Beim Gehirn geht der Körper auf Nummer sicher. Da ist der Schädel, ein besonders dicker Knochen, der das Denkorgan rundum beschützt. Auch die Blutversorgung ist großzügig angelegt: Sie erfolgt über die zwei inneren Halsschlagadern mit einem Innendurchmesser von je rund vier Millimetern. Selbst wenn dieser durch Ablagerungen im Gefäß halbiert ist, fließt meist immer noch ausreichend Blut ins Gehirn. Die gegenüberliegende Schlagader kann den Engpass oft kompensieren, zumal wenn er sich langsam entwickelt.

Schleichender Weg zum Schlaganfall

Genau darin liegt die Tücke: Weil eine solche Engstelle keine Beschwerden bereitet, bleibt sie oft lange unbemerkt. Schreiten die krankhaften Veränderungen jedoch fort, steigt das Risiko für einen Schlaganfall weiter an. Dann löst sich entweder ein Teil der Ablagerungen und verschließt ein Hirngefäß. Oder aber der Engpass selbst drosselt den Blutfluss, sodass die zu versorgende Hirnregion nicht mehr genug Sauerstoff erhält. In beiden Fällen sterben Nervenzellen ab.

Bis zu 30.000 Schlaganfälle in Deutschland haben ihre Ursache in verengten Halsschlagadern. Viele ließen sich verhindern, wenn das Problem rechtzeitig erkannt würde.

Gebremster Blutfluss

Ablagerungen in der Halsschlagader reduzieren deren Durchmesser. Der Grad der Verengung ist ein wichtiger Wert für Therapieentscheidungen:

head

Normal

Um 50% verengt

Um 60% verengt

Innen­durch­messer der inneren Halsschlagader

Blutfluss zum Gehirn

Innen­durch­messer an der Engstelle

Ablagerung

Das Risiko steigt mit dem Alter

Ärztinnen und Ärzte überprüfen hierfür mittels Ultraschalluntersuchung den Zustand der Halsschlagadern. Die zuständigen Fachgesellschaften empfehlen dies für Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Gefäßverkalkung, auch Arteriosklerose genannt, haben. Faktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, erhöhter Blutzucker sowie Tabakkonsum spielen eine Rolle, genauso das Alter. So ist bei sechs bis 15 Prozent der Menschen über 65 die Halsschlagader um mindestens 50 Prozent verengt. Männer sind häufiger als Frauen betroffen.

Dabei geht es nicht nur um die Hirngefäße. „Anhand der Verengung können Fachleute auch Rückschlüsse darauf ziehen, inwieweit eine Patientin oder ein Patient eine erhöhte Neigung für Arteriosklerose hat“, erklärt Professor Hans-Henning Eckstein, Direktor der Klinik und Poliklinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie am Klinikum rechts der Isar der TU München. Ausgeprägte Kalkablagerungen in einer Halsschlagader sind Anlass, auch andere Gefäße im Körper zu untersuchen, etwa am Herzen und in den Beinen.

Gesunder Lebensstil für die Gefäße

Professor Hans-­Henning Eckstein, Direktor der Klinik und Poliklinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie am Klinikum rechts der Isar München

Professor Hans-­Henning Eckstein, Direktor der Klinik und Poliklinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie am Klinikum rechts der Isar München

Vor allem vom Grad der Verengung hängt ab, wie weiter vorgegangen wird. Dies hänge aber auch von der individuellen Situation ab, so Eckstein. „Bei einer Person mit einem 50-prozentigen Verschluss einer Halsschlagader, bei der es aber ansonsten keine Hinweise auf ein erhöhtes Schlaganfallrisiko gibt, wird man versuchen, zunächst eine Änderung des Lebensstils zu erreichen“, empfiehlt der Gefäßchirurg. Hierzu gehöre eine vollwertige Mischkost, regelmäßige körperliche Aktivität und vor allem nicht zu rauchen.
Bei einer Verengung von mindestens 50 Prozent verordnen Ärztinnen und Ärzte in der Regel Statine, um das LDL-Cholesterin zu senken, sowie ein Medikament mit Acetylsalicylsäure. Diese wirkt nicht nur gegen Entzündungen. Sie verhindert zudem, dass Blutplättchen in den verengten Schlagadern verklumpen und Gerinnsel bilden, die ins Gehirn abwandern könnten. Falls nötig, kommen noch weitere Medikamente hinzu, um zum Beispiel den Blutdruck oder den Blutzuckerspiegel zu senken. In bestimmten Zeitabständen wird die Halsschlag­ader erneut untersucht, um die weitere Entwicklung zu beobachten.

Operativer Eingriff bei hohem Risiko

Bei einer höhergradigen Verengung – in der Regel ab 60 Prozent – kommt ein chirurgischer Eingriff infrage, um die Durchblutung wieder zu verbessern. Doch auch dieser birgt Risiken. Während oder nach der Operation können sich Ablagerungen lösen und verursachen, was eigentlich verhindert werden soll: einen Schlaganfall.

Deshalb wird die Entscheidung auf der Grundlage des individuellen Befundes getroffen. „Bei einer höhergradigen Verengung der Halsschlagader, die noch keine Symptome macht, ist es im Grunde immer ein Abwägen zwischen dem Risiko abzuwarten und dem Risiko eines Eingriffs“, sagt Eckstein. Die Entscheidung, ob operiert wird oder nicht, muss gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten getroffen werden.

Warnzeichen für einen Schlaganfall

Treten diese Beschwerden plötzlich auf, sollten Sie sofort die 112 wählen:

  • Lähmung, Schwäche oder Taubheit einer Körperhälfte
  • Sprach- und Sehstörung
  • Drehschwindel, Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörung, plötzliche Stürze
  • extrem starke Kopfschmerzen
  • Bewusstseinsstörung oder Desorientierung

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten.