Spinalkanalstenose: Therapie

Um die Symptome einer Spinalkanalstenose zu lindern, kommen konservative Therapien zum Einsatz. In manchen Fällen ist eine Operation zu erwägen

aktualisiert am 30.12.2015

Hauptaugenmerk der Behandlung der Spinalkanalstenose liegt darauf, die Wirbelsäule zu entlasten. Krankengymnastische Übungen, Wärmebehandlungen sowie Massagen bessern die Beschwerden in vielen Fällen. Zusätzlich lindern schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente die Schmerzen. Grundsätzlich gilt es Haltungen, bei denen die Lendenwirbelsäule ins Hohlkreuz gebogen wird, zu vermeiden. In sehr schwerwiegenden Fällen ist eine Operation der Spinalkanalstenose erforderlich.

Eine konservative Therapie kann die Symptome lindern. Meist beginnt die Behandlung damit. Es werden medikamentöse, krankengymnastische und physikalische Therapiemaßnahmen kombiniert (multimodales Therapiekonzept).

Die medikamentöse Schmerztherapie orientiert sich an den Grundsätzen des 3-Stufenschemas der Weltgesundheitsorganisation:

  • Bei leichten Schmerzen (Stufe 1) kommen Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz.
  • Bei mittelstarken Schmerzen (Stufe 2) verordnet der Arzt schwächere Opioide, die mit Schmerzmitteln der Stufe 1 kombiniert werden können.
  • Bei starken Schmerzen (Stufe 3) hilft eine Behandlung mit starken Opioiden.

Viele Schmerzmittel können besonders bei langfristiger Therapie die Magenschleimhaut angreifen. Zum Magenschutz verschreibt der Arzt dann ein Medikament, das die Produktion von Magensäure hemmt (Protonenpumpenhemmer).

Tabletten auf der Hand mit Wasserglas

Manche Wirkstoffe können chronische Schmerzen günstig beeinflussen, auch wenn sie keine Schmerzmittel im eigentlichen Sinne sind. Dazu zählen bestimmte Antidepressiva, die in geringer Dosis eingesetzt, die schmerzhemmende Wirkung der Analgetika (Schmerzmittel) unterstützen können.

Auch muskelentspannende Mittel (Muskelrelaxantien) können in Einzelfällen die Beschwerden bessern.

Bei sehr starken Schmerzen kann eine kurzfristige hochdosierte Kortisontherapie für etwas mehr Platz im verengten Wirbelkanal sorgen, indem sie entzündete Weichteile zum Abschwellen bringt.

Da jedes Medikament ein unterschiedliches Spektrum von Neben- und Wechselwirkungen aufweist, spielen bei der Auswahl der für den Patienten am besten geeigneten Medikamente etwaige Begleiterkrankungen eine große Rolle.

Ist eine Nervenwurzel stark entzündet, so dass die Schmerzen im Versorgungsgebiet des Nerven ausstrahlen, kommen Injektionen (Spritzen) in die Umgebung der Nervenwurzel infrage. Dabei wird ein örtlich wirksames Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) verabreicht, häufig kombiniert mit einem Kortisonpräparat. Geht der Schmerz vornehmlich von den kleinen Wirbelgelenken (Facettengelenken) aus, kann der Arzt die Wirkstoffe auch in diesem Bereich spritzen.

Stufenlagerung

Die physiotherapeutische Behandlung soll die Lendenwirbelsäule entlasten und stabilisieren. Dazu gehört beispielsweise die Ruhigstellung der Wirbelsäule durch eine entlastende Stufenlagerung, zum Beispiel die Entlastungslagerung durch Aufhängung im Schlingentisch. Bei leichteren Beschwerden verschafft oft schon eine einfache Rückenlage Linderung. Dabei liegen die Waden der angewinkelten Beine auf einem Weichkissen (siehe Foto links). Die natürliche leichte Hohlkreuzbiegung der Lendenwirbelsäule wird dadurch abgeflacht, wodurch der Druck auf Nerven und Gefäße nachlässt.

Nach dem gleich Prinzip entlasten auch Orthesen. Dabei handelt es sich um eine Art Korsett, das unter der normalen Kleidung getragen wird. Die Orthese korrigiert und stabilisiert die Haltung der Wirbelsäule, indem sie eine zu starke Hohlkreuzposition (Lordose) verhindert.

Zu diesen passiven Verfahren kommt ein aktives Trainingsprogramm zur allgemeinen Kräftigung der Rumpfmuskulatur. Zusätzlich gibt es spezielle Übungen, die insbesondere die Bauchmuskulatur kräftigen und so vor zu starker Hohlkreuzbildung schützen.

Die physikalische Therapie soll Muskelverspannungen lösen. Dazu zählen wärmende Bestrahlungen, Fangopackungen und Wannen-, Moor- und Thermalbäder sowie die Elektrotherapie (Interferenzstrom, Stangerbad, TENS-Therapie).

Operation bei Spinalkanalstenose

Die Spinalkanalstenose ist Folge von chronisch fortschreitenden degenerativen Wirbelsäulenveränderungen. Deshalb kann eine konservative Behandlung nicht immer zu einer ausreichenden und anhaltenden Linderung der Symptome führen.

Bei über Monate anhaltenden oder zunehmenden starken Schmerzen muss daher immer auch eine operative Erweiterung des Spinalkanals in Erwägung gezogen werden. Dies gilt umso mehr, wenn dauerhafte Nervenschäden drohen. Bei unerträglich starken Schmerzen oder bei hochgradiger Einengung des Spinalkanals mit drohenden schweren Nervenschäden kann auch eine sofortige Operation angezeigt sein. Anhaltende Besserung verspricht eine Operation nur dann, wenn die Symptome und die Befunde der bildgebenden Diagnostik stimmig zueinanderpassen.

Die Operation der Spinalkanalstenose birgt allerdings auch Risiken. Vor einer Operation sollten daher gründlich die Vorteile und Risiken des Eingriffs gemeinsam mit den Ärzten abgewogen werden. Zu berücksichtigen dabei sind das Lebensalter und die Lebenserwartung des Patienten, die allgemeine gesundheitliche Verfassung, mögliche Begleiterkrankungen, das Ausmaß der Schmerzen und der schon bestehenden oder drohenden Nervenschäden, mögliche Komplikationen einer Operation aber auch die Risiken einer jahrelangen medikamentösen Therapie.

Operation

Die Operation einer Wirbelkanalstenose ist ein technisch anspruchsvoller Eingriff, der speziellen Zentren und erfahrenen Operateuren vorbehalten sein sollte. Dabei stehen unterschiedliche Operationstechniken zur Verfügung, die abhängig von Ausmaß und Ursache der Spinalkanalstenose eingesetzt werden. Das Prinzip der Operation besteht darin, die Stelle zu entlasten ("dekomprimieren"), an der das Rückenmark zusammengedrückt wird.

  • Bei der Dekompressionslaminektomie entfernt der Operateur die Teile des Wirbels (Wirbelbögen, Dornfortsätze, Facettengelenk) und des Zwischenwirbelbandes (ligamentum flavum), eventuell auch der Bandscheibe, die an der Wirbelkanalverengung beteiligt sind.
  • Bei der Fensterungstechnik bleibt der mittlere Teil des Wirbelbogens samt Dornfortsatz stehen und es werden nur Teile des Zwischenwirbelbandes und des Facettengelenks entfernt.

Die Eingriffe werden heute vielfach minimal-invasiv (Operation durch ein kleines Fenster in der Haut) oder als mikrochirurgischer Eingriff angeboten (sehr kleiner Zugang, der Operateur arbeitet mit einem Operationsmikroskop). Wenn zusätzlich eine Instabilität besteht oder durch die Entfernung von Wirbelanteilen droht, muss vielfach durch eine Versteifungsoperation die Stabilität wiederhergestellt werden.