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Rückenschmerzen: Ursachen und Behandlung

Rückenschmerzen entstehen vor allem durch strapazierte Muskeln und Bänder oder Verschleiß der Wirbelsäule und Bandscheiben. Warum das so ist, Diagnose, Therapien

aktualisiert am 30.01.2019
Rückenschmerzen

Rückenschmerzen: Etwa drei Viertel der Deutschen haben zeitweise damit zu tun


Mit Rückenschmerzen macht fast jeder Bekanntschaft, viele Betroffene zum Glück nur einmal. Meistens sitzt die Pein in der Gegend oberhalb des Gesäßes. Gemeinhin ist dies das Kreuz beziehungsweise der untere Rücken. Ärzte sprechen hier auch vom lumbalen Rückenschmerz: lumbal bezieht sich auf die Lendenwirbelsäule.

Dabei können die Schmerzen mehr in der Mitte, mehr seitlich oder im ganzen Kreuz verspürt werden. Mitunter strahlen sie auch in die Umgebung aus, zum Beispiel ins Bein, oder sie werden hauptsächlich dort verspürt.

Rückenschmerz ist nicht gleich Rückenschmerz

Es gibt zwei Hauptgruppen: nicht-spezifische und spezifische Rückenschmerzen:

  • Nicht-spezifische Rückenschmerzen: Damit hat die Mehrzahl der von Rückenschmerzen Betroffenen zu tun. Bei ihnen lassen sich keine Hinweise auf eine speziell zu behandelnde Ursache feststellen. Das heißt, ihr Rücken leidet bis auf Weiteres "nur" unter verspannten, verkürzten und überdehnten Muskeln. Damit verbundene Funktionsstörungen entsprechen jedoch nicht einer spezifisch zu behandelnden Krankheit – solange eben die Diagnose "nicht-spezifisch" zutrifft, keine speziellen Schäden am Rückgrat nachweisbar sind oder keine andere Krankheit mit Bezug zum Rücken oder mit Schmerzausstrahlung in den Rücken zu erkennen ist.

  • Bei spezifischen Rückenschmerzen ist das hingegen der Fall. Auslösend können Rückenleiden selbst sowie andere Erkrankungen sein, die den Rücken mit einbeziehen.

Die Einteilung in "nicht-spezifisch" (oder auch unspezifisch) und "spezifisch" finden nicht alle Experten immer glücklich. Sie hilft aber, die Vielzahl von Rückenschmerzen etwas zu ordnen, und ist häufig in Gebrauch, so auch in diesem Beitrag.

Weitere wichtige Unterschiede ergeben sich aus

  • dem zeitlichen Verlauf der Rückenschmerzen:

    - Akut sind Rückenschmerzen, die neu auftreten (erstmals oder erneut nach mindestens sechs schmerzfreien Monaten) und höchstens sechs Wochen anhalten.

    - Subakut ist ein Schmerzzustand zwischen akut und chronisch: Der Rückenschmerz plagt Betroffene schon länger als etwa sechs, aber kürzer als zwölf Wochen.

    - Bei Schmerzen, die nicht innerhalb von zwölf Wochen abklingen, besteht das Risiko, dass sie chronisch werden. Rücken- und Kreuzschmerzen, die länger als drei (bis sechs Monate; es gibt unterschiedliche Definitionen) vorhanden sind, werden als chronisch bezeichnet.
  • Häufigkeit: Von der einmal auftretenden (akuten) Episode über wiederkehrende Phasen bis zur anhaltenden, chronischen Schmerzkrankheit gibt es bei Rückenschmerzen viele Verlaufsformen.
  • Ausprägung: Rückenschmerzen können kaum, mäßig oder wechselnd stark spürbar bis geradezu unerträglich sein. Ärzte lassen Patienten dies bei Bedarf anhand einer Schmerzskala oder eines Fragebogens bewerten.
  • Auch die Schmerzlokalisation ist bedeutsam:

    -
    Unterer Rücken (Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS), Becken): Am häufigsten betreffen Rückenschmerzen die untere Partie, die auch am stärksten belastet ist. Hier kommt es zum Beispiel häufig zu Muskelverspannungen, Störungen ihres Gleitgewebes, der Faszien, aber auch zu Bandscheibenvorfällen. Im Beckenbereich spielen sich mitunter spezielle entzündliche Veränderungen ab.

    - Mittlerer Rücken
    : Rückenschmerzen auf mittlerer Höhe der Wirbelsäule können ebenfalls durch Muskelreizungen, Veränderungen der Rippen-Wirbel-Gelenke und Skelettverformungen, insbesondere der Brustwirbelsäule, ausgelöst werden.

