Kurz zusammengefasst: Was ist Vitiligo?

  • Bei der Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) geht stellenweise das braune Hautpigment Melanin verloren. Deshalb entstehen helle Flecken auf der Haut.
  • Schätzungen zufolge sind weltweit rund ein Prozent der Menschen von Vitiligo betroffen.
  • Die Ursachen sind nicht genau bekannt. Neben einer erblichen Veranlagung spielt vermutlich eine Fehlregulation des Immunsystems eine Rolle: Immunzellen greifen die pigmentbildenden Zellen in der Haut an (Autoimmunerkrankung). Innere Organe werden von der Vitiligo jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen.
  • Die Weißfleckenkrankheit ist nicht ansteckend. Die Hautveränderungen an sich stellen normalerweise auch kein gesundheitliches Problem dar. Betroffene können sie jedoch als kosmetisch störend empfinden oder mit Vorurteilen konfrontiert sein. Selbsthilfegruppen zu Vitiligo bieten Unterstützung, hilfreiche Informationen und Austausch an.
  • Vitiligo ist nicht heilbar, aber behandelbar. Je nach Fall kommen verschiedene Therapien infrage – zum Beispiel die örtliche Behandlung mit Kortison-Cremes (Kortikosteroiden) oder eine Lichttherapie. Dabei wird die Haut mit Licht spezieller Wellenlänge bestrahlt.
  • Vitiligo kann mit anderen Autoimmunerkrankungen einhergehen, zum Beispiel Schilddrüsenstörungen.

Symptome: Wie zeigt sich Vitiligo?

Bei Vitiligo entstehen scharf begrenzte, unregelmäßig geformte, helle Hautflecken. Die Pigmentierung ist an diesen Hautstellen entweder verringert oder sie fehlt vollständig.

In der Regel ist die Haut bei der Weißfleckenkrankheit in ihrer Struktur unverändert. Die Hautoberfläche bleibt bei der Vitiligo intakt, zeigt keine Schuppung und unterscheidet sich nur in der Farbgebung von der übrigen Haut.

Die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) kann zum Beispiel das Gesicht betreffen.

Die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) kann zum Beispiel das Gesicht betreffen.

Die Flecken können sich prinzipiell an jeder Körperstelle bilden. Auch Schleimhäute und behaarte Haut können betroffen sein. Da der von den Pigmentzellen produzierte Farbstoff (Melanin) auch für die Färbung der Haare verantwortlich ist, können die Haare der betroffenen Bereiche weiß erscheinen. Häufig beginnt die Krankheit im Gesicht, an Händen oder Füßen. Wie die Weißfleckenkrankheit verläuft, ist nicht sicher vorhersagbar. Oft bleibt eine Vitiligo auch unverändert oder breitet sich nur sehr langsam aus.

Hier zeigt sich die Weißfleckenkrankheit an den Händen.

Hier zeigt sich die Weißfleckenkrankheit an den Händen.

Fachleute unterscheiden verschiedene Formen der Weißfleckenkrankheit, darunter zum Beispiel die

  • nicht-segmentale Vitiligo: Diese Form ist eher häufig und beginnt oft im Gesicht. Die Flecken können über den gesamten Körper verteilt auftreten. Oft bilden sie sich in etwa symmetrisch auf beiden Körperhälften.
  • segmentale Vitiligo: Sie kommt seltener vor. Die weißen Flecken sind bei dieser Form auf einzelne Hautbereiche beschränkt.

Die Weißfleckenkrankheit ist nicht ansteckend. Innere Organe werden durch die Vitiligo nicht in Mitleidenschaft gezogen. Die Hautveränderungen können aber unter Umständen zu seelischen Belastungen führen.

In manchen Fällen ist die Weißfleckenkrankheit auch von anderen Krankheiten begleitet, wie Schilddrüsenerkrankungen oder kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata).

Symptome der Weißfleckenkrankheit an den Armen.

Symptome der Weißfleckenkrankheit an den Armen.

Nicht jeder helle Hautfleck ist durch Vitiligo verursacht. Es kommen auch andere Ursachen infrage. Hautveränderungen sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden.

Ursachen: Wie entsteht eine Vitiligo?

Die genauen Ursachen der Weißfleckenkrankheit sind noch nicht bekannt. Da sich Fälle von Vitiligo innerhalb von Familien häufen, vermuten Fachleute, dass erbliche Faktoren eine Rolle spielen. Die Pigmentstörung wird jedoch nicht direkt von den Eltern auf die Kinder vererbt. Lediglich die Veranlagung für Vitiligo kann weitergegeben werden. Das Krankheitsrisiko erhöht sich also, wenn enge Verwandte betroffen sind. Doch muss die Weißfleckenkrankheit nicht zwangsläufig auftreten.

In der Haut befinden sich spezialisierte Zellen, so genannte Melanozyten. Sie bilden das Hautpigment Melanin, das der Haut ihren Farbton verleiht. Auch die Haarfarbe und die Augenfarbe kommen durch Melanin zustande. Halten wir uns in der Sonne auf, bilden Melanozyten verstärkt Melanin. Die Haut bräunt sich – und ist damit besser vor den schädlichen UV-Strahlen der Sonne geschützt.

Bei der Weißfleckenkrankheit versiegt die Melaninproduktion an manchen Hautstellen. Normalerweise unterscheidet unser Abwehrsystem zwischen körpereigenen und körperfremden Stoffen. Bei der Weißfleckenkrankheit scheint das Immunsystem die eigenen Pigmentzellen anzugreifen. Warum das passiert, wird noch erforscht. Fachleute sprechen von einer autoimmun verursachten Hauterkrankung.

So wehrt das Immunsystem Angreifer ab

Das Immunsystem

Ständig greifen Keime den Menschen an. Mit dem Immunsystem ist der Körper dagegen weitgehend geschützt. Doch diese Körperabwehr funktioniert nicht immer fehlerfrei. Infekte, Allergien und Autoimmunerkrankungen können die Folge sein

Manche Betroffene berichten, dass die Vitiligo im Zusammenhang mit emotionalem Stress auftrat oder schlimmer wurde. Auch schwere Sonnenbrände oder Hautverletzungen begünstigen die Krankheit manchmal. Die hellen Flecken können außerdem an solchen Hautstellen entstehen, die besonders häufig Druck oder Reibung ausgesetzt sind.

Vitiligo kann zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel Schilddrüsen-Funktionsstörungen wie der Hashimoto-Thyreoiditis oder kreisrundem Haarausfall, auftreten. Die Vitiligo selbst zieht jedoch keine inneren Organe in Mitleidenschaft.

Diagnose

Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt die Weißfleckenkrankheit bereits anhand der typischen Symptome.

Trotzdem müssen andere Ursachen der Hautveränderungen möglichst sicher ausgeschlossen werden. So bilden sich helle Hautflecken manchmal auch nach bestimmten Hautpilzinfektionen oder durch chronische Hautausschläge (Ekzeme).

Die Hautärztin oder der Hautarzt kann die Haut mit der sogenannten Wood-Lampe untersuchen. Sie strahlt ultraviolettes Licht einer bestimmten Wellenlänge aus. Charakteristisch für die Weißfleckenkrankheit ist, dass die Vitiligo-Herde unter dem Wood-Licht weißlich-gelb aufleuchten.

Im Zweifel kann aus einem veränderten Hautareal eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden. Diese wird anschließend unter dem Mikroskop beurteilt. Im Fall der Vitiligo befindet sich kein braunes Hautpigment (Melanin) in den Zellen der Oberhaut, wie es normalerweise der Fall ist. Meist fehlen bei der Weißfleckenkrankheit die Pigmentzellen (Melanozyten) in den betroffenen Hautarealen vollständig. In manchen Fällen finden sich Ansammlungen bestimmter Zellen des Abwehrsystems in der Haut.

Vitiligo tritt manchmal zusammen mit Schilddrüsenerkrankungen auf. Um sie zu entdecken, kann die Untersuchung bestimmter Blutwerte ratsam sein - zum Beispiel die Bestimmung von TSH, Thyreoperoxidase- und Thyreoglobulin-Antikörpern.

Therapie

Der Verlauf der Weißfleckenkrankheit lässt sich kaum vorhersagen. In vielen Fällen schreiten die Hautveränderungen langsam weiter fort. Manchmal bleiben sie aber auch auf einen umschriebenen Bereich begrenzt. Ein großflächiger Verlust der Hautpigmentierung ist jedoch in der Regel nicht zu befürchten. Eher selten kehrt das Pigment in betroffenen Hautstellen von selbst zurück.

Vitiligo verursacht normalerweise keine weiteren gesundheitlichen Probleme. Mögliche Beeinträchtigungen kommen eher im Zusammenhang mit eventuellen Begleiterkrankungen wie Schilddrüsenstörungen vor. Theoretisch sind Menschen mit Vitiligo in ihrem täglichen Leben also nicht eingeschränkt. Allerdings können Betroffene die Hautveränderungen als ästhetisch störend empfinden. Wasser- und abriebfeste Abdeck-Cremes (Camouflage-Make-up mit Fixierpuder) oder Selbstbräuner helfen, die weißen Flecken zu kaschieren. Zur Auswahl und Anwendung passender Produkte berät zum Beispiel die Apotheke.

Im Alltag können Betroffene unter Umständen mit Vorurteilen in Ihrer Umgebung konfrontiert sein. Die teils auffälligen Flecken können Blicke provozieren. Der Austausch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel über Selbsthilfegruppen, ist oft hilfreich.

Manchen Betroffenen fällt es sehr schwer, mit der Krankheit umzugehen. Sie fühlen sich in ihrem Selbstwert und ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt. Ängste oder Depressionen sind mögliche Folgen. Eine psychologische Unterstützung kann dann helfen.

Sonnenschutz

Verschwindet das Hautpigment (Melanin), verliert die Haut an den betroffenen Stellen ihren natürlichen Schutz gegenüber UV-Strahlen. Im Gegensatz zur gesunden Haut bräunen sich die erkrankten Hautareale nicht, wenn sie der Sonne ausgesetzt waren. Nicht zuletzt deshalb ist es ratsam, auf einen ausreichenden Sonnenschutz zu achten – vor allem in den Sommermonaten bei starker Sonneneinstrahlung. Geeignet sind Cremes mit hohem UV-B-Lichtschutzfaktor und zusätzlich sehr gutem Schutz vor UV-A sowie schützende Kleidung. Längere Aufenthalte in der prallen Sonne sollte man vermeiden.

Ein guter Sonnenschutz ist grundsätzlich empfehlenswert, nicht nur bei Vitiligo.

Spezielle Therapiemöglichkeiten

Vitiligo ist nicht heilbar. Doch es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten. Sie können das Fortschreiten der Krankheit bremsen und an den weißen Hautstellen die Neubildung von Melanin fördern. Ob das gelingt und ob die neu gebildeten Pigmente dauerhaft erhalten bleiben, ist allerdings im Einzelfall nicht vorhersagbar. Wer eine Behandlung plant, sollte sich möglichst früh an seine ärztliche Praxis wenden.

Betroffene besprechen am besten ausführlich mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt, welche Behandlung im individuellen Fall am aussichtsreichsten erscheint, welche Vor- und Nachteile die Therapie haben kann und welche Kosten entstehen können. Mögliche Nebenwirkungen und Risiken müssen vor allem bei der Langzeitanwendung bestimmter Verfahren berücksichtigt werden.

