Leberzirrhose: Diagnose

Manchmal vergehen Jahre, bis eine Leberzirrhose erkannt wird. Blut- und Gewebeuntersuchungen sowie Ultraschall helfen, die Krankheit zu erkennen und ihren Verlauf abzuschätzen

aktualisiert am 26.06.2017

Der Arzt tastet den Bauch ab. Das kann Hinweise für die Diagnose liefern


Da eine Leberzirrhose erst spät zu Beschwerden führt, wird sie häufig eher "zufällig" entdeckt, wenn Blut- oder Ultraschalluntersuchungen gemacht werden oder es in einem späteren Stadium zu Komplikationen kommt.

Bei einem Verdacht kann der Arzt erste Anzeichen einer Leberzirrhose durch Abtasten des Bauchs finden. So fühlt sich die Leber verhärtet und in späteren Stadien deutlich verkleinert an.

Wie es um das größte Entgiftungsorgan des Körpers steht, zeigen Laborwerte und bildgebende Untersuchungen. In weiter fortgeschrittenen Fällen kann eine spezielle Ultraschalluntersuchung, die Elastografie, Auskunft darüber geben, wie stark die Bindegewebsbildung bereits vorangeschritten ist. Im Anfangsstadium ist eine Gewebeentnahme (Biopsie, siehe weiter unten) jedoch zuverlässiger, um den Zustand der Leber zu beurteilen.

Wird eine Zirrhose diagnostiziert, findet eine Klassifizierung des Krankheitsstadiums statt. Nach bestimmten Kriterien wird der sogenannte Child-Pugh-Score festgestellt. Er hilft bei Aussagen zum weiteren Verlauf der Krankheit.

Laborwerte, Blutuntersuchung

Anhand einer Blutuntersuchung im Labor kann der Arzt feststellen, wie weit die Schädigung der Leber vorangeschritten ist. Je weniger sie wegen der Zirrhose arbeiten kann, desto stärker verändert sich die Zusammensetzung der einzelnen Substanzen, die im Blut transportiert werden.

Wenn die Leber ihrer Entgiftungsaufgabe nicht mehr nachkommt, finden sich im Blut Abfallstoffe, die nicht mehr abgebaut wurden. Zu ihnen zählt auch der Gallenfarbstoff Bilirubin, der für die Gelbsucht verantwortlich ist.

Von erhöhten Leberwerten spricht man, wenn bestimmte Enzyme vermehrt im Blut vorkommen. Sie können anzeigen, dass die Leber entzündet ist oder Zellen bereits zugrunde gegangen sind. Zu den Leberwerten gehören GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, aus den Leberzellen) oder auch GGT (Gamma-Glutamyl-Transferase, aus den Zellen der Gallengänge). In Verbindung mit weiteren Enzymen des Stoffwechsels geben ihre Werte einen Hinweis auf Krankheiten, welche die Zirrhose ausgelöst haben können.

Ultraschall- und Kernspinuntersuchungen

Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) können Struktur und Größe der Leber und damit auch sich bildende Knötchen sichtbar gemacht werden. Auftretende Komplikationen wie eine Bauchwassersucht, Vergrößerung der Milz oder neu gebildete Blutgefäße (Krampfadern) können durch Ultraschall erfasst werden. Auch Tumore können so entdeckt werden, wenn sich in Folge der Zirrhose Krebs entwickelt hat. Am empfindlichsten aber ist die Kernspinuntersuchung der Leber und ableitenden Gallewege.

Die Elastografie ist ebenfalls eine Ultraschalluntersuchung. Dabei wird eine Ultraschallwelle durch die Leber geschickt und beobachtet, wie schnell sich diese ausbreitet und wie stark sich das Lebergewebe dabei verformt. Je mehr die Leber vom Bindegewebe durchsetzt ist, desto schneller breitet sich die Welle aus und desto weniger verformt sich das Gewebe. So lässt sich indirekt der Grad der Zirrhose bestimmen. Diese Methode eignet sich jedoch nur bei fortgeschrittenen Zirrhosen. Bei starkem Übergewicht, Wasseransammlungen im Bauchraum oder einer akuten Leberentzündung (Hepatitis) ist die Elastografie nicht zuverlässig.

Leberpunktion und Bauchspiegelung

Mit einer Gewebeentnahme aus der Leber (Leberpunktion) kann eine Leberzirrhose eindeutig diagnostiziert werden. Die entnommenen Proben der Leber geben Auskunft darüber, wie viele Zellen sich bereits in Bindegewebe umgewandelt haben und wie stark das Gewebe zum Beispiel bei einer Hepatitis entzündet ist. Dabei wird mit einer speziellen hohlen Nadel aus der Leber eine kleine Menge Gewebe entnommen. Um dabei keine anderen Organe zu verletzen, wird gleichzeitig durch Ultraschall kontrolliert. So kann der Weg der Nadel im Körper auf dem Bildschirm verfolgt werden. Wenn nur bestimmte Teile der Leber untersucht werden sollen, zum Beispiel bei Verdacht auf einen Tumor, hilft eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) die gewünschte Stelle gezielt zu punktieren.

Prognose

Da jedes Jahr 20.000 Menschen in Deutschland an den Folgen einer chronischen Lebererkrankung sterben, ist es wichtig, die Leberzirrhose oder besser die Vorstufe der Leberfibrose so früh wie möglich zu erkennen. Nach der Diagnose können Maßnahmen getroffen werden, die weitere Komplikationen verhindern und dem Patienten das Leben verlängern.

Eine Bewertung nach den sogenannten Child-Pugh-Kriterien hilft, das Ausmaß der Zirrhose in verschiedene Stadien einzuteilen. Dabei werden bestimmten Laborwerten und auftretenden Komplikationen wie Bauchwassersucht Punkte zugeordnet. Addiert ergeben diese Punkte einen Wert, der eine Aussage über die Schwere der Erkrankung liefert. Jede Punktsumme ist einem bestimmten Stadium zugeordnet, von "Child-Pugh" A bis C. Die Einstufung von "Child A" (leicht) bis "Child C" (schwer) macht eine Aussage über die verbleibende Leistung der Leber und Überlebenschancen der Patienten möglich.

Ab einem bestimmten Krankheitsgrad ist das Lebergewebe so stark angegriffen, dass nur noch eine Transplantation das Leben des Patienten retten kann. Um die Dringlichkeit der nötigen Lebertransplantation zu beziffern, wird der sogenannte "Meld Score" verwendet (Model End-stage, Liver Disease-Modell, Modell der Lebererkrankung im Endstadium). Er wird nach bestimmten Laborwerten berechnet und sorgt dafür, dass die am stärksten Erkrankten dringlicher ein Spenderorgan erhalten.