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Nieren sind geduldig, viele Jahre lang. Sie zählen zu den Organen, die oft keinerlei Schmerzsignale senden, selbst wenn sie bereits ziemlich geschädigt sind. Dafür endet die chronische Nierenschwäche in vielen Fällen umso dramatischer — mit der Blutwäsche und dem meist langen Warten auf ein Spenderorgan für eine Transplantation. Das macht die chronische Nierenschwäche zu einer sehr ernsten Erkrankung.

Besonders gefährdet sind die Nieren von Menschen mit Diabetes. Denn hohe Blutzuckerwerte schädigen das Organ. „Von den Patientinnen und Patienten in weit fortgeschrittenen Stadien, die ich in unserer Klinik sehe, sind etwa 25 bis 30 Prozent nierenkrank, weil sie einen Diabetes haben“, sagt Prof. Dr. Sylvia Stracke. Sie leitet die Klinik für Nierenheilkunde am Universitätsklinikum in Greifswald.

Konsequent vorbeugen

Das bedeutet nicht, dass alle Personen mit Diabetes Nierenschäden bekommen. Im Gegenteil: Wer konsequent vorbeugt, hat sehr gute Chancen, dass seine oder ihre Nieren lange gesund bleiben.

Die erste Maßnahme dafür, so die Diabetologin Dr. Dorothea Reichert aus Landau in der Pfalz: „Den Blutzucker optimal einstellen.“ Zweitens ist es wichtig, Bluthochdruck zu behandeln, den viele Menschen mit Diabetes haben. Die Werte sollten unter 140/80 mmHg liegen. Welche Blutdruckwerte genau anzustreben sind, sollte jeder mit Ärztin oder Arzt abklären. Und drittens kommt es auf einen gesunden Lebensstil an. Für viele Betroffene bedeutet das: Übergewicht abbauen, körperlich aktiv sein, die Ernährung umstellen.

Untersuchungen wahrnehmen

Doch die Erfahrung zeigt: Vielen fällt es schwer, das alles konsequent umzusetzen. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen so wichtig. Eine Harn-­Untersuchung verrät zum Beispiel, ob eine sogenannte ­Mikroalbuminurie vorliegt. Das bedeutet, dass zu viel Albumin — ein wichtiges Eiweiß im Blut — über den Urin ausgeschieden wird. Dann liegt bereits eine Nierenschwäche vor, auch wenn die Nieren noch im Normalbereich ­filtern und entgiften.

Gut für die Nieren

Die Nieren filtern aus dem Blut Stoffe heraus, die wir nicht mehr brauchen oder die uns schaden könnten, zum Beispiel Rückstände von Medikamenten

➊ Blutzucker normalisieren

Der Zielwert für den Langzeitzucker HbA1c ist gemeinsam mit Ärztin oder Arzt festzulegen. Oft liegt er zwischen 6,5 und 7,5 Prozent.

➋ Blutdruck senken

Der Blutdruck sollte in der Regel nicht höher als 140/80 mmHg sein, besser darunter. Zielwerte ärztlich abklären!

➌ Genug trinken

Menschen mit Nierenschwäche brauchen eine ausgeglichene Zufuhr an Flüssigkeit, oft etwa zwei Liter am Tag. Die Trinkmenge bitte mit Ärztin oder Arzt besprechen!

➍ Beraten lassen

Sie benötigen rezeptfreie Medikamente wie etwa Schmerzmittel? Lassen Sie sich immer in einer Apotheke beraten, ob diese unbedenklich für die Nieren sind.

➎ Weg mit dem Glimmstängel!

Diabetes und Nierenschwäche erhöhen das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Wer raucht, steigert diese Risiken noch weiter. Rauchen schädigt auch direkt die Nieren

Expertin Dorothea Reichert betont: „Die Patientinnen und Patienten müssen verstehen, dass sie jetzt regelmäßig zu ihren Kontrollen erscheinen müssen.“ Mehr als 30 Milligramm Eiweiß im Urin pro Tag sind das Kriterium für eine chronische Nierenschwäche.

Weitere wichtige Werte: das Verhältnis von Albumin und Kreatinin (Abbauprodukt aus der Niere, das über den Urin ausgeschieden wird) und der Kreatininwert. Sie zeigen, wie gut die Niere noch arbeitet und wie sich die Nierenschwäche entwickelt. „Ist bereits viel Eiweiß im Urin und die Entgiftung lässt schon nach, wird es schwierig, das Fortschreiten der Erkrankung zu hemmen“, sagt Sylvia Stracke.

Daher sind nicht nur regelmäßige Kontrollen wichtig, sondern auch eine frühzeitige Therapie. Medikamente wie Blutdrucksenker und Diabetesmittel tragen dazu bei. Mittlerweile können Ärztinnen und Ärzte zusätzlich SGLT-2-Hemmer, sogenannte Gliflozine, verordnen. Sie verzögern die Verschlimmerung einer chronischen Nierenschwäche bei einem Teil der Behandelten. Das gilt auch für Menschen, die ­keinen Diabetes haben.

Möglichst gesund leben

Mit Finerenon steht seit Kurzem ein weiterer Wirkstoff zur Verfügung. Im Februar 2023 wurde er zur Therapie von Erwachsenen mit Typ-2-­Diabetes zugelassen. Noch ist allerdings nicht erwiesen, ob Finerenon wirklich einen Vorteil gegenüber der Standardtherapie mit Blutdrucksenkern und Diabetesmitteln bringt.

Bei allen medikamentösen Fortschritten gilt weiterhin: Die Vorbeugung bleibt entscheidend, um die Organe in den Flanken des Körpers so lange wie möglich in Schuss zu halten. Patienten und Patientinnen sollten sich an die vereinbarte Therapie halten und möglichst gesund leben. Diabetologin Reichert betont: „Menschen mit Diabetes müssen und können sich auch selbst um sich kümmern. Und wir Ärztinnen und Ärzte müssen alles tun, um sie dazu zu motivieren.“

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Warum Diabetes den Nieren schaden kann

Nierenschäden verursachen meist keine Schmerzen, können aber schwerwiegende Folgen haben. Professor Werner Riegel, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Nierenstiftung, erklärt, warum man bei Diabetes die Nieren besonders im Blick behalten sollte. zum Artikel

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Nierenversagen und Nierenschwäche

Akutes Nierenversagen tritt plötzlich auf. Eine chronische Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) entwickelt sich allmählich. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Therapie. zum Artikel


Quellen:

  • Jongs N, Greene T, Chertow GM et al.: Effect of dapagliflozin on urinary albumin excretion in patients with chronic kidney disease with and without type 2 diabetes: a prespecified analysis from the DAPA-CKD trial. In: Lancet Diabetes Endocrinol. : 04.10.2021, https://doi.org/...
  • Wheeler DC, Stefánsson BV, Jongs N et al.: Effects of dapagliflozin on major adverse kidney and cardiovascular events in patients with diabetic and non-diabetic chronic kidney disease: a prespecified analysis from the DAPA-CKD trial. In: Lancet Diabetes Endocrinol.: 09.01.2021, https://doi.org/...
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Dapagliflozin (Forxiga) bei Nierenschwäche. https://www.gesundheitsinformation.de/... (Abgerufen am 19.10.2023)