfernt der Arzt eine liegende Spirale sogar.

Bei Verdacht auf oder Nachweis von Gebärmutterhalskrebs beziehungsweise -krebsvorstufen (Zervixdysplasien) sowie bei Gebärmutterkörperkrebs setzt der Frauenarzt keine Hormonspirale ein. Bestimmte Formen und Behandlungsphasen von Brustkrebs gehören ebenfalls zu den Gegenanzeigen. Auch unklare Unterleibsblutungen vertragen sich nicht mit der Spirale. Dasselbe gilt für akute Lebererkrankungen, auch Lebertumoren.

Wann besondere Vorsicht angebracht ist

Gefäßerkrankungen, etwa eine akute Venenentzündung oder -thrombose und Herz-Kreislauf-Krankheiten wie zum Beispiel starker Bluthochdruck schränken die Anwendung bedingt ein. Daher wird der Arzt dann abwägen, ob eine Hormonspirale infrage kommt oder eine bereits vorhandene entfernt werden sollte.

Ausgeprägte Migräne mit Sehstörungen, ein Gefäßverschluss im Auge, Leukämien oder Erkrankungen mit Gelbsucht sind ebenfalls Situationen, in denen der Arzt empfehlen wird, die Hormonspirale nicht einzulegen oder ihre Anwendung zu beenden.

Wichtig

Die Hormonspirale schützt zwar sehr zuverlässig vor einer ungewollten Schwangerschaft, und zwar sofort nach dem Einlegen, nicht aber vor Infektionen wie HIV/Aids oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Diese Risiken können jedoch zusätzlich angewendete Kondome senken.

Bei Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr, die gesetzlich krankenversichert oder sozialhilfeberechtigt sind, übernimmt die zuständige Krankenkasse beziehungsweise der Sozialhilfeträger die Kosten für die Spirale. Sicherheitshalber sollte man sich dazu beim Arzt, bei der Krankenkasse oder einer geeigneten Beratungsstelle für Familienplanung, Schwangerschaft und Verhütung informieren.

Pearl-Index: 0,16 bis 0,41 (je nach Modell und Anwendungsdauer)