    - Oberer Rücken/Nacken: Betroffen ist hier der Bereich der oberen Brustwirbelsäule (BWS) und der Halswirbelsäule (HWS). Schmerzen in der Nackenregion werden häufig durch eine ungünstige Körperhaltung beim Arbeiten gebahnt. Es kommt zu Muskelverspannungen und -verhärtungen. Möglich, wenn auch seltener sind an der HWS unter anderem entzündliche Lockerungen mit Bandscheibenvorfall.

    Nackenschmerzen strahlen oft in den Hinterkopf, in die Schulter oder den Arm aus. Auch Missempfindungen sind dabei möglich. Außerdem kann es zu Schwindelgefühl kommen. Über Nackenschmerzen informiert Sie ein eigener Beitrag auf unserem Gesundheitsportal.

Was tun bei akuten Rückenschmerzen?

Die gute Nachricht ist, dass man sich bei einem akuten Rückenschmerz ohne weitere Symptome, Gesundheitsprobleme und Alarmzeichen (siehe Abschnitt "Was tun im Notfall?" weiter unten) meistens selbst ein Stück weit helfen kann: etwa mit leichter Bewegung und Stressausgleich, idealerweise auch Stressvermeidung, zum Beispiel "Abschalten", dem üblichen Stress etwas entgegensetzen, das Freude bereitet, kurzfristig Abstand von eingefahrenen Bewegungsabläufen nehmen.

Das hilft auch zu entspannen und tut der Psyche gut. Bettruhe ist nicht angesagt, allenfalls kurze Schonung.

Allerdings geht es bei akuten Schmerzen mitunter doch nicht ohne kurzfristige Mithilfe eines einfachen Schmerzmittels oder zum Beispiel eines Wärmepflasters (siehe Informationen zur Therapie im Kapitel "Nicht-spezifische Rückenschmerzen: Ursachen, Diagnose, Therapie" in diesem Beitrag). Ihr Arzt und/oder Ihre Apotheke können Sie genauer beraten.

Wie Schmerzmittel wirken, erklärt Ihnen auch unser Video.

Sprechstunde

Schon drei Tage lang akute Rückenschmerzen? Zum Arzt!

Meist geben das Beschwerdebild des Patienten, seine "Rückengeschichte" und allgemeine Krankengeschichte dem Arzt schon Hinweise, welche Art von Rückenschmerzen wahrscheinlich vorliegen.

Eine gründliche körperliche Untersuchung stützt die Einschätzung. Dabei nutzt der Arzt unter anderem bestimmte Bewegungstests, prüft die Kraft und die Muskelsehnenreflexe. Kurzum: Er stellt die Diagnose zunächst meist klinisch (mehr dazu wiederum im Kapitel "Nicht-spezifische Rückenschmerzen: Ursache, Diagnose, Therapie").

Hauptproblem: Chronische nicht-spezifische Rückenschmerzen

Mehrheitlich – in über 80 Prozent der Fälle – bereiten Muskeln und Bänder am Rücken Probleme, akut wie chronisch. Rückenprobleme entstehen häufig durch Überbelastung bei schwerer körperlicher Arbeit oder infolge einseitiger Bewegungsabläufe. Diese können – wie übrigens auch Bewegungsmangel – bestimmte Muskelgruppen unterfordern, sodass es zu Ungleichgewichten am Rücken kommt. Belastend wirkt sich auch starkes Übergewicht (BMI <30) aus, Rauchen und überhöhter Alkoholkonsum offenbar ebenfalls.

Außerdem spielen verschiedene Risikofaktoren eine Rolle, auf die der Arzt frühzeitig sein Augenmerk richten wird:

  • Ergonomische Probleme: Ungünstige Einstellung der Geräte am Arbeitsplatz
  • Psychosoziale Faktoren: Konflikte im beruflichen und privaten Umfeld, mangelnde Anerkennung, Überforderung, soziale Unzufriedenheit

Sind tatsächlich Risikofaktoren für einen chronischen Verlauf erkennbar, sollten sie frühzeitig in das Therapiekonzept mit einbezogen werden:

  • Bei körperlich schwerer oder bei unbefriedigender Arbeit Anpassungen anstreben; verbesserte Arbeitsbedingungen und -abläufe (Arbeitsergonomie), Anerkennung und anderes mehr können die Arbeitszufriedenheit erhöhen und den Rücken entlasten und stabilisieren helfen
  • Bei belastenden emotionalen Konflikten im Beruf und privat nach Lösungen suchen, gegebenenfalls mit Unterstützung eines Psychologen

Welche Hilfen gibt es im weiteren Verlauf?

Die manuelle Medizin kann mit Techniken wie Mobilisation und Manipulation bei nicht-spezifischen Kreuzschmerzen ein möglicher Behandlungsweg sein. Am besten beurteilt das der behandelnde Arzt. Sanfte Bewegungstherapie (Physiotherapie, früher: Krankengymnastik) mit kontrollierten Übungen (unter fachkundiger Anleitung eines/r Physiotherapeuten/in) wird bei akuten und chronischen nicht-spezifischen wie auch spezifischen Rückenschmerzen empfohlen, wenn die Beweglichkeit schmerzbedingt eingeschränkt ist. Durch die Physiotherapie lässt sich vor allem eine Lockerung der verspannten Muskulatur und die Korrektur von Fehlhaltungen erreichen.

Massage kann zusammen mit gezielten Übungen bei subakuten und chronischen nicht-spezifischen Kreuzschmerzen zur Anwendung kommen.

Speziell ausgerichtete Programme wie Rückenschulen sollen helfen, wiederkehrenden Kreuzschmerzen vorzubeugen. Neben Elementen zur Kräftigung des Rückens und Verbesserung der Haltung sollten solche Programme den Betroffenen auch Strategien vermitteln, um Ängste vermeiden zu lernen und Selbstvertrauen aufzubauen. Ihr Arzt oder Physiotherapeut kann Sie über geeignete Angebote vor Ort informieren.

Voraussetzung der Übungsbehandlung, besonders bei Begleit- oder Grunderkrankungen ist, dass der Arzt die Trainingsfähigkeit bestätigt. Auch bei spezifischen Rückenschmerzen können Rückenschul-Programme sinnvoll sein.

Übungen zum Nachmachen, die Ihren Rücken kräftigen, finden Sie ebenfalls im Kapitel "Nicht-spezifische Rückenschmerzen: Ursachen, Diagnose, Therapie".

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Entlastung für den Rücken bringt natürlich auch Abnehmen bei Übergewicht, rückenfreundliches Schuhwerk, gegebenenfalls eine optimierte Matratze.

Bei spezifischen Rückenschmerzen richtet sich die Therapie gezielt nach der Diagnose und den medizinischen Anforderungen.

Wichtig: Vermeiden, dass Rückenschmerzen chronisch werden

Bestehen nicht-spezifische Rückenschmerzen und eine dadurch begründete Arbeitsunfähigigkeit trotz Therapie länger als etwa zwei Wochen, wird der Arzt prüfen, ob sich eingehendere Untersuchungen empfehlen. Anderenfalls wird er die Schmerztherapie intensivieren.

Dauern die Beschwerden weiter an, sind nach wenigen Wochen Maßnahmen empfehlenswert, um die Diagnose zu überprüfen: etwa eine umfassende neuro-orthopädische Untersuchung und einmalig ein bildgebendes Diagnoseverfahren, zum Beispiel Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomografie (MRT). Bei anhaltenden Rückenschmerzen sollte unbedingt eine umfassende fachpsychotherapeutische Diagnostik durchgeführt werden, um relevante psychosoziale Krankheitsfaktoren zu erkennen.

Diese können im Rahmen einer sogenannten multimodalen Schmerztherapie angegangen werden mit dem Ziel, Rücken und Psyche wieder aufzurichten.

Wenn die Schmerzen länger als zwölf Wochen anhalten oder erst jetzt einem Arzt präsentiert werden, da sie den Alltag mittlerweile erheblich beeinträchtigen, und wenn behandlungsbedürftige Organbefunde (weiterhin) nicht erkennbar sind, ist eine multimodale Therapie grundsätzlich angezeigt. Weitere Informationen im Kapitel "Nicht-spezifische Rückenschmerzen: Ursachen, Diagnose, Therapie" in diesem Beitrag.

Spezifische Rückenschmerzen: Mögliche Ursachen

Nach Studien kann zum Beispiel bei weniger als zehn Prozent der Patienten mit Rückenschmerzen ein Bandscheibenvorfall mit Druck auf einen benachbarten Nerven festgestellt werden. Doch gehört Verschleiß an der Wirbelsäule beziehungsweise an den Bandscheiben zu den ausgesprochen häufigen Diagnosen: mit und ohne Rückenschmerzen.

Infrage kommen bei spezifischen Rückenschmerzen vor allem Krankheiten des Bewegungssystems – Osteoporose, chronisch-entzündliche Erkrankungen wie sogenannte Spondyloarthritiden, die bei rheumatischen Krankheitsbildern eingeordnet werden, sodann Entzündungen der Wirbelsäule durch Erreger, etwa Bakterien. Auch Fehlbildungen oder Formstörungen der Wirbelsäule wie Skoliosen, Verletzungen, Knochen- und Stoffwechselerkrankungen spielen eine Rolle, manchmal außerdem neurologische Störungen und Tumoren. Mitunter können auch Nebenwirkungen von Medikamenten wie zum Beispiel Kortison in Betracht kommen. Kortison kann eine Osteoporose beschleunigen oder verstärken.

