Er prägt nicht nur den Geschmack von Früchten, sondern süßt auch Getränke und viele verarbeitete Lebens­mittel. Die Industrie verwendet Frucht­zucker gern, weil er billig ist und um etwa zwanzig Prozent süßer als Haushaltszucker.

Doch zu viel davon kann die Verdauung überfordern. Geschätzt jeder und jedem dritten Deutschen bereiten schon normale Mengen Beschwerden: Anzeichen einer Fruchtzuckerunverträglichkeit. Was bedeutet das? Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen und Antworten:

Zu viel Fruchtzucker kann Bauchschmerzen verursachen

„Das liegt nahe“, sagt Iris Flöhrmann. „Machen schon weniger als 25 Gramm Fruk­tose pro Mahlzeit Beschwerden, liegt eine Fruktosemalabsorption vor“, erklärt die Diplom-Ökotrophologin aus Lübeck. Diese Menge steckt etwa in 400 Milliliter Apfelsaft oder 350 Gramm Trauben. Spezielle Transporter-Proteine im Dünndarm schleusen den Fruchtzucker in die Blutbahn.

Mangelt es daran, gelangt die Fruktose in tiefere Darmabschnitte, zieht dort Wasser und verursacht Durchfälle. Dazu kommen Blähungen, denn im Dickdarm verstoffwechseln die dort angesiedelten Bakterien die Fruktose und bilden dabei Gase. „Die Patienten fühlen sich wie aufgetrieben, klagen über drückende Schmerzen“, weiß die Gastroenterologin Dr. Viola Andresen, Leiterin des Ernährungsteams am Israeli­tischen Krankenhaus in Hamburg.

Derlei Beschwerden eindeutig zuzuordnen ist aber schwierig. „Genauso gut kann ein Reizdarmsyndrom dahinterstecken“, sagt Andresen, „aber auch eine entzündliche Darmkrankheit.“ Oder es war schlicht zu viel Obst und der viele Fruchtzucker überfordert selbst den gesunden Darm. „Fruk­toseüberhang“ nennen Fachleute das.

Besonders in süßen Früchten ist viel Fruchtzucker enthalten.

Besonders in süßen Früchten ist viel Fruchtzucker enthalten.

Wie kann ich sicher wissen, ob ich eine Fruktosemalabsorption habe?

Wer es genau wissen will, kommt um ein Essprotokoll nicht herum. Darin wird mehrere Tage lang jede Mahlzeit erfasst, jedes Glas Saft, jedes Kaugummi, mit Uhrzeit. Außerdem ob und warum es einem nicht gut ging. Dieses Ernährungs- und Beschwerdetagebuch liefert der Hausärztin oder dem Hausarzt wertvolle Hinweise. Oft wird eine Ernährungsfachkraft hinzugezogen.

Iris Flöhrmann erfasst mögliche Ursachen für die Probleme schnell. Steht Fruchtzucker als Übeltäter im Verdacht, schickt sie Ratsuchende in die Gastroenterologie. Ein Atemtest kann die Unverträglichkeit sicher feststellen: Die Testperson trinkt 25 Gramm in Wasser gelöste Fruktose. Landet diese unverdaut im Dickdarm, wird sie von Bakterien fermentiert.

Der gebildete Wasserstoff lässt sich in der Atemluft messen. „Aber der Test ist nicht standardisiert“, kritisiert Viola Andresen. „Manche Praxen testen mit 50 Gramm Fruktose. Das führt oft zu falsch positiven Ergebnissen.“ Diese Menge schafft selbst ein gesunder Darm nicht. Fragen Sie, mit welcher Menge getestet wird. Und klären Sie die Kostenübernahme vorab mit Praxis oder Krankenkasse.

Ist bei der Fruktoseunverträglichkeit alles, was Fruchtzucker enthält, tabu?

„Nein“, sagt Iris Flöhrmann. „Fruchtzucker völlig zu meiden ist nicht nötig. Das ist der Unterschied zu einer Nahrungsmittelallergie.“ Wie viel und in welcher Form Fruk­tose verträglich ist, muss jede und jeder für sich testen. Dafür wird für maximal zwei Wochen so weit wie möglich auf Fruktose verzichtet. Idealerweise verschwinden in dieser Phase die Symptome.

Nun setzt man nach und nach wieder Lebensmittel mit Fruktose auf den Speiseplan, um die individuellen Grenzen für die Dauerernährung auszuloten. Hilfreich ist dabei die Begleitung durch eine Ernährungsfachkraft. Damit die Krankenkasse die Kosten ganz oder teilweise übernimmt, ist eine ärztliche Not­wendigkeitsbescheini­gung erforderlich.

