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Millionen von Menschen leiden hierzulande unter Heuschnupfen: Die Nase läuft, ständig muss man nießen, Augen und Rachen jucken. Auslöser der allergischen Rhinokonjunktivitis ist eine Überempfindlichkeitsreaktion auf die Pollen blühender Bäume, Sträucher und Gräser.

Gegen Heuschnupfen gibt es gut wirksame Medikamente in Form von Tabletten, Nasensprays und Augentropfen, die meisten sind rezeptfrei zu haben. Hilfreich ist auch, die individuellen Allergene soweit möglich zu meiden, etwa indem man zu Pollenflug-Stoßzeiten Urlaub am Meer oder im Hochgebirge macht, erst nach einem Regenguss zu Spaziergängen oder Sport im Freien aufbricht oder Wäsche dann nicht im Freien trocknet.

Eine weitere Maßnahme gegen die Beschwerden sind Nasenspülungen mit Salzwasser, etwa mit Hilfe einer Nasendusche. Die Idee dahinter: Das Wasser befeuchtet die Nasenschleimhaut und soll Allergene wie Pollen, aber auch Entzündungsbotenstoffe und Nasensekret herausspülen. Dies könnte auch den Selbstreinigungsmechanismus der Nasenschleimhaut anregen.

Viele Möglichkeiten zu spülen

Wie man seine Nase am besten von innen duscht, hat die Apotheken Umschau schon einmal hier zusammengefasst. Neben der klassischen Nasendusche, die auf größere Flüssigkeitsmengen setzt, gibt es noch alle möglichen Sprays, Tropfen, Spritzen und Pump- oder Quetschflaschen, um die Nase mit Salzlösung zu behandeln.

In Frage kommen dabei einerseits isotone Salzlösungen, deren Salzgehalt dem der menschlichen Zellen entspricht. Hypertone Lösungen haben dagegen einen höheren Salzgehalt, welcher der Nasenschleimhaut kurzfristig Wasser entzieht (der Vorgang nennt sich Osmose) und sie dadurch etwas abschwellen lässt. Allerdings kann dies auch mit einem unangenehmen Brennen verbunden sein.

Soweit, so plausibel. Aber ist der Effekt einer Nasendusche im Fall von Heuschnupfen auch wirklich nachgewiesen? Und wie groß ist er? Diese Frage beschäftigte das britische Autorenteam eines 2018 veröffentlichten Cochrane Reviews.

Was sagen die Studien?

Die systematische Suche nach relevanten Forschungsergebnissen erbrachte 14 Studien mit insgesamt aber nur 747 Teilnehmenden, die Mehrzahl davon Kinder. Die Studien waren recht unterschiedlich konzipiert, was die zusammenfassende Auswertung erschwerte. So wurden zum Spülen ganz verschiedene Flüssigkeitsmengen eingesetzt, von weniger als fünf Milliliter in Sprays bis zu mehr als 60 ml in Nasenduschen. Zudem wurden mal isotone, mal hypertone Lösungen untersucht. Gespült wurde ein- bis dreimal täglich.

Die Beschwerden wurden anhand von verschiedenen Symptom-Skalen erfasst, die beispielsweise die Schwere von Niesen, Verstopfung, Juckreiz und Naselaufen abfragen. Allerdings verwendeten die Studien unterschiedliche Symptom-Skalen, was die gemeinsame Auswertung weiter erschwerte.

Wie groß ist der Effekt?

Auf einer Skala von 0 bis 10 bewerteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Beschwerden nach Nasenspülungen um 2 bis 3 Punkte besser – also ein durchaus spürbarer Effekt. Diese Aussage beruht auf der gemeinsamen Auswertung von sieben kleinen Studien mit insgesamt 112 Erwachsenen und 332 Kindern, davon vier mit hypertoner Salzlösung. Obwohl mehr Daten für Kinder vorlagen, profitierten auch Erwachsene.

Viele Betroffene behandeln ihre Heuschnupfen-Beschwerden mit einem Cortison-Nasenspray (zum Beispiel Beclometason, Fluticason, Mometason) oder Heuschnupfen-Tabletten mit Antihistaminika (z.B. Cetirizin, Loratadin). Die Kombination von Nasenspülungen mit solchen Medikamenten ist weniger gut untersucht, so die Erkenntnisse des Cochrane-Teams.

