Baby und Familie

Ein bisschen fühlt der Kinderwagenkauf sich an, als müsse man sich für das nächste Familienauto entscheiden: eher gemüt­liche Limousine, sportlich-wendiger Flitzer oder nostalgisches Vintage-Gefährt? Das Angebot ist riesig – und dadurch oft unübersichtlich. Es lohnt sich, vorab genau zu überlegen, welche Anforderungen der Kinderwagen erfüllen soll. „Fast alle Familien setzen heutzutage auf einen Kombikinderwagen, der aus ­einer Liegeeinheit, also Baby­wanne oder Tragetasche, sowie einem Sportsitz besteht. Das deckt die Zeitspanne von der Geburt bis etwa zum vierten Geburtstag ab“, sagt Merle-Marie Knaak, Fachverkäuferin bei ­einem Babyfachhandel in Schwentinental.

Platz zum Mitwachsen bedenken

Weil ein hochwertiger Kinderwagen seinen Preis hat, ist es vorteilhaft, wenn er sich an die Bedürfnisse des wachsenden Kindes anpasst. „Optimal ist es, wenn alle Komponenten verstellbar sind“, rät Claudia Till von Stiftung Warentest in Berlin. Sie hat erst kürzlich Kombikinder­wagen überprüft. „Praktisch ist zum Beispiel eine ausziehbare Sitzfläche, die mit den Beinen des Kindes mitwächst.“

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Ist die Sitzfläche von Anfang an sehr lang, kann es passieren, dass das Kind zu weit vorn sitzt und die Kante in die Kniekehlen einschneidet. Deshalb auf möglichst variable Einstellmöglichkeiten achten, etwa auf höhen­verstellbare Fußstützen. Auffallend bei vielen getes­teten Wagen: „Oft ist die Liegeschale schon nach wenigen Monaten zu eng und zu kurz. Eltern sollten bedenken, dass die Kleinen sehr schnell wachsen und auch Bewegungsspielraum brauchen“, sagt Till.

Individuelle Wünsche berücksichtigen

Mütter und Väter, die gern mit Baby durch den Wald joggen, brauchen einen anderen Untersatz als solche, die ihren Nachwuchs nur gemütlich durch den Ort schieben. „Fragen Sie sich vorab: Wie nutze ich den Wagen hauptsächlich, wie ist unsere Wohnsituation?“, rät Claudia Till. „Es macht auch einen Unterschied, ob Sie in der Großstadt im vierten Stock ohne Aufzug leben oder in einer länd­lichen Region mit vielen Schotterwegen und Kopfsteinpflaster.“

Je nach Umfeld punkten dann etwa eine besonders kompakte Handhabung, leichte Materialien oder eine gute Federung. Gefährte, die sich zum Joggen eignen, zeichnet der Hinweis „zur sportlichen Nutzung zugelassen“ in der Bedienungsanleitung aus. „Wenn Sie den Kinderwagen häufig im Kofferraum oder in einem schmalen Hausflur verstauen wollen, sollten Sie auf ein geringes Faltmaß und abnehmbare Räder achten“, ergänzt Fachverkäuferin Merle-Marie Knaak.

Komfort testen für Kind und Eltern

Dass das Baby bequem liegen und sitzen kann, hat für die meisten Eltern sicher oberste Priorität. „Dabei vergessen manche Mütter und Väter aber, auszuprobieren, wie angenehm das Schieben und die Handhabe für sie selbst ist“, gibt Claudia Till zu bedenken. Beispielsweise kann man nicht bei allen Modellen die Schiebehöhe des Griffs verstellen, um diesen an die – meist unterschiedliche – Größe von Mutter und Vater anzupassen.

Manchmal lassen sich Wagen auch schwer wenden oder man stößt bei einer großen Schrittlänge ständig mit dem Schienbein an. Gibt es eine Handbremse, sollten linkshändige Mütter und Väter überprüfen, ob sie diese gut bedienen können – sie wird nämlich häufig rechts angebracht.

Unterstützungsbedarf? Der elektrische Kinderwagen 2.0

Nach dem Siegeszug der E-Bikes sind inzwischen auch einige Kinderwagen-Modelle mit elektrischer Unterstützung im Angebot. „Sie werden gern im bergigen Umland genutzt und bedeuten dort eine große Erleichterung im Alltag“, sagt Knaak. Dafür müssen Eltern tiefer in die Tasche greifen: E-Kombiwagen kosten bis zu 3000 Euro. Aber auch bei den üblichen Kinderwagen haben sich die Hersteller Neues einfallen lassen. Zum Beispiel ein Netzfenster am Kopfende der Babywanne, das für gute Belüftung sorgt, dem Baby einen Ausblick ermöglicht und nebenbei Insekten fernhält.

„Ebenfalls neu sind aktive batteriebetriebene Beleuchtungssys­teme wie am Fahrrad“, sagt Claudia Till. Eine Ergänzung, die das Schieben in der Dämmerung deutlich sicherer macht, da viele Eltern sich für dunkle, unauffällige Wagen entscheiden, die im Straßenverkehr nicht so gut sichtbar sind.

Nachhaltigkeit und Produktionsbedingungen prüfen

„Unsere Kundinnen und Kunden interessieren sich verstärkt für Produktionsbedingungen und verwendete Materialien“, sagt Merle-Marie Knaak. Daher würden in Europa hergestellte Kinderwagen und Marken, die auf nachwachsende Rohstoffe und faire Arbeitsbedingungen setzen, immer relevanter. Im Sinne der Nachhaltigkeit bevorzugen mittlerweile viele Hersteller Materialien mit guter Ökobilanz, die gleichzeitig leicht, robust und langlebig sind.

Nicht nur den Preis im Blick haben

In einer aktuellen Untersuchung von Stiftung Warentest vom Juli 2022 zeigte sich: Die hochpreisigsten Modelle schnitten nicht am besten ab – eher im Gegenteil. „Gerade die beiden preiswertesten Kombikinderwagen erwiesen sich in einer Testreihe von zwölf Modellen als besonders empfehlenswert und erhielten die Note ‚gut‘“, sagt Claudia Till. Es gibt aber auch Argumente für teure Modelle, etwa eine nachhaltige Produktion und hochwertige, langlebige Materialien. Merle-Marie Knaak rät: „Unbedingt im Fachgeschäft beraten lassen und Probe fahren.“

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