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Die Ausbrüche rücken näher: In der Nähe des italienischen Gardasees haben sich im Herbst 2023 mehrere Menschen infiziert. Auch in der Provinz Latium, die Gegend um Rom, hat sich eine Person vor Ort angesteckt. Frankreich meldet ebenfalls fast jeden Sommer neue Fälle. Die Rede ist von einer Infektionskrankheit, deren Name vor einigen Jahren fast nur Fernreisenden geläufig war: das Dengue-Fieber, wegen seiner schmerzhaften Symptome auch als Knochenbrecher-Fieber bezeichnet.

„Dengue nimmt massiv zu“, bestätigt Prof. Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) Düsseldorf . Doch gibt es auch eine gute Nachricht: Seit März 2023 ist eine neue Impfung gegen den Erreger verfügbar.

Wo breitet sich das Dengue-Fieber aus?

Ohne ständig die Schlagzeilen zu füllen, hat sich das Dengue-Fieber in den vergangenen 20 Jahren zu einer bedrohlichen Pandemie entwickelt. Anfang September hat Guatemala wegen des Dengue-Fiebers den Gesundheitsnotstand ausgerufen. In Bangladesch wütete 2023 derzeit der schlimmste Ausbruch, den es in dem Land je gab. Brasilien zählte ebenfalls Millionen Fälle. Auch in Europa nehmen die lokalen Ausbrüche, bei denen das Virus vor Ort übertragen wird, zu. So kommt es in Frankreich seit 2013 fast jedes Jahr zu neuen Fällen, oft an der Côte d’Azur. Auch in Spanien und Kroatien gab es schon Ansteckungen.

Prof. Dr. Tomas Jelinek ist Experte für Reisemedizin

Prof. Dr. Tomas Jelinek ist Experte für Reisemedizin

Gibt es Dengue-Fieber bald in Deutschland?

Die Hauptursache, dass sich Dengue über den Globus verbreitet, ist wenige Millimeter groß: Überträger der Krankheit ist die Tigermücke. „Die Tiere sind typische Kulturfolger“, sagt Jelinek. Eine kleine Pfütze in einem alten Autoreifen, ein Blumenuntersetzer voll Wasser reichen aus, damit sich die Larven entwickeln können. Auch das zunehmend wärmere Klima behagt den Blutsaugern. Mit Autos, Schiffen, vor allem aber mit Warentransporten gelangen die Mücken von einem Land ins andere. Die Dengue-Erreger werden dann in der Regel durch Reisende eingeflogen. Sind die Mücken vor Ort, können sie bei ihrem Stich Viren aufnehmen und die Krankheit verbreiten.

Dass es in naher Zukunft auch in Deutschland zu Ausbrüchen wie am Gardasee kommt, hält Jelinek für wahrscheinlich. Anders als in tropischen Ländern werden sich aber sicher keine Epidemien mit mehreren Millionen Fällen entwickeln. „Die Infektionsketten werden im Winter immer wieder durchbrochen“, erklärt der Reisemediziner. Zwar gibt es hierzulande bereits feste Populationen der Tigermücke, denen es auch gelingt zu überwintern. Dennoch sterben in der kalten Jahreszeit die Mücken ab. „Die Tiere, die im Frühjahr neu schlüpfen, sind dann nicht infiziert“, sagt Jelinek. Der Dengue-Erreger muss für einen erneuten Ausbruch also erst wieder eingeschleppt werden.

Welche Beschwerden verursacht die Erkrankung?

Da die Infektionszahlen weltweit sehr hoch liegen, geschieht das aber regelmäßig. Nicht alle Infizierten bemerken dabei, dass sie den Erreger in sich tragen. „In der Hälfte der Fälle verläuft Dengue ohne Symptome“, sagt Jelinek. Doch kann es auch zu heftigen Beschwerden führen. Typisch sind neben Fieber bis zu 40 Grad starke Schmerzen. „Wenn sich die Erkrankten bewegen, haben sie Schmerzen, als würden ihnen die Knochen brechen“, beschreibt Jelinek. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Husten und Lymphknotenschwellungen können hinzukommen.

Zu Beginn färbt sich die Haut oft rötlich, später kommt ein juckender Ausschlag hinzu. Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben unter anderem Kinder, Menschen mit starkem Übergewicht sowie mit Vorerkrankungen. Doch klingen die Beschwerden meist innerhalb von einer Woche ab. In manchen Fällen kommt es allerdings längerfristig zu chronischer Erschöpfung, dem sogenannten Fatigue-Syndrom.

Wo ist das Risiko für Dengue-Fieber hoch?

Das Dengue-Fieber hat sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm verbreitet. Inzwischen sind viele beliebte Reiseziele betroffen. Ist auch ihr Urlaubsland betroffen? Wo die Infektionszahlen aktuell hoch liegen könne Sie folgender aktuellen Karte entnehmen.

Warum ist eine zweite Infektion so gefährlich?

Doch Dengue ist noch auf andere Weise tückisch: Insgesamt existieren vier verschiedene Virus-Typen. Wer sich mit einem davon infiziert, ist danach in der Regel gegen diesen immun –­ aber nicht gegen die anderen. Bei einer erneuten Infektion verläuft die Erkrankung teils sogar deutlich schwerer als beim ersten Mal. Die Viren verbinden sich mit den Antikörpern, die sich gegen den anderen Subtyp gebildet haben, was ihnen das Eindringen in Zellen überraschenderweise erleichtert. Die Viren können sich also besser vermehren. „Der Körper reagiert mit einer überschießenden Abwehrreaktion“, erklärt Jelinek. Es kann dann zu einem sogenannten hämorrhagischen Fieber kommen.

Typisch sind Blutungen in der Haut, auch in Magen, Darm und inneren Organen. Ohne Therapie droht ein lebensgefährlicher Schock mit Kreislaufversagen. „Mit Hilfe intensivmedizinischer Versorgung, kann man die meisten Menschen stabilisieren“, sagt Jelinek. Nach ein paar Tagen gehen die Beschwerden in der Regel zurück. In den Ländern, in denen der Dengue-Erreger stark verbreitet ist, ist eine solche Versorgung teils allerdings nicht möglich. Es kommt daher nicht selten zu Todesfällen.

Wer sollte sich impfen lassen?

Doch inzwischen gibt es mehr Möglicheiten, sich vor Dengue zu schützen: Seit März 2023 ist eine Impfung gegen Dengue-Fieber verfügbar, die bereits ab dem Alter von vier Jahren verabreicht werden kann. „Die Impfung ist ein wirklicher Durchbruch“, sagt Jelinek.

Eine Arbeitsgemeinschaft der Ständigen Impfkommission (Stiko) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. hat die bisher vorliegenden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs geprüft. Sie empfiehlt Menschen die Impfung, die in der Vergangenheit eine Dengue-Virusinfektion durchgemacht haben und sich erneut länger in Gebieten mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko aufhalten. Eine allgemeine Impfempfehlung für Menschen, die keine Dengue-Infektion durchgemacht haben, gibt es derzeit aufgrund der beschränkten Datenlage allerdings nicht.

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Mückenstichen vorbeugen

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Die Impfung bietet einen etwa 80-prozentigen Schutz gegen fieberhafte Verläufe.Weil beim Dengue-Fieber vor allem die zweite Infektion schwerer verlaufen kann, gibt es Befürchtungen, der neue Impfstoff könnte wie eine Erstinfektion wirken. Personen, die vor der Impfung noch keine Infektion durchgemacht haben, hätten dann ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Auf Basis der bisher zur neuen Impfung vorliegenden Daten lässt sich das laut Stiko nicht ausschließen. Ärztinnen und Ärzte sind daher gehalten, Menschen die noch keine Dengue-Virus-Infektion hatten und sich trotzdem impfen lassen wollen, darauf hinzuweisen, dass hier möglicherweise ein Risiko besteht. Jelinek hält das jedoch für unwahrscheinlich.Die einzige Alternative, um sich zu schützen, ist konsequenter Mückenschutz. Doch in der Regel können weder Repellents noch Mückennetze einen hundertprozentigen Schutz garantieren.

Wird die Impfung gut vertragen?

Der Impfstoff gilt indes als sehr sicher und wird nach Jelineks Erfahrung zudem in der Regel gut vertragen: „Die meisten merken kaum etwas davon.“ In einigen Fällen kommt es allerdings zu leichten grippeartigen Beschwerden und einem Hautausschlag, der nach ein paar Tagen wieder verschwindet.

Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, dürfen bestimmte Menschen nicht geimpft werden, etwa Schwangere und Stillende sowie Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, etwa durch eine Krankheit oder Medikamente. Wer sich impfen lassen möchte, sollte zunächst mit seinem Arzt oder der Ärztin sprechen, ob das in seinem Fall sinnvoll ist. Anschließend kann man mit der Krankenkasse abklären, ob diese die Kosten übernimmt. Einige Kassen erstatten freiwillig auch Reiseimpfungen.

Für einen vollständigen Impfschutz sind zwei Dosen im Abstand von drei Monaten nötig. Doch ist man auch nach der ersten Impfung laut Jelinek schon gut geschützt. „Die zweite dient eher dem Langzeitschutz“, sagt der Reisemediziner. Ein Beratung zur Dengue-Impfung kann sich also auch kurz vor einer Reise lohnen.

Die Gelbfieber-Mücke (Stegomyia aegypti) kann das Denguevirus übertragen.

Denguefieber

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