Grauer Star (Linsentrübung, Katarakt): Ursachen und Risikofaktoren

Der graue Star kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens entstehen, am häufigsten im Alter. Was Linsentrübungen begünstigt

aktualisiert am 27.11.2017

Ab Mitte sechzig sind neun von zehn Menschen vom grauen Star betroffen – mit oder ohne Beschwerden


Grauer Star: Zwei Hauptgruppen, viele Auslöser

Linsentrübungen bis hin zum grauen Star sind vielfältiger Art. Sie lassen sich in zwei Gruppen zusammenfassen:

  • Erworbener grauer Star (auch erbliche Formen)

     - Altersstar (Veranlagung und unbekannte Faktoren)
     - Grauer Star als Begleitkrankheit bei erblichen Erkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis oder Morbus Wilson
     - Grauer Star, der zusammen mit weiteren angeborenen, ererbten Fehlbildungen der Augen und / oder anderer Organe auftritt (sogenannte erbliche Syndrome, der graue Star kann hier erst im Kindesalter auftreten)
    - "Myotoniestar": Myotone Dystrophie (auch Curschmann-Steinert-Batten-Syndrom) ist eine erbliche Muskelerkrankung, die zu fortschreitender Muskelschwäche führt. Zudem kann sich im Laufe der Zeit ein grauer Star entwickeln, außerdem können Herzrhythmusstörungen und psychische Veränderungen auftreten
    - Strahlen
    (etwa UV-Licht, Blitzschlag)
    -
    Rauchen und ausgeprägter Alkoholkonsum
    - Verletzungen des Auges
    , andere Augenerkrankungen wie das Glaukom (grüner Star) oder Fehlsichtigkeit wie starke Kurzsichtigkeit
    -
    Stoffwechselstörungen, zum Beispiel Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit: Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2), Dialyse (Stoffwechselstörungen infolge Blutwäsche), Kalziummangel mit sogenannter Tetanie
    -
    Nährstoffmangel: Mangel an lebenswichtigen (essenziellen) Nährstoffen und Salzen, etwa bei schwerer Unterernährung oder Durchfallerkrankungen (gilt vor allem für Entwicklungsländer)
    - Medikamente
    , beispielsweise Kortison
    -
    Augenoperation: Auch nach einem Eingriff am Auge kann sich unter Umständen ein grauer Star entwickeln.

     

  • Angeborene (konnatale) Formen des grauen Stars (erworben, erblich)

     - Grauer Star beim Neugeborenen durch Schädigungen in der Schwangerschaft, beispielsweise infolge einer Röteln- oder Mumps-Infektion oder auch Alkoholkonsum der Mutter.
    - Erbliche Syndrome und Krankheiten, zum Beispiel Alport-Syndrom oder Stoffwechselstörungen wie Galaktosämie (erblicher Enzymmangel; siehe ebenfalls weiter unten) mit grauem Star des Neugeborenen

Mehr zu den Ursachen des grauen Stars

- Veranlagung: Sie führt zur häufigsten Form des grauen Stars, dem Altersstar.

- Angeborener grauer Star: Die Form des grauen Stars betrifft weniger als ein Prozent der Neugeborenen. Man muss hier unterscheiden zwischen erblichen Faktoren und erworbenen Schädigungen in der Schwangerschaft (siehe oben).

Der Korrekturbedarf durch einen frühzeitigen Eingriff hängt vom Ausmaß der Linsentrübung ab und der Frage ob beide oder nur ein Auge betroffen sind.

Babys mit bestimmten erblichen Syndromen haben neben einer Linsentrübung mitunter noch weitere angeborene Fehlbidungen, die operiert werden müssen. Die Operation der Augen ist bei deutlicher Katarakt unerlässlich, um einer Schwachsichtigkeit (Amblyopie) vorzubeugen. Diese würde sich zwangsläufig entwickeln, weil das Gehirn durch das unscharfe oder fehlende Netzhautbild das Sehen nicht "lernen" kann.

Bei anderen Babys können die Linsentrübungen dagegen so geringfügig sein, dass die Kleinen sich meistens normal entwickeln.

Die Diagnose einer Galaktosämie wird beim Neugeborenenscreening gestellt. Einen weiterführenden Beitrag dazu finden Sie auf unserem Partnerportal "www.baby-und-familie.de" ("Neugeborenenscreening: Das wird getestet"). Nach Behandlung mit einer speziellen Diät, die zeitlebens sein muss, können sich die in den ersten Lebenstagen und -wochen bereits entstehenden Linsentrübungen meist vollständig zurückbilden.

