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Am 14. Juni streiken viele Apotheken. Das heißt: An vielen Orten werden nur die für den Notdienst eingeteilten Apotheken geöffnet sein. Damit wollen Apothekerinnen und Apotheker unter anderem gegen die – ihrer Meinung nach – niedrigen Honorare bei verscheibungspflichtigen Medikamenten protestieren und auf den Personalmangel aufmerksam machen. Mehr zum Streik lesen Sie hier.

Schon länger klagen Apothekerverbände über Probleme. So sinkt seit Jahren die Zahl der örtlichen Apotheken: 2002 gab es mehr als 21. 000 Apotheken, Ende 2022 waren es 18.068. Das klingt zwar noch viel. Aber die Apothekendichte liegt dadurch bei 22 pro 100 000 Einwohnern. Zum Vergleich: Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei 32.

Zwar gab es von der Politik bereits einige Versuche, die Situation örtlicher Apotheken zu verbessern. 2020 zum Beispiel mit einem Reform-Paket. Ein Hauptpunkt des sogenannten Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetzes: Europäische Versandhändler dürfen auf verschreibungspflichtige Medikamente keine Rabatte mehr geben – was die klassische Apotheke nie durfte. Das sollte für einen faireren Wettbewerb sorgen. Außerdem können Apotheken mittlerweile pharmazeutische Dienstleistungen anbieten – wie Medikationsmanagement oder Bluthochdruckerfassung. Das zahlen in vielen Fällen die Krankenkassen.

Sie erreichen den Autor per Mail: a.roodsari@wubv.de

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Das reicht nach Meinung der Apotheken nicht aus, um die Versorgung in der Fläche nachhaltig zu sichern. Fest steht: Ein funktionierendes Netz ist für eine gute Gesundheitsversorgung der Bevölkerung wichtig. Apothekerinnen und Apotheker sind mehr als besser ausgebildete Verkäufer. Sie beraten Menschen rund um ihre Medikamente, klären über Wechselwirkungen auf, sind häufig Schnittstelle zur Arztpraxis. Zwar bieten auch Online-Apotheken solche Dienste an. Aber ein Test der Stiftung Warentest im März 2022 zeigte: Viele Online-Apotheken seien „fachlich selten über­zeugend“.

Eine persönliche Beziehung wie zur Stammapotheke, in der man die Patientinnen und Patienten sowie ihre Krankheiten kennt, lässt sich mit einer Online-Apotheke wohl schwer aufbauen. Zudem haben Studien gezeigt: Regelmäßige persönliche pharmazeutische Betreuung kann für Erkrankte die Auswirkungen von chronischen Leiden wie Diabetes senken und ihre Therapietreue steigt.

Ein weiterer Vorteil der Vor-Ort-Apotheken: Am Tag, in der Nacht, am Wochenende – Arzneimittel sind hier immer verfügbar oder können in der Regel innerhalb von wenigen Stunden beschafft werden. Die meisten Apotheken bieten sogar Botendienste an, sodass die Medikamente kostenlos nach Hause geliefert werden.

Während der Pandemie haben Apotheken auch gezeigt, wie sie noch unterstützen können: zum Beispiel bei der Digitalisierung von Impfpässen oder mit Impfungen. Außerdem können viele Apothekerinnen und Apotheker mittlerweile gegen Grippe impfen. Und zu Zeiten des Medikamentenmangels beweisen viele Apothekerinnen und Apotheker ein hohes Engagement für ihre Kundschaft. Nicht selten telefonieren Mitarbeiter herum und halten Rücksprache mit Arztpraxen, um für Patientinnen und Patienten ein passendes Medikament zu organisieren. Eine Mehrarbeit, die sie bisher quasi unvergütet leisten – von der wir aber alle profitieren.

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Quellen:

  • Rainer Radtke/ Statista: Gesamtzahl öffentlicher Apotheken in Deutschland in den Jahren 1999 bis 2020. https://de.statista.com/... (Abgerufen am 22.03.2022)
  • Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.: Apothekenzahl in Deutschland auf Tiefstand. Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.: https://www.abda.de/... (Abgerufen am 22.03.2022)
  • Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.: Overwiening: „Berufsaussichten für Apotheker*innen bleiben hervorragend“. https://www.abda.de/... (Abgerufen am 22.03.2022)
  • Bundesministerium für Gesundheit: Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken . https://www.bundesgesundheitsministerium.de/... (Abgerufen am 22.03.2022)
  • Tina Haase: Gesundheitspolitik: Das plant die Ampel. Apotheken Umschau: https://www.apotheken-umschau.de/... (Abgerufen am 22.03.2022)
  • Abdullah A. Alshehri et al.: Impact of the pharmacist-led intervention on the control of medical cardiovascular risk factors for the primary prevention of cardiovascular disease in general practice: A systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. In: British Pharmacological Society 27.11.2020, 0: 0
  • Helena Reu: Grippeimpfung in Apotheken. Apotheken Umschau: https://www.apotheken-umschau.de/... (Abgerufen am 22.03.2022)
  • ABDA: Zahl der Apotheken nur noch knapp über 18.000. https://www.abda.de/... (Abgerufen am 13.06.2023)

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