Nahrungsmittelallergien: Diagnose

Verschiedene Allergietests wie Hauttests, Bluttests und Provokationstests können helfen, den Auslöser der Lebensmittelallergie herauszufinden

aktualisiert am 09.04.2018

Prick-Test: Hier werden gerade die verschiedenen Allergenlösungen auf den Unterarm aufgebracht


Wesentlich für die Sicherung der Diagnose sind Fragen zur Vorgeschichte des Patienten. Bei Symptomen, die auf eine Nahrungsmittelallergie hinweisen, lässt sich der Arzt genau schildern, wann und unter welchen Umständen die Beschwerden aufgetreten sind.

Nicht selten ergeben sich daraus dann schon konkrete Hinweise auf eine Überempfindlichkeit und deren Auslöser, so etwa wenn nach dem Genuss eines bestimmten Nahrungsmittels wiederholt innerhalb von etwa einer halben Stunde typische allergische Symptome auftreten. Hilfreich ist oft auch ein Nahrungsmittelsymptomtagebuch, das mögliche Zusammenhänge aufzeigen kann.

Weiteren Aufschluss ergeben dann Haut- und/oder Bluttests, die eine Sensibilisierung – also die Produktion spezifischer IgE-Antikörper – gegen ein Nahrungsmittel anzeigen. Zusammen mit einer entsprechenden Vorgeschichte spricht dies dann dafür, dass das Nahrungsmittel, gegen das IgE-Antikörper nachweisbar sind, für die allergische Reaktion verantwortlich sein kann. Nur mit einem oralen Provokationstest kann jedoch sicher festgestellt werden, ob das Lebensmittel tatsächlich entsprechende Symptome hervorruft.

Hauttests

Bei den Hauttests trägt der Arzt Nahrungsmittel entweder als käuflichen Extrakt oder naturbelassen auf die Haut auf oder bringt sie oberflächlich mit einer Lanzette in die Haut ein. Nach 15 Minuten wird die Hautreaktion (Bildung einer Quaddel) abgelesen und ist ein Hinweis dafür, ob eine Sensibilisierung vorliegt.

Beim Prick-Test wird auf markierte Hautstellen jeweils ein Tropfen mit den zu testenden Allergenlösungen aufgebracht. Anschließend wird mit einer Lanzette durch die Tropfen hindurch in die Haut gestochen, so dass das Allergen aufgenommen werden kann. Der Prick-Test gilt als Standard unter den Hauttests. Bei der Nahrungsmittelallergie wird häufig auch der Prick-zu-Prick-Test eingesetzt. Hier wird die Lanzette zunächst in das Nahrungsmittel gestochen (zum Beispiel in einen Apfel) und anschließend in die oberflächliche Haut des Patienten gebracht.

Beim Intrakutantest werden die Allergenlösungen oberflächlich in die Haut injiziert. Weil das Verfahren ein höheres Risiko für allergische Zwischenfälle birgt und zu falsch-positiven Ergebnissen führen kann (das heißt, es wird eine Sensibilisierung angezeigt, obwohl keine vorliegt), wird es nur noch selten angewandt.

Ebenfalls kaum eine Rolle spielen der Reib- und Scratch-Test, bei denen die zu testenden Lösungen in die Haut eingerieben oder eingeritzt werden. Diese  Methode eignet sich nur bei Verdacht auf eine ausgeprägte Sensibilisierung.

Beim Atopie-Patch-Test werden naturbelassene Nahrungsmittel mit einem Pflaster auf die Haut am Rücken aufgebracht und verbleiben dort zwei Tage. Anschließend wird untersucht, ob es zu Hautveränderungen gekommen ist. Mit diesem Test lassen sich T-Zell-vermittelte Nahrungsmittelallergien feststellen, die im Rahmen einer Spätreaktion zu Ekzemen führen. Der Test kann beispielsweise dann durchgeführt werden, wenn bei Neurodermitis-Patienten der Verdacht besteht, dass eine Nahrungsmittelallergie an der Verschlimmerung der Symptome beteiligt ist. Allerdings muss dabei beachtet werden, dass die Haut bei Neurodermitis-Patienten sehr empfindlich ist und falsch positive Reaktionen auftreten können.

