Innen- und Außenmeniskus (Schemazeichnung). Letzterer ist kleiner, hier mit Einriss am Innenrand  zu sehen

Innen- und Außenmeniskus (Schemazeichnung). Letzterer ist kleiner, hier mit Einriss am Innenrand zu sehen

Liegen die Schmerzen mehr außen oder innen, vorne oder hinten am Knie? Verstärken sie sich bei Bewegungen, und wenn ja, bei welchen? Gibt es Begleitsymptome? Machen Sie sich ein erstes Bild. Hier ein paar Anhaltspunkte (Auswahl) für Sie, hilfreich für den Termin beim Arzt.

Check-up Knieprobleme

  • Schmerzen an der Innenseite des Knies:

Häufig schmerzt das Knie an der Innenseite, etwa bei einem Innenmeniskus-Schaden. Der Meniskus – es gibt zwei (siehe Bild oben) – gleicht die am Knie sehr unebenen Gelenkflächen aus.

Bei einem O-Bein, aber auch bei einem aus anderen Gründen abgenutzten Meniskus in dem Bereich, kann sich auf der Innenseite eine Arthrose entwickeln, die sich im Laufe der Zeit schmerzhaft bemerkbar macht.

Eine andere mögliche Ursache ist die Entzündung eines Schleimbeutels (Bursitis, hier der sogenannten Bursa anserina).

Auch   Sehnenschäden des Semimembranosus-Muskels, eines Kniebeugers, können   an der Innenseite des Knies für Schmerzen verantwortlich sein, typischerweise beim Beugen, Gehen oder Laufen.

Ähnlich verhält es sich bei einer Erkrankung namens Morbus Ahlbäck (Morbus bedeutet Krankheit). Dabei kommt es zu einem Defekt im Knochen  aufgrund einer Durchblutungsstörung. Knieschmerzen treten plötzlich bei  Belastung, aber auch in Ruhe auf (siehe weiter unten). Druck mit dem Finger auf  die Innenseite des Knies kann hier recht unangenehm sein.

Bei Arthrose kann das Knie auch mal an der Außenseite wehtun

Bei Arthrose kann das Knie auch mal an der Außenseite wehtun

  • Schmerzen an der Außenseite des Knies:

Außen am Knie kann sich ein lädierter Außenmeniskus bemerkbar machen. Dabei kann der Gelenkspalt außen am Knie beim Tasten schmerzhaft, eventuell auch geschwollen sein. Ebenfalls schmerzhaft: Innendrehung des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel, etwa bei plötzlichem Bewegungsstopp im Sport oder passiv bei der ärztlichen Untersuchung.

Typische Ursachen für Schmerzen außen am Knie sind       zudem gereizte oder verschlissene Sehnen. Der medizinische Fachbegriff       lautet Tendinose.

Auch das sogenannte Läuferknie bei Laufsportlern kommt hier als Schmerzursache infrage. Der Name steht für verschiedene Überlastungsschäden der Knie. Mögliche Symptome sind zunehmende Schmerzen beim       Laufen, mit der Zeit auch beim Gehen, Hinabsteigen von Treppen oder       Aufstehen aus dem Sitzen. In Ruhe lassen sie nach. Außer an der Seite tut       das Knie hier manchmal auch vorne oder hinten weh. Es kann auch       anschwellen.

Infolge von Gelenkverschleiß (Arthrose) sind       ebenfalls Schmerzen im Außenbereich des Knies möglich, in dem Fall hauptsächlich im       Zuge eines X-Beins.

  • Schmerzen vorne am Knie:

Wird der Schmerz hauptsächlich vorne am Knie verspürt, kann zum Beispiel ein Springerknie der Grund sein. Darunter versteht man eine Schädigung der Kniescheibensehne, auch Patellaspitzensyndrom genannt. Teilweise kann aber auch das Läuferknie (siehe oben) mit Beschwerden vorne an der Kniescheibe verbunden sein.

