Wann ist es sinnvoll, einen Sehtest zu machen?

Wer in der Ferne verschwommen sieht und zum Beispiel Straßenschilder nicht rechtzeitig erkennt oder beim Lesen von Kleingedrucktem Probleme hat, sollte beim Augenarzt einen Sehtest machen. Der Arzt kann eine Kurz- oder Weitsichtigkeit erkennen und bei Bedarf ein Rezept für eine Brille oder Kontaktlinsen ausstellen.

Ein Sehtest ist außerdem erforderlich für alle, die einen Führerschein machen wollen. Der Sehtest kann sowohl in einer augenärztlichen Praxis als auch bei vielen Optikern erfolgen.

Bei bestimmten Augenerkrankungen, etwa der feuchten Makuladegeneration, sind regelmäßige Sehtests erforderlich, um den Verlauf der Erkrankung oder die Wirksamkeit der Behandlung zu überprüfen.

Was bedeutet „Sehschärfe“?

Der Begriff Sehschärfe beschreibt die Fähigkeit des Auges, zwei Punkte getrennt voneinander wahrzunehmen. Die beiden Punkte bilden in der Stelle des schärfsten Sehens (Fovea centralis) einen Winkel, den Sehwinkel. Die Sehschärfe wird als Kehrwert dieses Winkels angegeben: Liegt ein Sehwinkel von 1 Winkelminute vor – das ist der 60-ste Teil eines Winkelgrades –, ist die Sehschärfe 1/1, das entspricht einer Sehschärfe oder einem Visus von 1,0. Besteht ein Sehwinkel von 10 Winkelminuten – das ist ein Sechstel eines Winkelgrades –, liegt die Sehschärfe bei 0,1. Je kleiner der Winkel, desto größer die Sehschärfe.

Häufig wird die Sehschärfe auch in Prozent angegeben: Ein Visus von 1,0 entspricht einer Sehschärfe von 100 Prozent. Diese Prozentangabe mag leichter verständlich erscheinen, sie ist aber irreführend: Bei jüngeren Menschen kann der normale Visus 1,0 bis 1,6, im Extremfall sogar 2,0 betragen. Das entspräche dann einer Sehschärfe von 200 Prozent.

Wie läuft der Sehtest ab?

Bei einem Sehtest wird untersucht, wie gut eine Person in die Weite und in die Nähe sieht. Dabei bestimmt der Arzt den Fernvisus und den Nahvisus.

Beim Sehtest für die Ferne nutzt der Arzt eine Sehprobentafel mit sogenannten Optotypen. Das sind Ziffern, Buchstaben, Landolt-Ringe oder Abbildungen.

Bei Kindern nutzt der Augenarzt neben Bildern auch die sogenannten E-Haken. Dabei muss das Kind erkennen, wohin die offene Seite des Buchstabens E zeigt.

Soll der Augenarzt ein Gutachten erstellen, muss er die sogenannten Landolt-Ringe verwenden, die genormt sind. Dabei handelt es sich um Kreise, die an einer Stelle unterbrochen sind. Die Lücke kann an unterschiedlichen Stellen des Kreises liegen.

Die Sehprobentafel befindet sich in einer Entfernung von fünf Metern zur untersuchten Person. Oder die Sehprobentafel wird – in kleineren Untersuchungsräumen – mithilfe eines Spiegel auf einen Wandschirm projiziert oder auf einem Monitor abgebildet. In beiden Fällen sind die Optotypen so verkleinert, dass sie in ihrer Größe den Optotypen in fünf Metern Abstand entsprechen.

Der Arzt überprüft jedes Auge einzeln, weshalb der Untersuchte jeweils eines mit der Hand abdeckt.

Erkennt eine Person alle Zeichen in der Entfernung von fünf Metern, hat sie eine Sehschärfe von 1,0. Hat ihre Sehkraft nachgelassen, verringert der Arzt den Abstand zur Sehprobentafel. Je nach dem, in welcher Entfernung der Untersuchte die Zeichen lesen kann, schließt der Arzt auf die Sehschärfe.

Beim Sehtest für die Nähe soll die untersuchte Person Ziffern oder einen Text auf einer kleinen Tafel lesen, die ihr im Abstand von 30 bis 40 Zentimetern vorgehalten wird. Kann sie diese nicht richtig erkennen, ist ihr Nahvisus eingeschränkt.

Wann sollte ein Sehtest wiederholt werden?

Die Ergebnisse beim Sehtest können je nach Tageszeit, Beleuchtung und individuellem Wohlbefinden unterschiedlich ausfallen. Wenn es um die optimale Anpassung einer Sehhilfe geht, kann es manchmal sinnvoll sein, den Sehtest zu einer anderen Tageszeit zu wiederholen. Bei unterschiedlichen Ergebnissen sollte dann nicht ein Mittelwert zur Anpassung der Sehhilfe herangezogen werden, sondern das Testergebnis, bei dem der Untersuchte möglichst entspannt war.

Wann ist es sinnvoll, diagnostische Augentropfen anzuwenden?

Kinder und Jugendliche können stark akkomodieren, das bedeutet, dass sie die Linse stark verformen können, um Gegenstände in der Nähe scharf sehen. Ist ein junger Mensch stark weitsichtig, kann er durch die Akkomodation seine Sehschärfe in der Ferne verbessern. Die Akkomodation ist mit einer Kontraktion des Ringmuskels um die Augenlinse verbunden. Die ständige Anspannung des Ringmuskels führt zu Kopfschmerzen.

Akkomodation: So sehen wir in Nähe und Ferne scharf

Besteht der Verdacht, dass ein Kind seine Sehschwäche durch ständiges Akkomodieren ausgleicht, kann der Augenarzt mithilfe von Augentropfen, die Cyclopentolat enthalten, den Ringmuskel, welcher die Augenlinse verformt, lähmen und so die Sehschärfe zuverlässig bestimmen.

Beratender Experte

Professor Dr. med. Carl-Ludwig Schönfeld ist Facharzt für Augenheilkunde in München

Prof. Carl-Ludwig Schönfeld

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Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten

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