Die vorliegenden Ergebnisse lassen jedoch vermuten, dass Nasenspülungen auch in Kombination mit Medikamenten eine zusätzliche Linderung der Beschwerden erreichen. Dabei ist wichtig zu wissen: Zuerst spülen, dann sprühen. Denn auf der gereinigten Schleimhaut kann der Wirkstoff des Medikamentes besser wirken und gelangt tiefer in die Nase.

Wie salzig soll es sein?

Ob eine hypertone Salzlösung bei Heuschnupfen besser ist als eine isotone, bleibt unklar: Das liegt unter anderem an der zu kleinen Datenbasis aus schwer zu vergleichenden Studien, welche völlig unterschiedliche Flüssigkeitsmengen und Anwendungsformen untersuchten. Es ergaben sich aber Hinweise, dass hypertone Lösungen möglicherweise etwas besser wirken.

Jedenfalls scheinen Nasenduschen bei Heuschnupfen gut verträglich zu sein: Unerwünschte Wirkungen traten selten auf und blieben zumeist auf ein leichtes und vorübergehendes Brennen oder Stechen in der Nase beschränkt, auch leichtes Nasenbluten kam vor.

Allerdings wurden solche Nebenwirkungen nicht in allen Studien angemessen erfasst. Und die Studien liefen über recht kurze Zeiträume beispielsweise vier Wochen. Es ist nicht auszuschließen, dass hypertone Lösungen die Nasenschleimhaut auf Dauer austrocknen.

Blindstudien ergäben bessere Ergebnisse

Die Aussagekraft der im Review zusammengefassten Studien hat einige bedenkenswerte Einschränkungen: So waren die Teilnehmenden nicht „verblindet“, sie wussten also Bescheid über die Art ihrer Behandlung.

Solch eine Verblindung, bei der weder Teilnehmende noch Ausführende einer Studie wissen, wer zum Beispiel eine Tablette mit Wirkstoff und wer nur eine Placebo-Tablette (Scheinbehandlung) schluckt, ist ein ganz wesentlicher Bestandteil eines guten Studiendesigns. Denn bei ihr gibt es keine Erwartungshaltung der Beteiligten an eine bestimmte Behandlung, die das Ergebnis letztlich verzerren kann.

In der Praxis aber kann man nicht immer verblinden – eine „Schein-Nasendusche“ zum Beispiel ist nicht durchführbar. So ist es also möglich, dass die Patienten in den Studien ihre Beschwerden positiver bewerteten, einfach nur, weil sie sich von der Nasendusche Linderung erhofften.

Dagegen hätte man die Wirksamkeit von hypertonen im Vergleich zu isotonen Salzlösungen durchaus verblindet untersuchen können, hier besteht aber im direkten Vergleich (isoton versus hyperton) noch Forschungsbedarf.

Studien schwer vergleichbar

Die Studien hatten leider noch ein weiteres Problem, weshalb wir uns über das Ausmaß der Wirksamkeit nicht sicher sein können: Durch die geringe Zahl der Teilnehmenden in den einzelnen Studien ist der wahre Wirkeffekt aus statistischen Gründen nur schwer einzugrenzen. Oft lässt sich dieses Problem in einem systematischen Review durch eine sogenannte Metaanalyse lösen, in der sämtliche Studiendaten gemeinsam statistisch analysiert werden. Dies war aber aufgrund der großen Unterschiede zwischen den Studien (s.o.) nur bedingt möglich.

Aus diesen Gründen schätzen die Autoren und Autorinnen des Reviews die Vertrauenswürdigkeit der Studienlage, Evidenz genannt, nach dem von Cochrane verwendeten GRADE-Bewertungssystem nur als niedrig ein. Auf gut Deutsch: Der tatsächliche Effekt der Nasenspülung könnte also deutlich von den Ergebnissen abweichen und weitere Studien das Ergebnis noch merklich verändern.

Fazit: Nach bestem Wissen…

… lässt sich deshalb festhalten: Die Spülung der Nase mit Salzlösung kann als unterstützende Maßnahme Heuschnupfen-Symptome lindern. Der Effekt sollte aus wissenschaftlicher Sicht aber noch besser belegt werden. Die Nasendusche ist gut verträglich, kann bei stärkerem Heuschnupfen aber wohl Medikamente nicht ersetzen, zumal sie andere Allergie-Beschwerden wie juckende Augen nicht verbessert.

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