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Nicht-spezifische Rückenschmerzen: Ursachen, Diagnose, Therapie

Rückenschmerzen vom klar überwiegenden nicht-spezifischen Typ lassen sich meist mit einfachen Mitteln feststellen und in den Griff bekommen

aktualisiert am 30.01.2019
Rückenschmerzen

Bei der körperlichen Untersuchung finden sich häufig verspannte Muskeln


Volkskrankheit Rückenschmerzen

Jeder Dritte, der zum Orthopäden geht, und jeder zwölfte, der den Hausarzt aufsucht – Frauen mehr als Männer –, tut dies wegen Rückenschmerzen. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen unter 18 Jahren haben bereits mehr oder weniger schmerzhafte Haltungsprobleme.

Viele von unspezifischen beziehungsweise nicht-spezifischen Rückenschmerzen Geplagte (siehe dazu auch Kapitel "Rückenschmerz-Arten") gehören der vergleichsweise jungen, jedenfalls mitten im Berufsleben stehenden Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen an.

Gestörtes Muskelspiel

Einseitige Belastung bei bewegungsarmer Lebensweise oder eingefahrene (stereotype) Haltungsmuster, Überlastung durch Übergewicht, falsches Training oder Leistungssport, schließlich auch eine Schwangerschaft: Das sind die mit Abstand führenden Ursachen von Rückenschmerzen. Schwangerschaften und beruflich unvermeidliche Umstände einmal beiseite gelassen, sind die Beschwerden meist eine Folge ständiger Überstrapazierung oder Vernachlässigung des Rückens.

Das erklärt sich durch ein wichtiges Prinzip der Muskelarbeit: das Zusammenwirken eines Spielers und Gegenspielers beziehungsweise entsprechender Muskelgruppen. Wenn Kraftakte bestimmte Spieler- oder Gegenspieler-Muskeln überfordern oder Inaktivität sie verkümmern lassen, kommt es zu Verspannungen, Überdehnungen, Verkürzungen und schließlich Schmerzen.

Oberflächliche und tiefliegende Rückenmuskeln

Genauer: Die untrainierten kleinen Haltemuskeln in der Tiefe des Rückens verkürzen sich. Verkürzte Muskeln verändern die Mechanik der Gelenke, die Sehnenansätze reagieren mit Reizungen. Unterforderte Bewegungsmuskeln – das sind die oberflächlicher gelegenen Rückenmuskeln – werden geschwächt und bilden sich zurück. Strapazierte Gegenspieler-Muskeln verspannen sich, werden überdehnt, schlechter durchblutet und verhärten sich. Schließlich melden die örtlichen Schmerzrezeptoren Alarm (mehr dazu siehe Kapitel "Aufbau der Wirbelsäule und wie hier Schmerzen entstehen").

Auch das Muskelbindegewebe, die Faszien oder Muskelhüllen, kann gereizt reagieren. Nach einer Haltungsschulung und geeigneten Trainingstherapie arbeiten die Muskeln nebst ihrer Faszien meist wieder entspannter, was als angenehm empfunden wird und Schmerzen vermindern oder sogar beseitigen kann. Bei anhaltenden Beschwerden gilt: Genauer  untersuchen lassen.

Was ist ein Hexenschuss, was ein Ischias?

Hexenschuss (akute Lumbalgie): Das bezeichnet einen plötzlich einsetzenden, danach zunächst meist fortbestehenden, eventuell sich auch verstärkenden Schmerz, in der Regel einen Kreuzschmerz. Er führt zur Steifheit im Kreuz (siehe oben). Dadurch, dass der Betroffene instinktiv eine Schonhaltung einnimmt, um den Schmerzen möglichst auszuweichen, können diese sich noch verstärken, da bestimmte Muskeln sich vermehrt verspannen.

Nach vorne beugen und Aufrichten des Körpers ist fast unmöglich – heftig verspannte Muskeln halten dagegen. Ein Hexenschuss kann auch wieder von alleine abklingen. Der Name sagt nichts über die Herkunft und Bedeutung der Schmerzen aus, sondern ist lediglich eine volkstümliche Sammelbezeichnung für das Symptom "akuter Kreuzschmerz".

Mann mit Rückenschmerzen

Die Auslöser eines Hexenschusses sind vielfältig. Sie reichen von abrupten Bewegungen – (Ver-)Drehen, Bücken, falsches Heben (Verheben) in Verbindung mit chronischer Muskelschwäche –, ständiger unterschwelliger Überbelastung oder "Attacken" durch Kälte und Feuchtigkeit bis hin zu Bandscheibenvorfällen und anderen Erkrankungen der Wirbelsäule.

Im weiteren Verlauf – etwa bei einem Bandscheibenvorfall – kann es (muss es aber nicht) zu einer Schmerzausstrahlung in Hüfte und Bein kommen. Verantwortlich kann die Reizung einer bestimmten Nervenwurzel (Radikulopathie) sein. Dann spricht der Arzt von einer Lumboischialgie beziehungsweise (bei beinbetonten Schmerzen) von einem Ischiassyndrom. Ähnliche Schmerzbilder können aber auch ohne Mitbeteiligung von Nervenwurzeln entstehen (pseudoradikulär). 

Kurz erklärt: Aus den Nervenwurzeln gehen die Rückenmarks- oder Spinalnerven hervor. Sie treten über Öffnungen zwischen den jeweiligen Wirbelkörpern, den Zwischenwirbellöchern, aus dem Rückenmarkskanal aus. Bei krankhaften Veränderungen in dem Bereich kann es leicht zu Platzmangel und Druck auf eine Nervenwurzel oder zugehörige Nervenfasern kommen. Je nach Ausmaß können neben Schmerzen auch Gefühlsstörungen und Muskelschwächen am Bein auftreten. Das Nervengewebe kann Schaden nehmen.

Daher muss der Arzt rechtzeitig eingreifen. Damit steht der Hexenschuss je nach Problemlage am Übergang zwischen unspezifischen und spezifischen Rückenschmerzen. Mehr dazu im Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Ursachen abklären und behandeln".

Rückenschmerzen: Diagnose meist klinisch mit den "sieben ärztlichen Sinnen"

Welche Art von Rückenschmerzen am wahrscheinlichsten vorliegt, lässt sich meist aus dem Beschwerdebild, der "Rückengeschichte", der Krankengeschichte und krankheitsbezogenen Familiengeschichte des Patienten – alles zusammen ergibt die Anamnese – sowie einer gründlichen körperlichen Untersuchung ableiten.

Dabei setzt der Arzt unter anderem verschiedene Bewegungstests ein und kontrolliert das Gefühlsempfinden und die Muskelreflexe an den Gliedmaßen. Auch prüft er, ob bestimmte Risikofaktoren vorliegen, von denen bekannt ist, dass sie einen chronischen Schmerzverlauf fördern können. Solche Faktoren umfassen psychische Belastungen wie auch arbeitplatzbezogene Aspekte. Besteht zum Beispiel ein enger Zusammenhang mit der Tätigkeit, sollte (mit dem Arbeitgeber) geprüft werden, ob hier Anpassungen möglich sind.

Wenn es Hinweise gibt, dass die Beschwerden mit einer anderen oder einer bereits vorhandenen Erkrankung zusammenhängen können und / oder Gefahr im Verzug ist, wird der Arzt auch weiterführende technische Untersuchungen veranlassen (siehe Kapitel "Diagnose bei spezifischen Rückenschmerzen").

Frau mit Rückenschmerzen

Therapie bei akuten Rückenschmerzen

Bei akuten nicht-spezifischen Rückenschmerzen, auch bei einem unkomplizierten "Hexenschuss" ohne weitere Auffälligkeiten, wird der Arzt einfache, aber meist sehr wirkungsvolle Selbsthilfemaßnahmen empfehlen: Oft genügt kurzfristige leichte Schonung.

Das deckt sich auch mit der Einschätzung, dass man als ansonsten gesunder Mensch, dem neuerdings Rückenschmerzen ohne weitere krankhafte Auffälligkeiten zu schaffen machen, nicht unbedingt sofort zum Arzt gehen muss. Wegen der mehrheitlich hohen Heilungstendenz ist ein Selbstmanagement für wenige Tage vertretbar. Das heißt:

  • Nicht ins Bett, sondern auf die Beine

Viele akut Rückenschmerzgeplagte empfinden zwar zwischendurch wiederholtes Entlasten in Rückenlage für etwa zehn Minuten mit einem kleinen Stützkissen unter dem Kreuz, Nacken und den Kniegelenken durchaus als angenehm. So lassen sich die natürlichen Wölbungen (Lordosen) ausgleichen, und die Muskeln entspannen sich leichter.