Bluttests

Eine Sensibilisierung gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln lässt sich auch anhand spezifischer IgE-Antikörper im Blut nachweisen. Dazu wird der betroffenen Person Blut abgenommen und in ein Labor geschickt. Dort wird untersucht, ob gegen ein bestimmtes Nahrungsmittel IgE-Antikörper vorhanden sind und in welcher Menge.

Seit einiger Zeit bieten manche Labors auch den Nachweis spezifischer IgG-Antikörper im Blut als Mittel zur Diagnostik bei vermuteter Nahrungsmittelallergie an. Dabei testen die Labors bis zu 300 verschiedene Nahrungsmittel und verknüpfen die Ergebnisse teilweise mit Diätempfehlungen. Diese Methode ist jedoch nicht nur teuer (die Kosten müssen die Patienten selbst tragen), sondern auch fragwürdig: Nationale und europäische allergologische Fachverbände raten davon ab. Die Produktion von IgG-Antikörpern ist eine normale Reaktion des Organismus auf den Kontakt mit Nahrungsmitteln und hat keinen Krankheitswert. Stattdessen besteht die Gefahr, dass die Patienten durch aufwändige Diätempfehlungen belastet werden und Ernährungsdefizite entstehen.

Zu diesem Ergebnis kommt auch ein Faktencheck der Krankenkasse AOK, den sie gemeinsam mit Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, durchgeführt hat: "Dieser Test ist zur Erkennung von Nahrungsmittel-Allergien völlig ungeeignet", erklärt Dr. Kai Kolpatzik, Leiter der Abteilung Prävention im AOK-Bundesverband. "Wegen der irreführenden Ergebnisse des Tests verzichten die Menschen womöglich auf gesunde Nahrungsmittel, die ihnen eigentlich gut tun würden."

Eine genauere Analyse zum umstrittenen Immunglobulin-G-Test können Sie dieser AOK-Faktenbox entnehmen:

Orale Provokation

Bei diesem Verfahren nimmt ein Patient genau das Nahrungsmittel zu sich, das man als Auslöser der Beschwerden vermutet. Wegen des Risikos schwerwiegender allergischer Reaktionen sollte die Provokation immer unter ärztlicher Aufsicht an einem Ort erfolgen, an dem das Personal auch Notfälle behandeln kann – meist also in einer Klinik.

Die Provokation sollte außerdem in einer Zeit durchgeführt werden, in der die Betroffenen keine allergischen Symptome aufweisen oder sich – etwa bei Neurodermitis – in einer symptomarmen, möglichst stabilen Phase der Erkrankung befinden.

Dem Test muss eine mehrtätige Diät vorausgehen: Wird ein bereits als allergen verdächtigtes Nahrungsmittel weggelassen, spricht man von Eliminiationsdiät. Besteht noch kein konkreter Verdacht gegen ein bestimmtes Nahrungsmittel, können die Patienten eine so genannte oligoallergene Diät zu sich nehmen, mit einer Speisenzusammensetzung, die als sehr wenig allergen bekannt ist.

Für die Provokation erhalten die Patienten das zu testende Nahrungsmittel zunächst in einer sehr geringen Menge, die dann im Abstand von 30 bis 60 Minuten gesteigert wird. Dieses Verfahren setzt sich fort, bis es entweder zu einer allergischen Reaktion gekommen oder insgesamt die Nahrungsmittelmenge erreicht ist, die man durchschnittlich pro Tag zu sich nimmt (zum Beispiel ein ganzes Ei). Die Beobachtungsdauer sollte bei erwarteten Sofortreaktionen 24 Stunden betragen, bei möglichen Spätreaktionen – also bei Neurodermitis – mindestens 48 Stunden.

Der Aufwand für die Provokation ist sowohl für die Patienten als auch für die Untersucher sehr hoch. Dies gilt besonders dann, wenn die Reaktion auf ein potenzielles Allergen mit der auf ein Scheinallergen (Plazebo) verglichen wird und weder Untersucher noch Patient wissen, was sie gerade verabreichen beziehungsweise einnehmen (doppelblind). Allerdings sind damit auch die aussagekräftigsten Ergebnisse zu erzielen. Experten sehen diesen Aufwand gerechtfertigt, um Nahrungsmittel-Allergene möglichst sicher zu identifizieren, aber auch um die Patienten vor unsinnigen Diäten zu bewahren.