Diabetes Ratgeber

Bei vielen Menschen werden Nierenschäden erst sehr spät bemerkt. Woran liegt das?

Das hat zwei Hauptgründe. Zum einen verursachen Nierenerkrankungen keine oder kaum Symptome. Betroffene bemerken also selber meist lange nicht, dass etwas nicht stimmt. Und zum anderen gibt es in Deutschland keine routinemäßige Früherkennungsuntersuchung. Möglich wäre das zum Beispiel, indem man den Urin auf das Eiweiß Albumin untersucht. Der bei der Gesundheitsuntersuchung durchgeführte Harnstreifentest ist dafür nicht empfindlich genug.

Einer der Risikofaktoren für Nierenschäden ist Diabetes - wie hängen die Erkrankungen zusammen?

In der Niere gibt es winzig kleine Gefäßknäule, die Nierenkörperchen. Bei Menschen mit Diabetes arbeiten sie wegen des erhöhten Zuckerwertes unter ungünstigen Bedingungen – die Gefäße werden porös und das macht sie empfänglich für Schädigungen. Außerdem geht Diabetes oft mit Bluthochdruck einher – das setzt den zarten Nierengefäßen zusätzlich zu.

Der Albumintest kann Hinweise auf eine mögliche Nierenerkrankung geben

Der Albumintest kann Hinweise auf eine mögliche Nierenerkrankung geben

Nun haben Menschen mit Diabetes die Möglichkeit, sich in strukturierten Behandlungsprogrammen (DMP) einzuschreiben. Dort wird auch die Nierengesundheit regelmäßig überprüft. Das Problem: Nur zwei Drittel der Menschen mit Typ-2-Diabetes sind im DMP eingeschrieben - muss man sich um den Rest Sorgen in Bezug auf die Nierengesundheit machen?

Ja, absolut. Generell kann man sagen, dass etwa 30 Prozent der Menschen mit Diabetes auch nierenkrank werden. Bei denen, die nicht in einem DMP eingeschrieben sind, kann es somit sein, dass sie einen Nierenschaden haben, dieser aber gar nicht oder erst sehr spät auffällt.

Was kann in solchen Fällen passieren?

Durch die Nierenerkrankung kann es zu Folgeerkrankungen wie Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Herzinsuffizienz kommen. Das sind lebensgefährliche Erkrankungen. Außerdem verlieren die Nieren Jahr für Jahr an Funktion. Das chronische Nierenversagen führt dann auch zu einer Vergiftung durch die harnpflichtigen Substanzen und das Blut muss dann mit Hilfe der Bauchfelldialyse oder der Blutwäsche regelmäßig gereinigt werden.

Wie sieht ansonsten die Therapie bei Nierenschäden aus?

Es ist wichtig, dass der Blutdruck und der Blutzucker gut eingestellt werden. Und es gibt Medikamente, die lange bekannten ACE-Hemmer beziehungsweise Sartane und neuerdings sogenannte SGLT-2-Inhibitoren, die das Fortschreiten des Nierenschadens bremsen können. Alle anderen Begleit- und Folgeerkrankungen müssen außerdem konsequent behandelt werden.

Wie könnten Nierenerkrankungen besser und früher erkannt werden, was müsste sich ändern?

Da sind vor allem die Hausärzte gefragt. Sie sollten sehr achtsam sein und immer wieder bislang unbemerkte Nierenschäden in Betracht ziehen. Aus unserer Sicht wäre es auch wünschenswert, den Albumin-Wert im Urin, UACR, ein Maß für die Nierenschädigung und die sogenannte eGFR im Blut, - ein Maß für die Nierenfunktion - standardmäßig bei den Check-ups zu kontrollieren. Ich meine, dafür wäre auch die Politik gefordert.

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