Nach einer Organtransplantation müssen Patientinnen und Patienten lebenslang Arzneien nehmen, die verhindern, dass ihr Körper das fremde Organ abstößt. Diese Immunsuppressiva haben viele Nebenwirkungen. Noch im Krankenhaus wird jede Patientin und jeder Patient individuell auf eine Kombination von Medikamenten eingestellt und bekommt ein Therapieschema. Auf diesem sind Arzneimittelnamen, Dosierungen und Einnahmezeitpunkte vermerkt.

Betroffene müssen sich exakt an den Therapieplan halten. Denn nur dann erfüllen die Immunsuppressiva ihren Zweck. Seit Juni 2021 können sich eigens dafür geschulte Apothekerinnen und Apotheker mehr Zeit für die Betreuung von Organtransplantierten nehmen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Beratung von 90 Euro.

Wichtig: Rezepte regelmäßig einlösen

Wie herausfordernd es ist, mit dem Leben nach der Transplantation zurechtzukommen, weiß Apothekerin Karima Ballout aus Bottrop. Sie betreut schon länger Betrof­fene. Am schwierigsten sei es, den Patientinnen und Patienten klarzumachen, wie wichtig es ist, regelmäßig die Rezepte für die Immunsuppressiva einzulösen und nicht auf den letzten Drücker in die Apotheke zu kommen. „Das sind keine Arzneimittel, die man immer vorrätig hat“, sagt Ballout. Und wenn die Kundin oder der Kunde im Gespräch dann noch sagt, sie oder er habe die letzte Tablette schon genommen – spätestens dann empfiehlt Ballout die einstündige Beratungsleistung.

Manchen Patientinnen und Patienten sei nicht bewusst, dass schon das ein- oder zweimalige Vergessen dieser Medikamente schwerwiegende Folgen haben kann. Im allerschlimmsten Fall könne es zur Abstoßungsreaktion kommen, so die Apothekerin. Gerade in den ersten sechs Monaten nach der Transplantation ist Therapietreue besonders wichtig. Im Beratungsgespräch wird außerdem erklärt, dass andere Medikamente, Nahrungsmittel, Alkohol oder Nahrungsergänzungsmittel die Wirkung der Immunsuppressiva mindern oder verstärken können. Ballout: „Schnell in die Apotheke, etwas gegen Kopfschmerzen oder Husten kaufen oder ein pflanzliches Mittel im Drogeriemarkt – das geht nicht mehr ohne Rücksprache mit dem Arzt.“

Beratungstermine helfen bei der Einnahme

Das Ziel der Beratung ist, die Behandlung so angenehm und sicher wie möglich zu machen. Beispiel Therapietreue: „Ein Patient erzählt im Gespräch, dass er wirklich Probleme damit hat, die Tabletten dreimal täglich einzunehmen. Wir melden das an die Ärztin zurück und fragen, ob dieser Patient vielleicht etwas einnehmen kann, was nur ein- oder zweimal täglich genommen werden muss. Und schicken häufig einen Vorschlag zur Lösung mit.“ Das geschieht mit dem Einverständnis des Kunden oder der Kundin.

Auch sogenannte arzneimittelbezogene Probleme bespricht Ballout im Beratungstermin. Nebenwirkungen sind oft Thema, denn manche Immunsuppressiva erhöhen etwa Blutdruck und Blutzucker. Betroffene bekommen daher bei Bedarf entsprechende Arzneien verschrieben. Neue Medikamente können aber neue Nebenwirkungen verursachen. „Hat der Patient Probleme, schauen wir, ob es Alternativen mit weniger Nebenwirkungen gibt.“ Und melden das an die Ärztin oder den Arzt zurück. „Hand in Hand mit den behandelnden Ärzten“, sagt die Apothekerin. Ziel: die optimale Versorgung der Organtransplantierten.

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Quellen:

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