Informationen im Netz bieten zum Beispiel

Deutscher Vitiligo-Bund e.V.

https://www.vitiligo-bund.de/

Deutscher Vitiligo Verein e.V.

https://www.vitiligo-verein.de/

Beschränken sich die Hautveränderungen auf wenige einzelne Stellen, kommt eventuell eine Therapie mit Kortison-Cremes (Kortikosteroiden) infrage. Sie werden meistens einige Monate lang auf die Hautstellen aufgetragen. Die Therapie kann allerdings unerwünschte Wirkungen haben, zum Beispiel zu einem Gewebeschwund in der Haut – einer Atrophie – führen. Eine mögliche Alternative sind sogenannte örtliche Calcineurin-Inhibitoren. Sie sind jedoch für die Therapie der Vitiligo nicht offiziell zugelassen. Mögliche Vor- und Nachteile müssen daher individuell mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten abgewogen werden. Weltweit laufen außerdem Studien mit sogenannten Januskinase-Inhibitoren (JAK-Inhibitoren). Forschende hoffen, dass sich diese Substanzen zum Beispiel als örtliche Therapiealternative bewähren. Bislang sind sie jedoch nicht für die Behandlung der Vitiligo zugelassen.

Wenn die Weißfleckenkrankheit zahlreiche Hautareale an ganz unterschiedlichen Körperstellen betrifft, kann eine kontrollierte Lichttherapie (Phototherapie) in der Hautarztpraxis sinnvoll sein. Dabei werden die erkrankten Hautstellen über mehrere Monate wiederholt mit UV-Licht bestimmter Wellenlänge bestrahlt. Meistens kommen sogenannte Schmalspektrum-UV-B-Strahlen zum Einsatz. Eventuell schlägt die Ärztin oder der Arzt auch die Kombination mit einer örtlichen Therapie vor.

Allerdings kehrt das Melanin-Pigment nur bei wenigen Patienten vollständig wieder. Fachleute sprechen bereits dann von einem "Ansprechen auf die Behandlung", wenn kleine Hautareale wieder eine Pigmentierung entwickeln. In diesen Fällen besteht aber weiterhin ein Farbunterschied zwischen noch erkrankter und benachbarter gesunder Haut. Ein Ansprechen auf die Phototherapie bedeutet also nicht automatisch, dass Betroffene mit dem Ergebnis zufrieden sind. Im ungünstigen Fall können die weißen Flecken sogar noch stärker auffallen als vor der Behandlung, weil die übrige Haut gebräunter ist.

Zu den neueren Phototherapien bei Vitiligo gehört die Behandlung mit einem sogenannten Excimer-Laser oder einer Excimer-Lampe. Sie eignet sich vor allem dann, wenn einzelne kleinere Hautareale betroffen sind. Hier werden nur die hellen Flecken gezielt mit Licht einheitlicher Wellenlänge bestrahlt.

In einigen auf Vitiligo-Therapie spezialisierten Zentren verpflanzen Ärztinnen oder Ärzte patienteneigene gesunde Haut auf die erkrankten Hautareale. Oder die Spezialisten setzen an den weißen Hautstellen Melanozyten aus normaler Haut des Patienten ein, die vorher im Reagenzglas gezüchtet wurden. Langzeit-Erfahrungen mit diesen Methoden stehen noch aus. Daher können sie ebenso wenig allgemein empfohlen werden wie das Bleichen der gesunden Haut.

Dr. med. Angela Unholzer

Dr. med. Angela Unholzer

Beratende Expertin

Dr. med. Angela Unholzer ist Hautfachärztin mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie. Ihre Facharztweiterbildung absolvierte sie an der Dermatologischen Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg. An der letztgenannten Klinik leitete sie von 2006 bis 2012 als Funktionsoberärztin die Lichtabteilung, die dermatologische Tagesklinik und die allgemeindermatologische Ambulanz. Anschließend war sie in einer Praxis in der Nähe von Augsburg tätig. Seit 2014 ist sie in einer eigenen Praxis in Donauwörth niedergelassen.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten


Quellen:

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