Flöhrmann kennt die Vorlieben ihrer Klientinnen und Klienten. Ihr Ziel: So wenig Verbote wie möglich. Absoluter Verzicht ist sowieso nicht angesagt. Denn ganz ohne den Reiz der Fruktose stellt der Körper auch keine Transporter mehr bereit, das Problem verschärft sich.

Fruchtzucker ist etwa zwanzig Prozent süßer als gewöhnlicher Haushaltszucker.

Fruchtzucker ist etwa zwanzig Prozent süßer als gewöhnlicher Haushaltszucker.

Obst weglassen, reicht das?

So einfach ist es nicht. In Obst kommt neben Frucht­zucker (Fruktose) auch Traubenzucker (Glukose) vor. Fruchtzuckerreiche Sorten wie Birne oder Wassermelone machen Probleme. Dagegen werden Bananen, Honigmelone und Beeren oft vertragen. Bei diesen Sorten überwiegt die Glukose, die die Aufnahme von Fruktose im Darm erleichtert und das Problem mindert.

Aus Säften gelangt besonders viel Fruchtzucker in sehr kurzer Zeit in den Darm. Frisches Obst mit Quark oder als Dessert geht gut, denn Eiweiß und Fett verlängern die Transitzeit. „Das größere Problem sind die Zusätze von isolierter Fruktose in verarbeiteten Lebensmitteln, etwa in Form von Fruktosesirup“, sagt Iris Flöhrmann. Fruktose wird gerne in Speisen verwendet, sie löst sich gut in Saftschorlen oder Sportgetränken auf. Vorsicht vor den Süßungs- und Feuchthaltemitteln Sorbit, Mannit, Xylit, Maltit und Isomalt, sie können die Symptome verstärken. Sorbit ist auch in Arzneimitteln wie Hustensaft enthalten – fragen Sie in der Apotheke nach einer sorbitfreien Alternative.

Worauf muss ich beim Einkaufen achten?

Die Kennzeichnung „fruktosearm“ gibt es bisher nicht. Aber gut zu wissen: Je weiter oben auf der Zutatenliste die Fruktose steht, desto mehr davon ist enthalten. Fruchtzucker steckt auch hinter Begriffen wie „Fruktosesirup“, „Fruktose-Glukose- sirup“ und „Glukose-Fruktosesirup“. Und Zuckerreiches enthält immer auch viel Fruktose, da Haushaltszucker zur Hälfte daraus besteht.

Ist es nicht grundsätzlich gesünder, möglichst wenig Fruchtzucker zu essen?

Ist es! Fruchtzucker, das klingt nach einem natürlichen, gesunden Zucker. Weil er den Blutzucker deutlich weniger und langsamer erhöht als Haushaltszucker, galt er lange als gute Alternative für Diabetikerinnen und Diabetiker. Doch heute weiß man es besser: Tatsächlich ist Fruktose ein besonders ungesunder Zucker. „Er spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Übergewicht, einer Fettleber sowie von Arteriosklerose“, weiß Viola Andresen, „und zu viel davon kann Gicht begünstigen.“ Daher profitieren alle Menschen davon, wenig Fruktose zu essen. Kleine Mengen sind aber okay. „Ganz weglassen kann man Fruktose auch gar nicht“, sagt Iris Flöhrmann, „er kommt ja sogar in Gemüse vor.“

Gibt es Medikamente gegen eine Fruktosemalabsorption?

Die Unverträglichkeit ist mit keinem Arzneimittel heilbar. Aber es gibt Medizinprodukte mit dem Enzym Xylose-Isomerase. Dieses unterstützt im Dünndarm die Umwandlung von Fruktose in Glukose, die leicht ins Blut aufgenommen wird, und kann so die Beschwerden lindern. Wie gut dieser Ersatz wirkt, lässt sich aber derzeit nicht sicher sagen. Der wichtigste Ansatzpunkt bleibt daher das angepasste Essen. Das Enzym kann im Restaurant hilfreich sein, wenn man das Essen nicht selbst steuern kann.

Schematische Darstellung vom Darm

Was ist die Zöliakie?

Bei einer Zöliakie besteht eine lebenslange Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten. Welche Symptome auftreten können, wie die Ernährung aussehen sollte.

Frau fühlt sich unwohl im Bauch

Laktoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit)

Bei Laktoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit) führt der Verzehr laktosehaltiger Nahrungsmittel zu individuell unterschiedlich starken Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall


Quellen: