Erektionsstörungen können für Betroffene und Partnerschaften sehr belastend sein. Was sind die Ursachen - und was kann man dagegen tun? Wir haben Experten gefragt.

Was sind die Ursachen für eine Erektionsstörung?

Das Steifwerden des Penis (Erektion) ist ein komplexer Vorgang, bei dem Nerven, Blutgefäße, Hormone und Psyche zusammenspielen müssen. Dementsprechend kann eine Erektionsstörung zahlreiche Ursachen haben. Am häufigsten liegt es an der Durchblutung: Ist sie - etwa durch Gefäßablagerungen - gestört, kommt nicht genügend Blut im Penis an. Eine andere Möglichkeit ist, dass es zu schnell wieder abfließt. In jedem Fall reicht die Blutmenge in den Schwellkörpern nicht aus, um eine befriedigende Erektion zu bekommen und aufrecht zu erhalten. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt Nerven und Gefäße. Dementsprechend sind Männer mit Diabetes etwa 3,5-mal so häufig von Erektionsstörungen betroffen wie gesunde Gleichaltrige. Auch ein Mangel an dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron kann zu Erektionsstörungen führen. Mit zunehmendem Alter sinkt bei vielen Männern der Testosteronspiegel, dementsprechend werden die Probleme häufiger: Während in vielen Studien weniger als 10 Prozent der unter 40-Jährigen betroffen waren, waren es bei über 60-Jährigen teilweise mehr als die Hälfte.

Was ist eine Erektionsstörung?

Von einer Erektionsstörung - genauer: einer erektilen Dysfunktion - spricht man, wenn ein Mann über mindestens sechs Monate Probleme hat, eine Erektion zu bekommen oder sie nicht lange genug aufrecht erhalten kann um Geschlechtsverkehr zu haben. Etwa drei Viertel der Versuche scheitern.

12721991_6756b4fd97.IRWUBPROD_50FH.jpg

Verursacht Covid-19 Erektionsstörungen?

Infektionen mit dem Coronavirus können wohl auch Erektionsprobleme zur Folge haben, die noch monatelang andauern. Forscher haben mehrere mögliche Ursachen ausgemacht

Warum sollte man das ernst nehmen?

„Der Penis ist die Fahne des Herzens“, sagt Dr. Horst Hohmuth, Urologe, Androloge und Sportmediziner aus Ulm. Damit meint er: Eine Erektionsstörung kann ein Warnzeichen für ein Gefäßerkrankung sein. Das kann schwerwiegende Folgen für die Herzgesundheit haben, zum Beispiel einen Herzinfarkt. Durchblutungsstörungen können am Penis in Gestalt der erektilen Dysfunktion früher sichtbar werden als am Herzen. Epidemiologische Daten zeigen, dass Männer mit mittelschweren bis schweren gefäßbedingten Erektionsstörungen ein erhöhtes Risiko haben, binnen der nächsten zehn Jahre einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen.

Was kann man tun, um Erektionsstörungen vorzubeugen?

„Achten Sie auf Ihre Ernährung, reduzieren Sie, wenn nötig, Ihr Körpergewicht und seien Sie regelmäßig körperlich aktiv“, rät Frank Sommer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Er ist Professor für Männergesundheit. „Insbesondere kurze, intensive Trainingseinheiten erhöhen den Testosteronspiegel“, sagt er. Das bedeute je nach Person zwischen 30 und 75 Minuten. Zudem wird die Durchblutung angeregt. „Was gut ist für den Kreislauf, ist gut für die Potenz“, sagt Hohmuth. Wer bisher nicht oder länger nicht sportlich aktiv war oder unter Krankheiten leidet, spricht vor dem Training mit seinem behandelnden Arzt oder der Ärztin, was er sich zumuten kann.

Was, wenn die Probleme bereits da sind?

In jedem Fall sollten Sie das Problem nicht für sich behalten, sondern einen Urologen oder eine Urologin aufsuchen, um die Ursachen abzuklären. Vielleicht bereitet ein erhöhter Blutzuckerspiegel oder eine andere Erkrankung Probleme und muss behandelt werden. Möglicherweise benötigen Sie ein Medikament, um Ihren Testosteronspiegel auszugleichen. Seit Ende 2021 gibt es eine sogenannte „Potenz-App auf Rezept“. Das 12-wöchige Programm beinhaltet unter anderem Beckenbodentraining, kardiovaskuläres Training und Achtsamkeitsübungen. Auch Hilfsmittel wie Pumpen oder Spritzen in den Penisschwellkörper können helfen, eine Erektion zu erreichen. Außerdem können Ärztinnen und Ärzte sogenannte PDE-5-Hemmer verschreiben, die die Durchblutung des Penis steigern. „Sie sind eine super Möglichkeit, spontane Sexualität zu erleben“, sagt Urologe Sommer.

Wie wirken PDE-5-Hemmer?

