Ein neues Wort entsteht meist dann, wenn es eine Lücke gibt in der Sprache, die gefüllt werden muss. Wenn da ein Phänomen ist, das man kennt, aber nicht kompakt beschreiben kann. Der Begriff Konaschu, der erst vor Kurzem aufgetaucht ist, füllt offenbar eine solche Lücke. Denn wenn man Kopfschmerzen hat, aber zugleich auch Nacken- und Schulterschmerzen, dann konnte man es bisher eben nur so beschreiben: Ich habe Kopfschmerzen, und auch der Nacken und die Schulter tun weh. Oder kurz: Konaschu. KOpf-NAcken-SCHUlter-Schmerzen.

Das Phänomen gibt es tatsächlich: „Uns berichten immer wieder Kopfschmerzpatientinnen und -patienten davon, dass sie auch Nacken- und Schulterschmerzen haben“, sagt Priv.-Doz. Dr. Charly Gaul vom Kopfschmerzzentrum Frankfurt. Umfassende Studien zum Anteil der Menschen mit Konaschu an allen unter Kopfschmerzen Geplagten liegen noch nicht vor. Aber die Kombination scheint tatsächlich nicht selten zu sein. Ich habe beobachtet, dass Patienten mit dieser Kombination eher häufiger Kopfschmerzen haben und davon etwas mehr beeinträchtigt sind“, sagt Gaul.

Konaschu: ein Beschwerdebild – aber keine eigene Krankheit

Trotzdem sei Konaschu keine eigene Krankheit, sagt Professorin Dagny Holle-Lee, Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums Essen am Universitätsklinikum Essen. „Konaschu ist letzten Endes nur eine Beschreibung. Wie der einzelne Patient zu behandeln ist, sollte sich aber an den Ursachen für die Beschwerden orientieren“, so Holle-Lee.

Und als Ursache kommen verschiedene Möglichkeiten infrage. Holle-Lee geht davon aus, dass in den meisten Fällen Migräne dafür verantwortlich ist. Was bei Migräne genau im Gehirn passiert ist noch unklar. Eine Theorie geht davon aus, dass eine Art von Entzündungsprozess in bestimmten Gehirnregionen und den darin liegenden Gefäßen eine Rolle spielt. „Ganz in der Nähe liegen auch die Bereiche, die über Nervenimpulse im Austausch mit der oberen Halswirbelsäule und der Nacken-Schulter-Region stehen. Deshalb ist es von einer unbehandelten Migräne zur Kombination von Kopf- und Nacken-Schulter-Schmerzen nicht weit“, sagt Professor Peter Kropp, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Universitätsmedizin Rostock, an dessen Institut unter anderem Kopfschmerzpatienten behandelt werden.

Auch Verspannungen und Fehlhaltungen können zu Konaschu führen

Aber es gibt auch eine Reihe anderer möglicher Ursachen. „Schmerzen in Bindegewebe und Muskulatur sind im Nacken-Schulter-Bereich häufig. Das kann etwa durch Zwangshaltungen ausgelöst werden, zum Beispiel bei einseitigem Tragen oder einer starren Kopfhaltung vorm Bildschirm. Im nächsten Schritt können dann durch diese Verspannungen auch Kopfschmerzen entstehen – und wir haben Konaschu“, sagt Charly Gaul aus Frankfurt.

In wenigen Fällen äußern sich so herbeigeführte Beschwerden in Form von Spannungskopfschmerzen, das sind leichte bis mittelschwere Kopfschmerzen, die sich dumpf und drückend anfühlen. Werden die Spannungskopfschmerzen durch andere Auslöser hervorgerufen, etwa durch Stress oder Schlafstörungen, können sie umgekehrt auch Nacken- und Schulterschmerzen auslösen. „Fest steht: Kopfschmerzen und Nacken-Schulter-Schmerzen können eng miteinander zusammenhängen. Deshalb hat der Begriff Konaschu durchaus seine Daseinsberechtigung“, sagt Gaul.

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Was hilft bei Konaschu?

Und was hilft gegen Konaschu? Das kommt darauf an. Wenn keine Migräne im Spiel ist, können regelmäßige Lockerungsübungen der Muskulatur hilfreich sein. „Viele Menschen glauben irrtümlicherweise, sie müssten unbedingt ihre Muskulatur kräftigen, dabei hilft Dehnen und Entspannen der Muskulatur häufig rasch, denn die Muskeln sind bereits kräftig und unter Dauerspannung“, sagt Gaul. Auch Meditation und Yoga können helfen, die gewünschte Entspannung herbeizuführen. „Auch Eisabreibungen, etwa mit gewöhnlichen Eiswürfeln, im Nacken- und Schulterbereich könnten zu einer Entspannung der Muskulatur führen. Ebenso könne Wärme hilfreich sein, etwa aufgewärmte Kissen oder Wärmepads. Wer unter chronischen Erkrankungen leidet, erkundigt sich vorab bei seinem Arzt, ob bei ihm etwas gegen die Anwendung von Wärme oder Kälte spricht. “, sagt Gaul. Er betont aber auch: „Eine vollkommen entspannte Muskulatur im Bereich der Halswirbelsäule und des Nackens gibt es nicht, denn diese Muskulatur soll ja unseren Kopf mittragen, stabilisieren und in Position halten. Deshalb geht es hier vor allem darum, überzogene Anspannungen und Verspannungen abzubauen“.

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Konaschu als Hinweis auf Migräne

Um zwischen Verspannungen und Spannungskopfschmerzen auf der einen Seite und Migräne auf der anderen Seite zu unterscheiden, braucht es eine gute Diagnostik. Gerade wer wiederholt unter Konaschu leidet, sollte daher einen Arzt aufsuchen. Das gleiche gilt, wenn die Schmerzen ohne erkennbaren Grund das erste Mal auftreten. Sind sie sehr stark, kommen Fieber, Lähmungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle dazu oder tritt eine Nackensteife auf, so dass sich zum Beispiel das Kinn nicht mehr auf die Brust senken lässt, sollte man sofort ärztliche Hilfe suchen.

„Leider wird Migräne wegen ihrer vielschichtigen Erscheinungsformen noch immer häufig nicht als solche erkannt“, sagt Holle-Lee. Konaschu werde vergleichsweise oft durch Migräne hervorgerufen. Entsprechend sollten Betroffene – und auch behandelnde Ärztinnen und Ärzte – bei Kopf-Nacken-Schulter-Schmerzen immer auch in Erwägung ziehen, dass womöglich eine Migräne dahinter steckt.

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