Hexenschuss: Komplikationen

Ein Hexenschuss ist manchmal auch für eine „Überraschung“ gut. Zum Beispiel kann sich eine ernsthafte Krankheitsursache herausstellen. Auch ein chronischer Verlauf ist möglich, selten liegt ein Notfall vor
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 20.12.2016

Starke Rücken- und Beinschmerzen können auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen

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Mehr als ein einfacher Hexenschuss

Mitunter ist bei akuten Kreuzschmerzen eine unschöne Wendung möglich. Zum Beispiel so:

  • Rückfall: Das Schmerzereignis tritt nach einer mehrmonatigen schmerzfreien Phase erneut auf. Sind zwischen dem ersten und zweiten Mal mindestens sechs Monate vergangen, so ist von einem erneuten akuten Hexenschuss auszugehen. Diese Annahme sollte man sicherheithalber vom Arzt überprüfen lassen. Möglicherweise steckt doch ein grundlegendes Rückenproblem dahinter, zum Beispiel ein Bandscheibenschaden, ein Wirbelgleiten (Spondylolisthese) oder eine Osteoporose.
  • Ständig Kreuzweh: Die Schmerzen klingen nie richtig ab, flackern vielmehr immer wieder auf. Dieser Zustand zieht sich länger hin, zwölf Wochen oder mehr, was bedeutet, dass die Kreuzschmerzen chronisch geworden sind. Ärzte sprechen hier von einer Schmerzkrankheit, die sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt hat. Vorausgesetzt, andere körperliche Ursachen, etwa ein entzündlicher Kreuzschmerz, wie er zum Beispiel bei der Bechterew-Krankheit auftritt, konnte ausgeschlossen werden. Ärzte sind bemüht, ihre Patienten nach Möglichkeit vor solchen Verläufen zu bewahren. Gefragt sind beide: Arzt und Patient.
  • Frühzeitig kompliziert: Der Schmerz lässt nicht nach oder nimmt zu und strahlt ins Bein, bis in den Fuß oder die Zehen aus. Dort ist er womöglich ähnlich stark wie im Rücken oder überwiegt gar. Möglicherweise treten auch Gefühlsstörungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühle auf, eventuell eine Muskelschwäche oder Lähmung am Fuß (Fuß- oder Zehenheberschwäche, Unvermögen zum Zehenspitzenstand).

    Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Rückenproblem wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall vorliegt, ist hier recht groß. Die Schmerzen sind dann nicht mehr funktionell, sondern strukturell bedingt, und es liegt ein komplizierter Hexenschuss vor, genauer: ein akuter Rückenschmerz aufgrund einer spezifischen Krankheitsursache, die auch die Beinnerven mit einbezieht. Das muss ein Arzt zügig überprüfen, um dann eine geeignete Therapie einzuleiten (siehe auch Kapitel "Hexenschuss: Ursachen" und "Hexenschuss: Ischias, radikuläre Schmerzen" in diesem Beitrag).

    Neben Bandscheibenvorfällen kommen noch andere Ursachen für einen komplizierten, spezifischen Rückenschmerz infrage: zum Beispiel degenerative Veränderungen an den Wirbeln selbst, sodann Wirbelbrüche, Wirbelgleiten, krankhafte Veränderungen im Wirbelkanal und am Rückenmark. Oder entzündliche und andere Schädigungen (Neuropathien) der Rückenmarksnerven, ihrer Wurzeln und Nervenstränge, die die Gliedmaßen versorgen.

    Schließlich können bei einer generellen Muskelerkrankung (Myopathie) die kleinen Muskeln tief im Rücken, die die Bewegungssegmente der Wirbelsäule steuern, dort Schmerzen und Funktionsstörungen verursachen. Im Ratgeber "Rückenschmerzen" lesen Sie mehr über spezifische Rückenschmerzursachen.
  • Seltene Notfälle kreuzabwärts: Die Kreuzschmerzen strahlen in beide Beine aus. Besonders das Gehen ist schmerzhaft. Der Betroffene kann wegen der Schmerzen in den Beinen keine längeren Wegstrecken mehr zurücklegen. Eine gewisse Schmerzlinderung verspürt er im Sitzen oder Vorbeugen. Jedes für sich und alles zusammen sind Situationen, die der Klärung und Behandlung bedürfen – umso mehr, wenn sich zusätzlich Alarmzeichen einstellen wie schlaffe Lähmungen und Missempfindungen an beiden Beinen. Auch können Taubheitsgefühle im Genital- und Analbereich und an den Oberschenkelinnenseiten auftreten (sogenannte Reithosenanästhesie), dazu eine Störung der Blasen-, Darm- und Sexualfunktion mit Impotenz. Jedesmal liegt ein Notfall (Notruf 112) vor. Er bedarf der sofortigen Behandlung in einer neurochirurgischen Klinik.

    Für ein solches, außerhalb von Verletzungen eher seltenes Conus-Syndrom (Querschnitt des unteren Rückenmarks) und / oder Cauda-Syndrom (Einengung der unteren Nervenwurzeln im Rückenmarkkanal, es befindet sich dort kein Rückenmark mehr) gibt es verschiedene Ursachen – etwa ein Bandscheibenvorfall, aber auch eine degenerative Verengung des Wirbelkanals (lumbale Wirbelkanalstenose), Veränderungen nach einer Operation, mitunter auch ein Tumor.
  • Andere Ursache schuld? Die Wahrscheinlichkeit ist zwar auch eher gering, aber es ist theoretisch möglich, dass Schmerzen, die eigentlich im Bauch- oder Beckenbereich entstanden sind, sich auf das Kreuz übertragen oder überwiegend dort wahrgenommen werden. Das kann zum Beispiel bei einer Infektion der Harnwege, bei einer Eierstockentzündung oder anderen akuten Erkrankungen im unteren Bauchraum der Fall sein. Allerdings treten hier in der Regel noch weitere Symptome auf, etwa Fieber, dazu Schmerzen beim Wasserlassen oder im Unterleib. Auch hier ist natürlich umgehend ein Arzt gefragt.

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