Sie blockieren das Enzym Phosphodiesterase-5 (PDE-5). Dieses spielt bei der Erektion eine wichtige Rolle. Es baut den Botenstoff cGMP ab, der zur Erschlaffung der glatten Muskulatur in den Gefäßen des Penis führt. Ist der Stoff cGMP vorhanden, erweitern sich die Gefäße: Mehr Blut strömt ein. Sind die richtigen Reize da, kann ein Mann unter Einnahme von PDE-5-Hemmern wieder leichter eine Erektion bekommen und diese auch länger halten. Allerdings beheben die Tabletten nicht die Ursache des Problems. „Wenn Sie nichts weiter tun, brauchen Sie immer höhere Dosen, und irgendwann wirken sie gar nicht mehr“, sagt Experte Sommer.

Paar im Bett

Erektionsstörungen

Erhöhte Blutzuckerspiegel können bei Männern mit Diabetes zu Erektionsstörungen führen. Diese lassen sich meist gut behandeln

Welche PDE-5-Hemmer gibt es?

PDE-5-Hemmer gibt es in unterschiedlichen Varianten, die sich hauptsächlich hinsichtlich ihrer Wirkdauer unterscheiden. Als erstes zugelassen wurde Sildenafil unter dem Markennamen Viagra. Inzwischen gibt es davon eine Reihe von Generika. Daneben sind in Deutschland Vardenafil (Levitra), Tadalafil (Cialis) und Avanafil (Spedra) zugelassen. Auch von Vardenafil und Tadalafil gibt es Generika. Welcher Wirkstoff der beste ist, sei schwer zu sagen, sagt Frank Sommer. „Die Wirkprofile unterscheiden sich von Patient zu Patient.“ Jedes für sich gilt aber als wirksam und sicher. „Bei beginnenden, mäßigen und moderaten Erektionsstörungen verschreibe ich oft eine Langzeittherapie mit Tadalafil“, berichtet Urologe Horst Hohmuth aus der Praxis. Das ist bislang der einzige PDE-5-Hemmer, der zur Dauerbehandlung zugelassen ist. Er wirkt über bis 24 Stunden und damit deutlich länger als andere Wirkstoffe, die man eher kurzfristig, 30 bis 60 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr einnimmt. Öfter als einmal am Tag sollte man sie nicht nehmen.

Gibt es Neben- oder Wechselwirkungen?

Die Wirkung der PDE-5-Hemmer ist im Prinzip selbst eine Nebenwirkung, die durch Zufall entdeckt wurde. Sildenafil wurde ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck entwickelt. Dementsprechend können die Wirkstoffe den Blutdruck senken. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen müssen sich daher genau mit ihrem Arzt absprechen. In Kombination mit sogenannten Nitratpräparaten sind PDE-5-Hemmer tabu. Bei ansonsten gesunden Männern können beispielsweise Kopfschmerzen, Schwindel, eine verstopfte Nase, Magen-Darm-Beschwerden oder eine Gesichtsrötung auftreten. Manchmal kommt es zu Rückenschmerzen oder einer Störung des Farbsehens. Auf den Blutzucker wirken sich die Medikamente nicht aus. „Da gibt es überhaupt keine Probleme“, beruhigen die Experten.

Wer bezahlt die Behandlung?

Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten zwar die Beratung, Untersuchung und Behandlung durch einen Facharzt und auch die oben erwähnte Gesundheits-App, nicht aber Medikamente wie PDE-5-Hemmer. Diese müssen Patienten in der Regel selbst bezahlen.

Kann ich mir nicht einfach einen PDE-5-Hemmer im Internet kaufen?

Davon ist dringend abzuraten. In Deutschland sind PDE-5-Hemmer bislang verschreibungspflichtig, in anderen Ländern hingegen nicht. Vor einigen Jahren hat Urologe Sommer alle Präparate, die sich ohne Rezept im Internet bestellen lassen, untersucht. „In über 80 Prozent der Fälle war nicht das drin, was draufstand“, berichtet der Experte. Viele seien mit Schwermetallen belastet oder anderweitig verunreinigt gewesen. „Das fällt ins Gewicht, wenn Sie die Tabletten regelmäßig einnehmen“, warnt Sommer. Teilweise sei die Dosis des enthaltenen Wirkstoffs dreimal so hoch gewesen wie erlaubt. „Bei jemandem, der Bluthochdruck hat oder noch andere Medikamente einnimmt, kann das kritisch werden“, so der Experte.

16262581_d2b036a445.IRWUBPROD_5GMB.jpg

Erstmals „Potenz-App“ auf Rezept zugelassen

Männer mit Erektionsstörungen können nun auf eine neue Behandlungsmethode zugreifen: Eine „Potenz-App“ für ihr Smartphone. Wie das funktionieren soll

Bett vor dem Fenster

Erektile Dysfunktion: Ursachen und Behandlung

Welche Auslöser Erektionsstörungen haben können, welche Therapien helfen