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Keine Angst vor Kortison

Kortikoide haben einen schlechten Ruf. Bei sorgfältiger und kurzfristiger Anwendung sind sie in aller Regel aber sicher

von Christian Krumm, aktualisiert am 25.07.2019
Kortison

Kurzfristig angewendet wirkt Kortison hervorragend. Längerfristig gibt es aber heutzutage oft schonendere Lösungen


Schon allein der Begriff Kortison lässt bei vielen Menschen die Alarmglocken schrillen. Patienten verbinden das Medikament mit Nebenwirkungen wie etwa Gewichtszunahme, dünner Haut, Diabetes, Akne, Knochenbrüchen oder Infektanfälligkeit.

Glukokortikoide, wie viele Kortison-Abwandlungen im Fachjargon heißen, basieren auf dem Hormon Cortisol, das der Körper selbst in der Nebennierenrinde produziert. Im Organismus übernimmt es zahlreiche wichtige Aufgaben, zum Beispiel im Zucker- und Knochenstoffwechsel oder bei Immunantworten.

Kurzfristig unproblematisch

"Bei kurzfristiger Anwendung ist Kortison ein hervorragender Wirkstoff, der sehr schnell Entzündungen reduziert und Schmerzen lindern kann", sagt Professorin Heide Siggelkow, Endokrinologin aus Göttingen.

Problematisch sei das Medikament nur dann, wenn es langfristig und höher dosiert angewendet werde. Das ist heute immer seltener erforderlich, weil viele Therapien auf verträglichere und modernere Medikamente umgestellt werden können.

Jens Steege

Kortison kommt dann meist nur noch kurzzeitig oder als Notfallmedikament zum Einsatz. "Wenn eine längere und höher dosierte Therapie mit Tabletten nötig ist, steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen deutlich an", sagt Apotheker Dr. Jens Steege aus Karlsruhe.

Dann muss der Arzt meist zusätzliche Medikamente verordnen, um Nebenwirkungen zu vermeiden oder in den Griff zu bekommen. Zum Beispiel bei Menschen mit Diabetes, denn Kortison erhöht den Blutzuckerspiegel. Manchmal sind auch verträglichere Darreichungsformen verfügbar – wie zum Beispiel Rektalschäume oder Klistiere bei chronisch-entzündlichen Darm­­erkrankungen.

Lebensretter

Lässt sich die orale Therapie nicht vermeiden, rät Apotheker Steege, Kortison-Tabletten frühmorgens ein­zunehmen – am besten zwischen 6 und 8 Uhr. Dann schüttet auch der Körper die maximale Menge an Cortisol aus. So lasse sich am besten vermeiden, dass der Organismus aufgrund der Zufuhr von außen die eigene Produktion herunterregelt.

Am Ende einer längeren oder hoch dosierten Therapie ­muss die Dosis nach ärztlichen Vorgaben schrittweise verringert werden, ehe das Medikament abgesetzt wird. Wenn Gegenanzeigen beachtet werden, seien vor allem bei der kurzfristigen Anwendung moderner Glukokortikoide aber keine schweren Nebenwirkungen zu erwarten, entwarnt der Apotheker.

Im Gegenteil: Die Medikamente gelten in der Medizin nach wie vor als unverzichtbar, da sie die Lebensqualität beträchtlich steigern und sogar Leben retten können.

Kortison als Creme

Wenn bei Ekzemen lästiger Juckreiz quält, gelten Cremes mit Glukokortikoiden als erste Wahl bei der Behandlung. Manche sind rezeptfrei erhältlich, wenn sie nicht mehr als 0,5 Prozent des Wirkstoffs Hydrocortison enthalten.

"Sie bieten sich beispielsweise auch zur Behandlung von leichtem Sonnenbrand oder nicht infizierten Mücken­stichen an", sagt Apotheker Steege. Er empfiehlt, die Cremes nur kurzzeitig auf kleinen Hautflächen anzuwenden. Anschließend gilt: Hände waschen, damit das Kortison nicht unbeabsichtigt von den Fingern in die Augen oder auf die Schleimhäute gelangt.

Reicht die Wirkung einer Kortikoid-Creme nicht aus, um den ganzen Tag beschwerdefrei zu überstehen, kann ein Trick helfen: Wenden Sie zwischendurch eine passende wirkstofffreie Basiscreme aus der Apotheke an. Sie löst und aktiviert Wirkstoffreste der Salbe, die sich in der oberen Hautschicht eingelagert haben.

Bei manchen Hautproblemen wie Akne und Rosazea sowie bei infektiösen Erkrankungen muss man ganz auf Glukokortikoid-Cremes verzichten. Wer sich nicht sicher ist, sollte sich in der Apotheke beraten lassen oder den Arzt aufsuchen.

Erst sprühen, dann spülen

Menschen mit Asthma oder anderen Lungenerkrankungen, die Kortisonsprays zum Einatmen verwenden, rät der Apotheker: "Nach jeder Anwendung den Mund auszuspülen."

Reste des Arzneistoffs in der Mundhöhle stören die Abwehrkräfte auf den Schleimhäuten. Pilzinfektionen wie Mundsoor könnten sich leichter entwickeln.