Auch tut den Bandscheiben die Druckentlastung im Liegen gut. Doch jetzt das Aber: Genauso wie Muskeln brauchen auch die Bandscheiben Bewegung, um ausreichend ernährt zu werden. Und: Bei dauerndem Liegen neigt man zu ungünstigen Haltungen. Bettruhe ist also keineswegs bei akuten Rückenschmerzen ohne weitere Komplikationen und Grundkrankheiten empfehlenswert. Die Betroffenen sollten lieber maßvoll körperlich aktiv bleiben.

Zu langes Sitzen und Stehen, Heben, Vor- und Rückwärtsbeugen der Wirbelsäule sollte man jedoch vermeiden. Wenn man dann wieder etwas aktiver geworden ist, ist auch mehr Bewegung möglich. Manchmal geht es allerdings doch nicht ohne die kurzfristige Einnahme eines schmerzlindernden Medikamentes.

  • Schmerztherapie

Entzündungshemmende Medikamente

Bewährt haben sich Entzündungshemmer vom Typ der nicht steroidalen Antirheumatika, kurz NSAR, manchmal auch Antiphlogistika genannt. Eine positive Nebenwirkung dieser Antiphlogistika ist ihre schmerzstillende Eigenschaft.

Außer der entzündungshemmenden Wirkung können sie aber leider auch bestimmte Nebenwirkungen mit sich bringen, insbesondere bei längerer Anwendung. Am häufigsten betrifft das den Verdauungstrakt, die Nieren, das zentrale Nervensystem sowie Herz und Kreislauf. Seltener treten allergische Reaktionen oder Zeichen einer Überempfindlichkeit der Haut und Schleimhäute auf.

Machen Sie sich vor der Einnahme kundig, fragen Sie auf jeden Fall Ihren Arzt und Apotheker, was Sie beachten sollten. Es gibt neben Acetylsalicylsäure (ASS) verschiedene andere NSAR; einige von ihnen sind auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, allerdings nur in bestimmten Dosierungen. Bei vorliegendem Risiko für eine Magen-Darmkomplikation soll neben einem NSAR vorbeugend ein Magenschutzmittel (Protonenpumpenhemmer) eingenommen werden.

Neuere Antirheumatika beziehungsweise Entzündungshemmer wie sogenannte Cox-2-Hemmer eignen sich nur, wenn ein herkömmliches Mittel nicht eingenommen werden kann. Der Arzt verschreibt einen Cox-2-Hemmer bei nicht-spezifischen Rückenschmerzen nur nach umfassender Aufklärung des Patienten und Abwägung der individuellen Risiken (zum Beispiel sind verschiedene Herz-Kreislauferkrankungen Gegenanzeigen) als sogenannte Off-label-Verordnung (mehr zu diesem Begriff siehe unten: Antidepressiva).

! Achtung: Sie sollten Medikamente stets nur gemäß der Gebrauchsinformation beziehungsweise nach Angaben des Arztes oder Apothekers und so kurze Zeit wie möglich einnehmen. So lässt sich sicherstellen, dass Gegenanzeigen, Risiken und Nebenwirkungen Beachtung finden.

Schmerzmittel (Analgetika)

Statt eines Entzündungshemmers kommen teilweise auch Schmerzmittel wie Paracetamol zum Einsatz. Eine australische Studie zeigte 2014 hinsichtlich der Dauer bis zur Beschwerdefreiheit nach akuten Kreuzschmerzen keinen Unterschied bei Patienten mit und ohne Paracetamol (siehe Kapitel "Rückenschmerzen: Fachliteratur"). Einer derzeitigen Leitlinie zufolge wird Paracetamol bei nicht-spezifischen Rückenschmerzen eher nicht empfohlen.

Bei ausgeprägten Schmerzbildern kann der Arzt mitunter vorübergehend schwach wirksame Opioide einsetzen. Besonders Schmerzmediziner sind in dieser Therapie erfahren. Opioide sind spezielle Betäubungsmittel in unterschiedlichen Dosierungen, Wirkformen und Zubereitungsarten. Sie können gut mit einem entzündungshemmenden Medikament kombiniert werden, da sich durch die verschiedenen Ansatzpunkte der Wirkstoffe – peripher und zentral im Gehirn – eine Potenzierung der Wirkung ergibt. Eine jegliche Schmerzmedikation folgt dem vom Arzt festgesetzten und kontrollierten Schema, an das Sie sich unbedingt halten sollten.

Muskelentspannende Medikamente (Muskelrelaxanzien)

Ergänzend kommt mitunter, etwa wenn der Arzt in erster Linie schmerzhafte Verspannungen der Muskeln feststellt, die sich anders nicht bessern lassen, für kurze Zeit ein (sogenanntes zentral wirksames) muskelentspannendes Medikament in Betracht. Der Arzt wird ein solches Mittel aber nur sehr eingeschränkt verschreiben, da es aufgrund der dämpfenden Effekte im Zentralnervensystem müde machen und die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen kann. Primär werden die Muskelrelaxanzien bei nicht-spezifischen Rückenschmerzen nicht empfohlen.

  • Wärmetherapie

Möglich ist auch der Einsatz eines Wärmepflasters als eine empfohlene Form der Wärmetherapie bei akuten oder subakuten, nicht-spezifischen Rückenschmerzen. Eine solche Wärmetherapie ist aber nur empfehlenswert, wenn zusätzliche körperliche Aktivität gewähreistet ist. Achtung: Bei akuten Entzündungen, Fieber und einigen anderen krankhaften Umständen ist Wärme nicht geeignet, und sie sollte auch nicht bei chronischen nicht-spezifischen Rückenschmerzen angewandt werden.

Eventuell kommt außerdem eine mobilisierende Behandlung (Chirotherapie oder Manualtherapie) infrage. Dies setzt jedoch eine gründliche, evenztuell auch bildgebende  Untersuchung der Lendenwirbelsäule voraus, um sicher zu sein, dass die "Manipulationen" nicht schaden. Mehr dazu im Kapitel "Spezifische Rückenschmerzen: Therapien".

  • Entspannungsverfahren

Entspannungsverfahren wie zum Beispiel Progressive Muskelentspannung nach Jacobson können bei Rückenschmerzen in allen Stadien zum Einsatz kommen. In der akuten bis subakuten Phase können sie dazu beitragen, chronische Schmerzen zu vermeiden.

Diagnose und Therapie: Subakute/chronische Rückenschmerzen

Obwohl die Akutbehandung darauf abzielt, wiederkehrende oder chronische nicht-spezifische Kreuz- oder Rückenschmerzen nach Möglichkeit zu vermeiden und die Arbeitsfähigkeit bald wieder herzustellen, lässt sich ein langwieriger Verlauf leider nicht immer abwenden.

Bestehen die Rückenschmerzen und Arbeitsunfähigigkeit trotz angemessener Maßnahmen länger als vier Wochen, wird der Arzt prüfen, ob gegebenenfalls Risikofaktoren für ein Chronischwerden vorliegen. Dann kann eine begleitende psychologische oder psychotherapeutische Beratung oder Behandung erwogen werden. Ansonsten wird der Arzt die symptomorientierte Therapie intensivieren.

Wenn nach sachgerechter Behandlung die Schmerzen nach etwa sechs Wochen nicht zurückgegangen sind (subakut), wird der Arzt die Diagnose überprüfen. Es sind jetzt sind auch technische Untersuchungen angebracht, etwa ein bildgebendes Verfahren wie eine Röntgenuntersuchung oder zum Beispiel eine Magnetresosanztomografie. Bei Verdacht auf einen rheumatischen Kreuzschmerz sind zudem bestimmte Blutuntersuchungen, unter anderem auf das HLA-B27-Merkmal, notwendig. Gegebenenfalls bietet sich eine neurologische Untersuchung an. Je nach Verdachtsdiagnose können unterschiedliche Facharztrichtungen gefragt sein.

Dauern die Beschwerden trotz Behandlung und ohne spezifischen Krankheitsbefund mehr als etwa zwölf Wochen an, gilt die Diagnose chronische nicht-spezifische Rückenschmerzen als wahrscheinlich. Weiterführende technische Untersuchungen sind aber anzuraten, sofern sie nicht schon in der subakuten Phase erfolgten und wenn Hinweise auf relevante psychosoziale Faktoren unverändert fehlen.

Verdichten sich jedoch Anzeichen für psychische Ursachen, rücken jetzt Fragen, die die seelische Verfassung des Betroffenen und sein berufliches und privates Umfeld beleuchten, also eine umfassende psychosoziale Diagnostik, in den Blickpunkt. Im Endeffekt kann eine sogenannte multimodale Schmerztherapie (siehe unten) der richtige Weg sein, um den Rückenschmerzen beizukommen.

Welche körperlich orientierten Therapien können bei chronischen Rückenschmerzen helfen (Auswahl)?

  • Bewegungstherapie beziehungsweise Physiotherapie (früher: Krankengymnastik) hat bei nicht-spezifischen wie auch spezifischen Rückenschmerzen mit eingeschränkter Beweglichkeit unbestritten ihren Stellenwert. Ziel ist, verspannte Muskeln zu lockern und die Kraft, Koodination, Ausdauer und damit Beweglichkeit gezielt mit Übungen zu verbessern.

     

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  • Haltungskorrektur: Wer erst einmal festgestellt hat, wie segensreich es allein schon ist, den Rücken bei der Sitzarbeit bewusst so zu halten, dass die Schultern nach hinten zeigen, die Unterarme flach aufliegen, der Rücken leicht gestreckt ist (notfalls durch leichten Gegendruck einer Stützrolle, auf jeden Fall spürbar von der Rückenlehne gestützt) und der Atem frei strömt, der wird auf diese Position nicht mehr verzichten wollen. Wird sie aktiv durchgehalten, so nimmt man dabei nicht nur den Rückenstrecker, sondern auch den wichtigen Iliopsoas-Muskel als Beckenmuskel sowie die Gesäßmuskeln in Anspruch und hält so das Becken aufrecht.
  • Massage in Verbindung mit einer Bewegungstherapie kann, anders als bei akuten (nicht-spezifischen) Rückenschmerzen, in dieser Phase (subakut/chronisch) ebenfalls geeignet sein. Wichtig sind hier aber immer umfassende, aktivierende Konzepte, bei denen die Massage nur einen Teilaspekt darstellt (siehe unten).
  • Dies gilt auch für Programme wie Rückenschulen (mehr dazu im Kapitel "Rückenschmerzen: Ursachen und Behandlung (Überblick") in diesem Beitrag).
  • Ein weiterer Aspekt sind hier zum Beispiel sogenannte ergotherapeutische Maßnahmen (ergon, gr., Tun, aktiv sein). Ergotherapeuten überschauen ein breites Maßnahmenspektrum. Sie schulen zum Beispiel alltagsbezogene Bewegungsabläufe und Gedächtnisfunktionen. Ziel ist, wieder zu größtmöglicher Selbstständigkeit im Alltag zurückzufinden.
  • Manuelle Therapie/Chirotherapie ("Mobilisation") kann, wiederum in Kombination mit einer Bewegungstherapie, ganz allgemein bei akuten und chronischen Rückenschmerzen infrage kommen (mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Spezifische Rückenschmerzen: Therapien").
  • Akupunktur: Die Nadel-Körperakupunktur kann bei akuten wie chronischen nicht-spezifischen Rückenschmerzen zum Einsatz kommen. Bei akuten (nicht spezifischen) Schmerzen sollte sie nur kurzzeitig angewendet werden, wenn andere Maßnahmen wie Schmerzmittel und aktivierende Übungen keine Besserung erreichen konnten. Bei chronischen (nicht-spezifischen) Rückenschmerzen ist die Akupunktur derzeit Kassenleistung, in der Regel im Rahmen einer umfassenden Schmerzbehandlung.
  • Schmerzmittel wie traditionelle nichtsteroidale Antirheumatika sind bedingt geeignete Medikamente. Beide Medikamentengruppen sollten nur so kurz wie möglich eingesetzt werden. Sogenannte Cox-2-Hemmer kommen ersatzweise unter Beachtung der Gegenanzeigen gegebenenfalls infrage (siehe oben, Abschnitt "Therapie, akut").

    Opioide
    sind bei chronischen Rückenschmerzen eine mögliche Option für eine begrenzte Zeit. Wichtig ist, dass ein damit erfahrener Therapeut diese Therapie steuert – und sie auch gut gesteuert ausschleichend absetzt, falls der erwünschte Effekt ausbleibt oder der Betroffene die Therapie nicht fortsetzen möchte. Keinesfalls sollte der Patient die Dosis eigenmächtig ändern.
  • Antidepressiva: Patienten mit chronischen Rückenschmerzen helfen manchmal auch bestimmte, antidepressiv wirkende Arzneimittel. Da die Schmerzwahrnehmung ein komplexer Vorgang ist, an dem zentrale Botenstoffe des Gehirns beteiligt sind, können Medikamente, die diese Botenstoffe beeinflussen, auch Schmerzen bekämpfen. Es ist empfehlenswert, dass ein Schmerztherapeut, Neurologe oder psychiatrisch erfahrener Arzt diese Therapie einleitet und begleitet.

    Antidepressiva haben bei chronischen, nicht-spezifischen Rückenschmerzen eventuell im Rahmen eines umfassenderen Therapiekonzeptes (mehr dazu weiter unten: Multimodale Therapie) einen Platz. Allerdings unterliegt die Anwendung hier dem sogenannten "off-Label-Gebrauch". Das heißt: Das zur Behandlung von Depressionen zugelassene Mittel würde vom Arzt wegen fehlender Behandlungsalternativen bei einer schwerwiegenden Erkrankung außerhalb der anerkannten Indikation(en) verordnet: sogenannter zulassungsüberschreitender Einsatz.

    Ob das Medikament dann von der Krankenkasse bezahlt wird, hängt von der Bewertung der zuständigen Behörde und den individuellen Umständen beim Patienten im Einzelfall beziehungsweise Ausnahmefall ab. Der verordnende Arzt ist in jedem Fall verpflichtet, den Patienten über mögliche Folgen aufzuklären, etwa die fehlende Herstellerhaftung. Auch müssen begründete Aussichten bestehen, dass die Behandlung zu einem Erfolg führt. Arzt und Patient müssen die Entscheidung für die Anwendung gemeinsam treffen.

Ebenfalls wichtig: Arbeitsplatz-Ergonomie

Die richtigen Vorkehrungen am Arbeitsplatz berücksichtigen die körperlichen, organisatorischen und gestalterischen Bedingungen bis hin zum Mobiliar und zur Befindlichkeit in der Arbeitsumgebung. Alles dies gehört zum Konzept der Arbeitsergonomie. Eine rückenfreundliche Gestaltung hier hat wünschenswerten Modellcharakter. Eine Fachkraft für Arbeitssicherheit oder der Betriebsarzt ist gehalten, die vorhandenen Umsetzungen regelmäßig zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Die übergeordnete Verantwortung für die Einhaltung der Arbeits- und Gesundheitsschutzbestimmungen trägt der Arbeitgeber beziehungsweise Unternehmer.

Welche psychologischen Verfahren können helfen?

Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson gehören beim subakuten, vor allem aber beim chronischen Rücken- und Kreuzschmerz unbedingt zum Behandlungskonzept. Geübte können sie auch bei akuten Schmerzen einsetzen. Ansonsten würde das Erlernen nachhaltigen Entspannens zu lange dauern, um akuten Rückenschmerzen gegenzusteuern.

Auch die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie nimmt einen wichtigen Platz ein. Kognitiv bedeutet erkennen, verstehen. Es geht darum, nachteilige Denkmuster, die den Betroffenen belasten und mit denen er sich letztlich selbst im Weg steht, zu erkennen und zu verändern. Die kognitive Verhaltenstherapie kann zu einem positiveren, gesünderen Umdenken verhelfen und dazu beitragen, seelische Bockaden lösen.

Was ist eine multimodale Schmerztherapie?

Multimodal bedeutet: verschiedene Therapiearten, die sinnvoll gebündelt zu einem definierten Ziel führen. Bei der multimodalen Therapie von chronischen unspezifischen Rückenschmerzen arbeiten mehrere Fachtherapeuten eng zusammen: Ärzte verschiedener Fachrichtungen (Orthopäden, Manualmediziner, Neurologen, Psychiater, Schmerztherapeuten), Psychologen, psychologische Psychotherapeuten, Physio- und Sporttherapeuten, Ergotherapeuten. Koordinieren kann das zum Beispiel der betreuende Arzt (etwa der Hausarzt oder Orthopäde).

Eine solche Therapie kann ambulant, teilstationär oder stationär ablaufen. Ziel ist, erkrankungsbedingte Einschränkungen im Alltag bis hin zu einer drohenden oder schon eingetreteten Minderung der Arbeits- oder Erwerbstätigkeit aufzufangen und zu beheben.

Bei einem Patienten mit nicht-spezifischen Rückenschmerzen, der nach mehreren, spätestens nach zwölf Wochen angemessener Therapie bei überpüfter Diagnose immer noch deutlich durch Beschwerden beeinträchtigt ist, wird der behandelnde Arzt prüfen, ob eine multimodale Schmerztherapie angebracht ist.