- Grauer Star bei Neurodermitis: Dass es bei einer anlagebedingten Hautkrankheit wie Neurodermitis zu Linsentrübungen kommen kann, hängt mit der Embryonalentwicklung des Menschen im Mutterleib zusammen. Das Linsengewebe stammt aus dem äußeren Keimblatt (Ektoderm), aus dem unter anderem auch Haut und Haare hervorgehen. Daher kann die Krankheit nicht nur die Haut und Kopfhaut, sondern auch die Linse im Auge betreffen.

- Grauer Star bei Kurzsichtigkeit: Menschen mit starker Kurzsichtigkeit haben ein erhöhtes Risiko für verschiedene Augenprobleme. Unter anderem kann sich relativ frühzeitig ein grauer Star bilden.

- Strahlenstar: Auf Strahlen – von UV-Licht über Infrarotlicht bis zu radioaktiver und Röntgen-Strahlung – und andere physikalische Einwirkungen reagiert die Augenlinse sehr empfindlich. Ob auf dem Meer oder hoch auf den Bergen – Segelsportler und Alpinisten etwa müssen ihre Augen stets gut durch eine geeignete Brille schützen, um sich gegen einen grauen Star zu wappnen. In tropischen Ländern trägt die starke Sonneneinstrahlung dazu bei, dass viele Menschen schon im Alter von vierzig bis fünfzig Jahren am grauen Star erkranken.

- Linsentrübungen durch Rauchen und starken Alkoholkonsum: Sowohl Schadstoffe im Rauch als auch Stoffwechselprodukte, die beim Abbau von Alkohol im Körper anfallen, können anhaltend zu Linsentrübungen führen.

- Augenverletzungen wie Prellungen des Augapfels, offene Verletzungen mit oder ohne eingedrungene Fremdkörper, Strom- und Blitzschläge können dem Auge über die unmittelbare Schädigung hinaus auch durch die Entwicklung eines grauen Stars zusetzen.

- Kortisonstar: Eine Behandlung mit Kortison in jeglicher Arzneiform, besonders aber bei langdauernder Einnahme in Form von Tabletten (orale Therapie), kann einen grauen Star auslösen. Unter der Therapie sollten zuverlässig alle drei Monate Kontrollen beim Augenarzt stattfinden (siehe Kapitel "Grauer Star: Diagnose"). Zeichnet sich eine Kataraktentwicklung ab, wird der Arzt prüfen, ob die Behandlung umgestellt werden kann. Nach frühzeitiger Unterbrechung der Therapie kann sich eine beginnende Linsentrübung im Einzelfall wieder zurückbilden. Beenden Sie aber auf keinen Fall eine Kortisonbehandlung in Eigenregie. Darüber entscheidet immer der behandelnde Arzt in Absprache mit dem Augenarzt und dem Patienten.

- Grauer Star bei anderen Augenerkrankungen: Eine Katarakt kann auch bei einem chronischen Glaukom (grüner Star) im fortgeschrittenen Stadium oder nach einem akuten Glaukomanfall auftreten. Bei einer altersbezogenen Makuladegeneration oder bei Netzhautschädigungen infolge von Durchblutungsstörungenkann sich die Linse ebenfalls trüben.

Ein grauer Star kann außerdem im Zusammenhang mit entzündlichen Augenerkrankungen, der Uveitis, entstehen.

- Grauer Star bei Diabetes mellitus: Der "Zuckerstar" – Cataracta diabetica – betrifft in erster Linie Menschen mit Typ-1-Diabetes. Bei dieser Diabetesform zerstört eine Autoimmunentzündung die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Der Zeitpunkt fällt meist ins Kindes- und Jugendalter. In der Folge fehlt das zuckerregulierende Hormon. Um den Zucker verwerten zu können, müssen sich die Betroffenen zeitlebens Insulin spritzen. Der Augenarzt kann bei Typ-1-Diabetikern nicht selten plaqueartige Linsentrübungen in der Nähe der Linsenkapsel (sogenannte hintere Schalentrübung oder subkapsuläre Rindentrübung, siehe Kapitel "Grauer Star: Anatomie des Auges" und "Überblick", Abschnitt "Der graue Star und wie er sich zeigt"; zum Klicken) feststellen.

Bei Typ-2-Diabetikern, die anfangs meist "nur" eine Unempfindlichkeit des Gewebes für Insulin haben und erst später einen Insulinmangel, tritt der graue Star häufiger als vorgezogener Altersstar auf. Als Hauptrisikofaktoren für einen Typ-2-Diabetes gelten neben erblicher Veranlagung Übergewicht und Bewegungsmangel.

Und: Stark schwankende Blutzuckerwerte können durch akute Veränderungen der Augenlinse vorübergehend die Sehschärfe beeinträchtigen. Das kann besonders bei Behandlung mit Insulin, bei Typ-2-Diabetikern auch unter bestimmten Blutzuckersenkern, vorkommen.