In welchem Zeitraum bildet der Körper Vitamin D?

Der menschliche Körper bildet Vitamin D unter Sonneneinfluss selbst. Daher der gängige Name „Sonnenhormon“. Um ausreichend davon zu bilden, reichen je nach Hauttyp zweimal wöchentlich zwischen fünf und 30 Minuten im Freien. Am besten ohne Sonnenschutz und mit unbedeckten Armen, Beinen und Kopf. Sonnenbrand dabei unbedingt vermeiden! Von etwa März bis Oktober kann der Körper in den hiesigen Breiten Vitamin D selbst bilden. In dieser Zeit legt er auch Reserven im Fett- und Muskelgewebe für das Winterhalbjahr an.

Wofür ist Vitamin D wichtig?

Belegt ist, dass Vitamin D vor Knochenabbau schützen und Brüchen vorbeugen kann. Laut Studien kann es bei älteren Menschen auch gegen akute Erkältung helfen – sofern eine Vitamin-D-Unterversorgung vorliegt. „Über dem wünschenswerten Blutwert von 20 ng/ml bringt die Einnahme von Vitamin D keinen nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen“, sagt Dr. Stephan Scharla, Sprecher der Sektion Knochen- und Mineralstoffwechsel der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Kein Beleg für Corona-Abwehr durch Vitamin-D-Einnahme Frau Glas Tabletten

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Wann liegt ein Vitamin-D-Mangel vor?

Vitamin D weist man im Blut nach. Genau genommen die Vorstufe des Vitamins, das 25(OH)-Vitamin D. Wie viel Vitamin D ausreicht, ist wissenschaftlich belegt.

Unterschieden wird zwischen:

  • schwerem Mangel: unter 12 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) bzw. 30 Nanomol pro Milliliter (nmol/ml)
  • Unterversorgung: unter 20 ng/ml bzw. 50 nmol/ml
  • Zielwert: 20 ng/ml

Bei Verdacht auf einen Mangel oder bei Risikopersonen prüft die Hausärztin oder der Hausarzt Vitamin D per Blutprobe. Die Kosten trägt die Krankenkasse. Bei den meisten Menschen liegt laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kein erhöhtes Risiko eines Mangels vor. Aber: Die Blutwerte von fast 60 Prozent der Bevölkerung liegen unter der gewünschten Blutkonzentration von 20 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml).

Wer sollte Vitamin-D-Präparate einnehmen?

Eine Ergänzung mit Vitamin D ist zum einen ratsam, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bei Ihnen einen entsprechenden Mangel diagnostiziert. Zum anderen wenn Sie zu einer der Risikogruppen gehören, bei denen häufig eine Unterversorgung vorliegt. Das sind unter anderem chronisch kranke Menschen, die sich kaum oder nicht im Freien aufhalten, sowie Ältere ab circa 65 Jahren.

Auch für dunkelhäutige Menschen können Vitamin-D-Tabletten sinnvoll sein, weil sie weniger Vitamin D bilden können. „Die Liste der Risikogruppen ist auch erweiterbar auf ‚Bürohocker‘, die nur in abgedunkelten Räumen sitzen und zu wenig an die frische Luft gehen“, sagt Scharla.

Lassen Sie sich ärztlich beraten, ob eine Zufuhr infrage kommt. Bei zu niedrigen Vitamin-D-Werten sei die gängige wissenschaftliche Empfehlung die tägliche Einnahme von 800 bis 1000 internationalen Einheiten (IE), so Scharla. „In dieser Dosierung steigt der Vitamin-D-Wert im Blut bis zum Zielwert und die Gefahr für Nebenwirkungen ist gering.“

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Warum können zu hohe Dosierungen schaden?

Vitamin D wird gerne bei diversen Krankheiten als Wundermittel angepriesen. Von unseriösen Versprechen beeinflusst greifen viele zu (hoch dosierten) Präparaten – ohne zu wissen, ob bei ihnen überhaupt ein Mangel vorliegt. Aber: Viel hilft nicht viel! Im schlimmsten Fall kann es schädlich sein.

Arzneimittel mit Vitamin D sind in einer Tagesdosierung über 1000 IE verschreibungspflichtig. Hoch dosierte Arzneimittel mit 20 000 IE sind zur Anfangsbehandlung von Mangelzuständen zugelassen. Doch Vorsicht: Als Nahrungsergänzung kann man Vitamin D in sehr hohen Dosen auch ohne Rezept kaufen. Zum Beispiel im Internet.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor einer eigenständigen Einnahme des Vitamins. „Höhere Dosierungen sollten nur unter ärztlicher Kontrolle und unter Berücksichtigung des Vitamin-D-Status erfolgen“, heißt es in einer Stellungnahme. „Eigenmächtige Dosierungen mit Präparaten über 4000 IE sind unbedingt zu vermeiden.“ Nebenwirkungen wie Bauchkrämpfe, Übelkeit und Nierensteine können die Folge sein.

Fazit: Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Apotheker, bevor Sie zu Vitamin-D-Präparaten greifen. Das Fachpersonal kann helfen, den Bedarf einzuschätzen und die richtige Dosierung für Sie zu empfehlen.

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Quellen:

  • Mitteilung Nr.15_2021 Bundesinstitut für Risikobewertung: Vitamin D, das Immunsystem und Covid-19. https://www.bfr.bund.de/... (Abgerufen am 18.07.2022)
  • Celine Müller: Lindert Vitamin D chronische Schmerzen?, Cochrane Review. Deutsche Apotheker Zeitung: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/... (Abgerufen am 25.07.2022)
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Vitamin D und Covid -19. https://www.dge.de/... (Abgerufen am 18.07.2022)
  • Robert-Koch-Institut: Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D. https://www.rki.de/... (Abgerufen am 15.07.2022)
  • Stellungnahme Nr. 035/2020 : Vitamin D: Einnahme hochdosierter Nahrungsergänzungsmittel unnötig. Bundesinstitut für Risikobewertung: https://www.bfr.bund.de/... (Abgerufen am 18.07.2022)
  • Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Gemeinsame Expertenkommission zur Einstufung von Stoffen. https://www.bvl.bund.de/... (Abgerufen am 18.07.2022)
  • Fachinformation Rote Liste: Dekristol 20000 IE. Rote Liste: https://www.rote-liste.de/... (Abgerufen am 18.07.2022)
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