Zu den Hauptursachen spezifischer Rückenschmerzen gehören vor allem Erkrankungen des Bewegungsapparates wie:

  • Osteomalazie (Knocherweichung)
  • Chronisch-entzündliche Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen (Spondyloarthritiden), darunter auch
  • Entzündungen von Wirbeln, Bandscheiben oder Nervenwurzeln bei Infektionen mit Bakterien oder Viren
  • Stoffwechselbedingte Knochenerkrankungen
  • Morbus Paget des Knochens
  • Tumoren

Diagnose und Therapie spezifischer Rückenschmerzen

Der Arzt wird bei mutmaßlich spezifischen Rückenschmerzen neben einer umfassenden körperlichen Untersuchung frühzeitig geeignete Untersuchungen veranlassen, um die möglichen Ursachen einzugrenzen und die Diagnose zu stellen. Das gilt auch, wenn zunächst als nicht-spezifisch eingestufte Rückenschmerzen unter sachgerechter Therapie nach wenigen Wochen nicht abgeklungen sind (siehe oben).

Die Therapie richtet sich nach der Diagnose und umfasst verschiedene konservative (nicht operative) Maßnahmen einschließlich Medikamenten und Physiotherapie, gegebenenfalls auch gezielte Eingriffe und operative Verfahren. Die Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Ursachen abklären und behandeln" und "Spezifische Rückenschmerzen: Therapien" informieren genauer darüber.

Was tun im Notfall?

Klingen akute Rückenschmerzen – im Kreuz oft als Hexenschuss (akute Lumbalgie) bezeichnet – nicht sehr bald wieder ab, nehmen zu, breiten sich aus oder kehren nach kurzer Besserung zurück, sollten Betroffene zügig den Arzt konsultieren. Kommt es zu weiteren Beschwerden, etwa Schmerzen, Missempfindungen oder Muskelschwäche im Bein ("Ischias", mehr dazu wiederum in den Kapiteln "Nicht-spezifische Rückenschmerzen: Ursachen, Diagnose, Therapie" und "Spezifischer Rückenschmerz: Ursachen abklären und behandeln"), muss ein Arzt den Patienten erneut untersuchen. Treten Empfindungsstörungen im Intimbereich, Lähmungen der Beine, akute Störungen der Blase, des Mastdarms und der Potenz auf, rufen Sie unverzüglich den Notarzt (Notruf: Tel. 112).

Tun Sie das auch bei Alarmsymptomen wie starken Schmerzen im Rücken, Brustbereich oder Bauch mit deutlichem Unwohlsein und Kreislaufschwäche.

Akute Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Arm und Begleitsymptomen gehören ebenfalls in die Hand eines Arztes.

Dasselbe gilt, wenn Rückenschmerzen in Verbindung mit Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, Gewichtsabnahme und/oder im Zusammenhang mit einer anderen (Vor-)Erkrankung wie zum Beispiel einer Osteoporose, einem Tumorleiden, einer rheumatischen Erkrankung und bei einer Kortisonbehandlung (etwa längere Tabletteneinnahme) auftreten.

"Rückenschmerzen": Nicht nur vom, sondern auch zum Rücken

In den Rücken können manchmal Schmerzen ausstrahlen, die an ganz anderer Stelle im Körper entstanden sind: beispielsweise in den Nieren (Koliken), im Unterleib (etwa bei einer Eileiter- und Eierstockentzündung), in der Bauchspeicheldrüse (besonders bei akuter Entzündung) oder Gallenblase (Entzündung, Koliken), im Herzen (Verengungen der Herzkranzgefäße, Herzinfarkt) und nicht zuletzt in der Hauptschlagader (Aortenaneurysma, Ausbuchtung der Gefäßwand, eventuell mit Wandeinriss oder -durchbruch).

Auf die Psyche achten

Seelische Faktoren und ängstliche Denk- und Verhaltensmuster – beides greift oft ineinander – können Rückenschmerzen begünstigen oder verstärken. Bei Depressionen sind Rückenschmerzen neben Schlafstörungen sogar ein sehr häufiges körperliches Symptom.

Wenn Sie vermuten, dass bei Ihnen eine Konstellation dieser Art vorliegen könnte und Sie aktiv nach einer Lösung suchen möchten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Er kann Sie an einen Spezialisten überweisen, der Ihrem Rücken weiterhelfen kann.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.