Bei Jugendlichen sind das Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom oder der Morbus Osgood-Schlatter, die beide im Kindes- und Jugendalter vorkommen, mögliche Ursachen für einen vorderen Knieschmerz. Beide Probleme sind Überlastungsreaktionen im wachsenden Knochen, die nach vorübergehender Schonung und Physiotherapie wieder vergehen.

Auch Schäden oder Formvarianten der Kniescheibe und Schleimbeutelentzündungen im Frontbereich des Knies gehen mit Schmerzen vorne am Knie einher.

  • Schmerzen in der Kniekehle:

Hier kann eine Baker-Zyste mehr oder weniger ausgeprägte Beschwerden oder ein Druckgefühl beim Beugen des Knies zur Folge haben – meistens wegen der damit verbundenen Schwellung. Ab einer bestimmten Größe ist die Zyste in der Kniekehle tastbar. Reißt sie ein, löst das heftige Schmerzen aus.

Weitere Schmerzursachen hier: Verletzungen eines Meniskus, Sehnenverschleiß (hier von Kniebeugermuskeln), Gefäßprobleme wie Einengungen, Verschlüsse (Thrombosen) oder Aussackungen, sodann Erkrankungen des Knochens oder der Nerven. Mehr oder weniger überall schmerzt das Knie bei jedweder Entzündung, ebenso bei stark entzündeter Arthrose oder bei Rheuma, das Gelenk kann hier zudem deutlich geschwollen sein.

  • Knieschmerz, Bewegungsdefizit, Geräusche:

Schmerzhaftes Ein- oder Wegknicken kann bei verschiedenen Problemen der Kniescheibe, unter anderem einer Kniescheibenverrenkung, oder auch bei einem Kreuzbandriss vorkommen.

Streck- oder Beugehemmung bis zur Blockierung beziehungsweise aufgehobenen Belastbarkeit mit begleitender Schwellung (Bluterguss) deutet bei entsprechendem Verletzungshergang auf einen knienahen Bruch hin.

Ansonsten kann auch eine Gelenkmaus dahinterstecken. Das ist ein ins Gelenk abgesetztes Knochenstück.

Zu einem Überstreckschmerz, Schnappenoder Beugedefizit kommt es zum Beispiel bei einem Meniskusriss (mehr zum Meniskus siehe weiter oben). 

Schmerzen beim Strecken des Knies sind auch möglich, wenn das Kniescheibenband gereizt ist.

Fühl- und hörbare, knirschende oder reibende Phänomene, etwa beim Strecken des Knies gegen Widerstand,treten bei Verschleiß an der Kniescheibenrückseite auf.

  • Knieschmerzen beim Treppengehen:

Knieschmerzen treppauf oder treppab können auf eine Entzündung des    Schleimbeutels unterhalb des inneren Gelenkspalts, der "Bursa anserina", ein Springerknie oder einen Knorpelschaden der    Kniescheibe hindeuten.

Auch bei einem Läuferknie oder bei Kniearthrose ist das Treppengehen, vor allem abwärts, häufig beschwerlich.

Schmerzt das Knie in Ruhe, am besten untersuchen lassen

Schmerzt das Knie in Ruhe, am besten untersuchen lassen

Knieschmerzen in Ruhelage:

Schmerzen bei Bewegungen und/oder eingeschränkte Beweglichkeit sind, wie zuvor beschrieben, typisch für viele Knieprobleme. Das ist kein Wunder,  schließlich ist das Knie ein Gelenk, mithin unser größtes. Doch es gibt  noch andere Konstellationen. Was ist, wenn das Knie (auch) ohne  Bewegung, in Ruhelage, wehtut?"

Anlaufschmerzen", das heißt Schmerzen nach Ruhe, nächtliche Schmerzen und Steifigkeit des Knies lassen zum Beispiel an eine Arthrose denken. Anfangs bessern sie sich im Laufe des Tages. Schreitet die Arthrose fort, sind Belastungen ständig und zunehmend schmerzhaft.

Nachts und in Ruhe einsetzende Knieschmerzen, später auch bei Belastung, können im Verlauf der Ahlbäck-Erkrankung (siehe oben) auftreten. Außerdem können sich "Wachstumsschmerzen" im Kindesalter mit nächtlichen Schmerzen bemerkbar machen (mehr dazu im Kapitel "Knieschmerzen – Ursachen" in diesem Beitrag).

Ruheschmerzen und Morgensteifigkeit, die bis zu einer Stunde anhalten  kann, sind zusammen mit anderen Beschwerden (siehe unten) für Rheuma (zum Beispiel rheumatoide Arthritis, recht typisch.

Weitaus seltener verbirgt sich hinter Ruheschmerzen am Bein eine Knochengeschwulst.

Im Zuge einer Nervenwurzelreizung am Rücken (genauer: am Rückenmarkskanal), etwa durch einen      Bandscheibenvorfall, können unter anderem morgens oder in Ruhelage Schmerzen am Knie      auftreten, übrigens mit und ohne Rückenschmerzen! Neben dem Knie treten bei manchen Erkrankungen auch nochSchmerzen an anderen Gelenken auf.

Schmerzen an mehreren Gelenken und Krankheitsgefühl: Ist es etwa Rheuma?

Schmerzen an mehreren Gelenken und Krankheitsgefühl: Ist es etwa Rheuma?

  • Knieschmerzen und Begleitsymptome:

Bei Gelenkschmerzen sind immer auch mal Begleitsymptome wie Schwellung des Gelenks, Rötung der umgebenden Haut, ein Hautausschlag, Fieber, Lymphknotenschwellungen und deutliches Krankheitsgefühl möglich. Je nach Beschwerdebild kann zum Beispiel eine Infektion, ein Gicht-Anfall oder ein Krankheitsbild aus dem rheumatischen Formenkreis dahinter stecken, etwa ein systemischer Lupus erythematodes. Die Bezeichnung systemisch besagt, dass nicht nur ein Gelenk, sondern mehrere Gelenke und sogar andere Organe betroffen sind.

  • Knieschmerzen bei Kindern und Jugendlichen:

Auch im Kindes- und Jugendalter kommen Knieschmerzen relativ  häufig  vor. Sie beruhen, wie schon erwähnt, nicht selten auf harmlosen   "Wachstumsschmerzen" oder meist von selbst heilenden Störungen wie Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom  und Osgood-Schlatter-Krankheit (siehe oben: "Schmerzen vorne am Knie").

Auf einem anderen Blatt stehen Erkrankungen wie das Bluterknie, das  schon erwähnte Rheuma (in diesem Fall Formen, die im Kindesalter  auftreten) und seltene Komplikationen bei Infektionskrankheiten wie  Purpura Schoenlein-Henoch (etwa nach einem Atemwegsinfekt) und  rheumatisches Fieber (nach einer Mandelentzündung wie Streptokokken-Angina).

Ebenfalls nur selten entwickelt sich eine Geschwulsterkrankung. Tumoren des Bewegungssystems kommen allerdings nicht häufig vor, gutartige überwiegen.

Sodann gibt es einige seltene erbliche Fieberkrankheiten, die mit periodisch wiederkehrenden Fieber-Schüben und Gelenkschmerzen verbunden sind.

Zum Nachlesen:

Frau mit Fieber im Bett

Fieber - Was das Symptom bedeutet

38 Grad Celsius oder mehr auf dem Fieberthermometer zeigt Fieber an. Meist, aber nicht immer, sind Infektionen...

Fazit: Art und Ort eines Knieschmerzes geben häufig schon  wichtige Anhaltspunkte in Richtung Diagnose. Achten Sie selbst auf sicht- oder spürbare Veränderungen. Wie der Arzt weiter vorgehen könnte, steht im Diagnose-Kapitel. Über die hier genannten Krankheitsbilder und mehr finden Sie unter "Knieschmerzen – Ursachen" und "Knieschmerzen: Überblick", jeweils in diesem Beitrag, weitere Informationen.