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Rauchen, Stress, zu viel Salz, zu viel Alkohol, zu wenig Bewegung, Veranlagung, Übergewicht, Alter. Das sind die üblichen Verdächtigen, wenn nach Ursachen für Bluthochdruck gesucht wird. Meist findet sich keine behandelbare Ursache. Menschen mit Bluthochdruck wird empfohlen, gesünder zu leben, nicht zu rauchen – und den Druck mit Medikamenten zu senken.

Übermäßige Hormonproduktion in der Nebenniere

Doch eine – behandelbare – Ursache wird manchmal übersehen: Hyperaldosteronismus, eine Überproduktion von Aldosteron, einem Hormon aus den Nebennieren. Es steuert den Salz- und Flüssigkeitshaushalt und damit den Blutdruck. Produziert der Körper zu viel davon, liegt ein sogenanntes Conn-Syndrom vor.

Bei fünf bis zehn von 100 Betroffenen ist diese Hormonstörung die Ursache für den Hochdruck, schätzen Experten. Professor Martin Reincke von der Ludwig-Maximilians-Universität München erforscht diese Krankheit: „Wenn ein Conn-Syndrom früh erkannt und behandelt wird, lassen sich Folgeschäden des Bluthochdrucks oft vermeiden.“

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Hoher Blutdruck, niedrige Kaliumwerte

Aber wie findet man heraus, ob ein Conn-Syndrom vorliegt oder ob doch nur die üblichen Verdächtigen am Werk sind? Erste Hinweise sind schwerer Bluthochdruck, der schon bei Jüngeren auftritt. Drei verschiedene Blutdruckmittel senken die Werte nicht unter 140 zu 90 mmHg, manchmal nicht einmal unter 160 zu 100 mmHg. Immer wieder erreicht der Druck Spitzenwerte über 200.

Weiteres Zeichen: Die Kaliumwerte im Blut sind häufig niedrig. „Hoher Druck trotz Tabletten und niedriges Kalium lenken den Verdacht auf eine Hormonstörung der Nebennieren“, sagt Martin ­Reincke. Aber es sind Mosaiksteinchen, die erst in der Zusammenschau ein Bild ergeben.

Verschiedene Untersuchungen möglich

Mit Blut- und Urinuntersuchungen kommt der Arzt oder die Ärztin der Erkrankung auf die Spur. Was interessiert, ist das Verhältnis zwischen Aldosteron und Renin, einem Nierenhormon. Manche Blutdruckmittel können die Messergebnisse verfälschen. Die Patienten müssen etwa zwei Wochen vor der Untersuchung andere Wirkstoffe einnehmen. Ergibt sich ein Hinweis auf ein Conn-Syndrom, können weiterführende Untersuchungen – zum Beispiel in einer endokrinologischen Fachpraxis – notwendig sein.

Bei dem sogenannten Kochsalzbelastungstest erhält der Patient eine Infusion mit Kochsalzlösung. Sinkt der Aldosteronwert im Blut während der Infusion nicht, spricht das für eine Hormonstörung. Durch eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie lassen sich Veränderungen der Nebennieren erkennen. Manchmal bestätigt erst eine Blutprobe aus den winzigen Venen der Nebennieren den Verdacht.

Aufwendige Diagnostik

Ein Conn-Syndrom zu erkennen erfordert viel ärztliche Erfahrung – und viel Geduld seitens der Patienten. „Aber die Mühe lohnt sich“, sagt Martin Reincke. „Vor allem wenn tatsächlich ein gutartiger Aldosteron-produzierender Tumor gefunden und operativ entfernt werden kann“, sagt Martin Reincke. Im Idealfall normalisieren sich die Aldosteron- und Blutdruckwerte.

Warum wird diese Möglichkeit häufig nicht genutzt? Hausarzt und Internist Dr. Martin Lange aus Aschaffenburg betreut viele Patienten mit Bluthochdruck. Er sagt: „Die Untersuchungen sind aufwändig, ihre Ergebnisse nicht immer eindeutig.“ Er empfiehlt die Diagnostik bei begründetem Verdacht und rät, neben den Chancen auch die Risiken der Operation zu bedenken.

Wird kein Tumor gefunden, finden sich manchmal andere Veränderungen in einer oder in beiden Nebennieren, die eine Überproduktion von Aldosteron auslösen. Dann kommen Medikamente zum Einsatz, die das Hormon blockieren. „Diese Behandlung kann auch eine pragmatische Lösung für Menschen sein, die sich nicht operieren lassen möchten oder können“, sagt Reincke.

Möglichst früh mit der Behandlung beginnen

Mit dem Alter sinken die Chancen, Bluthochdruck und seine Folgen ein für alle Mal loszuwerden. Denn hoher Druck schädigt schleichend die Gefäße und die Organe im Körper. Diese Schäden bleiben, auch wenn die Ursache, die Überproduktion von Aldosteron, beseitigt werden kann. „Deshalb sollte die Diagnose des Conn-Syndroms früh erfolgen“, sagt Reincke. „Sie verbessert bei älteren Patienten aber immer die Blutdruckeinstellung, die Werte schwanken nicht mehr so stark – und damit ist viel gewonnen.“

Hinweise und Zeichen ernst nehmen und gemeinsam mit dem Arzt Vor- und Nachteile von Behandlungsmöglichkeiten abwägen: Das ist bei Bluthochdruck immer und in jedem Alter eine gute Idee.

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Quellen: