Blutungen außerhalb der Regel – Ursachen: Endometriose

Bei der Endometriose handelt es sich um gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut. Sie ist eine der häufigsten Erkrankungen im Genitalbereich

von Andrea Blank-Koppenleitner , aktualisiert am 14.11.2016

Unterleibsschmerzen: Dahinter kann eine Endometriose stecken


Blutungsstörungen durch Endometriose im Genitalbereich

Symptome: Starke, krampfartige Regelschmerzen, Blutungsstörungen und unregelmäßige Blutabgänge sind Warnzeichen. Dazu können, vor allem einige Tage vor Beginn der Regelblutung, Schmerzen im Unterbauch, im Rücken, beim Geschlechtsverkehr auftreten. Auch Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang mit Blutbeimengungen sind möglich. Unfruchtbarkeit ist eines der häufigsten Krankheitszeichen. Die Erkrankung kann auch weitgehend ohne deutliche Symptome verlaufen.

Ursache: Die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) baut sich im Laufe des Menstruationszyklus unter Einfluss der Geschlechtshormone in der Gebärmutter auf und wird, wenn keine Schwangerschaft eingetreten ist, mit der Regelblutung wieder ausgestoßen (siehe auch Kapitel "Menstruationszyklus"). Warum sie sich in sogenannten Herden oder Inseln manchmal auch außerhalb ihrer Ursprungsortes ansiedelt, ist noch nicht endgültig geklärt. Die Wissenschaftler gehen unterschiedlichen Erklärungsmodellen zur Endometriose nach.

Grafik: Endometriose-Herde

Das fremde Schleimhautgewebe setzt sich häufig an den inneren Geschlechtsorganen an, zum Beispiel in der Tiefe oder außen an der Gebärmutterwand, an den Eileitern und Eierstöcken. Es verursacht oft erhebliche Schmerzen und weitere Beschwerden. Die Wucherungen nisten manchmal auch am Bauchfell und in verschiedenen Hohlräumen des unteren Beckens, am Blasendach, am Dick- beziehungsweise Dünndarm. Selten befallen die Gewebeherde entferntere Organe wie die Lunge oder die innere Haut des Brustkorbs.

Die Schleimhautinseln stehen wie die normale Gebärmutterschleimhaut unter dem Einfluss von Östrogenen und Progesteron. Sie bauen sich auf und nach dem Eisprung wieder ab. Da sie nicht abbluten können, entstehen oft Blutansammlungen in der Bauchhöhle, es bilden sich Zysten an den betroffenen Organen oder es kommt zu Entzündungen. Die Folgen können Verklebungen und Vernarbungen in den betroffenen Zonen, zum Beispiel in den Eileitern, und damit auch Unfruchtbarkeit sein.

Diagnose: Die Krankengeschichte der betroffenen Frau und die frauenärztliche Blick- und Tastuntersuchung können einen ersten Verdacht ergeben. Ultraschallbilder zeigen mögliche Veränderungen. Um eine Endometriose aber sicher bestimmen zu können, wird der Arzt in der Regel noch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchführen. Vermutet er, dass benachbarte Organe, wie Blase oder Darm, befallen sind, können weitere Untersuchungen in dieser Richtung folgen.

Typische Anzeichen für einen Befall der Eierstöcke sind für den Arzt zum Beispiel bräunliche, mit geronnenem Blut gefüllte Zysten. Verdächtiges Gewebe kann der Arzt während der Spiegelung entfernen und im Labor untersuchen lassen. Vordringliches Ziel ist es, Lage und Ausmaß der Endometriose zu beschreiben, um dann eine individuell abgestimmte Behandlung einleiten zu können.

Therapie: Die Behandlung ist darauf ausgerichtet, die Beschwerden zu lindern, bestehende Gewebeherde zu beseitigen und zu verhindern, dass sich neue bilden. Das geschieht in erster Linie mit chirurgischen Eingriffen und Medikamenten. Da die Erkrankung sehr unterschiedlich verläuft, wird der Arzt meist sehr individuelle Behandlungswege wählen, wobei er auch auf die Wünsche seiner Patientin eingeht.

Schmerzmedikamente und eventuell der Einsatz einer Antibabypille helfen gegen die Symptome, aber nicht gegen die Ursache. Hier kann der Arzt eine Hormontherapie für sinnvoll ansehen, die den Einfluss der Geschlechtshormone steuert und dazu beiträgt, dass die Wucherungen zurückgehen. Das können Gestagenpräparate sein. Andere Mittel führen zu einer Inaktivität der Eierstöcke und damit vor allem zu einem Östrogenentzug. Dazu gehören sogenannte GnRH-Analoga. Diese künstlich hergestellten Hormone vermindern den Einfluss des natürlichen GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon), das vom Gehirn aus auf die Hirnanhangdrüse einwirkt und damit die Hormonbildung im Eierstock regelt.

Da die betroffenen Frauen mit diesen Therapien für eine gewisse Zeit gleichsam in künstliche Wechseljahre versetzt werden, können auch entsprechende Begleitsymptome wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Knochenschwund auftreten. Eine zeitliche Begrenzung auf sechs Monate ist deshalb häufig angezeigt. Allerdings gelingt es nicht immer, die Endometriose ganz auszuheilen. Sie kann nach Ende der Behandlung wieder auftreten.

Operiert werden kann häufig endoskopisch, also im Rahmen einer Bauchspiegelung. Der Frauenarzt beseitigt die Wucherungen – je nach Lage und Beschaffenheit – mit Laser, Strom oder dem Operationsmesser. Oft schließt danach eine Hormontherapie an, entweder als Pille mit hohem Gestagengehalt oder eine reine Gestagentherapie. Besteht Kinderwunsch, können die Ärzte versuchen, geschädigte Eileiter mikrochirurgisch wieder aufzubauen, oder eine künstliche Befruchtung durchführen. Das geschieht in dafür spezialisierten Kliniken.


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