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MERS: Ein Virus unter Beobachtung

In Südkorea haben sich mehr als hundert Menschen mit dem MERS-Virus infiziert, das eine gefährliche Lungenentzündung auslösen kann. Was Experten über die Krankheit wissen

von Dr. Dagmar Schneck / Dr. Irmela Manus, aktualisiert am 16.06.2015

Ende Mai 2015 meldete Südkorea erstmals einen Patienten mit MERS, dem "Middle East Respiratory Syndrome". Der 68-jährige Mann hatte zuvor die arabische Halbinsel bereist, wo 2012 der weltweite erste Fall der Virusinfektion beschrieben wurde. Etliche Menschen im Umfeld des 68-Jährigen steckten sich an. Mittlerweile zählen die Behörden Südkoreas mehr als hundert Infizierte, 18 Menschen starben (Quelle: WHO, Stand 16.06.2015). Einer der Infizierten reiste weiter nach China, bevor seine MERS-Infektion erkannt wurde. Er wird isoliert (Stand 10. Juni 2015).

Quarantäne- und andere Kontrollmaßnahmen sollen helfen, den aktuellen Krankheitsausbruch in Asien einzudämmen. In einem internationalen Netzwerk aus verschiedenen Gesundheitsorganisationen dokumentieren Spezialisten alle Erkrankungsfälle, um die Gefährdung abzuschätzen, gemeinsame Schritte gegen eine weitere Ausbreitung zu unternehmen und Erkenntnisse über den Erfolg von Therapiemaßnahmen auszutauschen.

Welche Symptome sind typisch für MERS?

MERS beginnt schlagartig – so ähnlich wie eine Grippe. Betroffene leiden meist an Fieber und Husten. Verläuft die Krankheit schwer, entwickelt sich eine Lungenentzündung, die mit einem "akuten Atemnotsyndrom" einhergehen kann. Dabei kommt es innerhalb kurzer Zeit zu massiven Atemproblemen. Oft haben die Erkrankten auch Durchfall. Die Nieren und andere Organe können versagen.

Etwa die Hälfte der bisher dokumentierten Erkrankungen verlief tödlich. Schwere Verläufe betrafen vor allem Menschen mit chronischen Vorerkrankungen, zum Beispiel einer Zuckerkrankheit (Diabetes), einem Tumorleiden oder einem geschwächten Immunsystem.

Wie lange ist die Inkubationszeit?

In der Regel dauert es nach der Infektion mit dem Erreger ein bis zwei Wochen bis erste Symptome auftreten.

Wie erfolgt die Übertragung des MERS-Virus?

Auf welchen Wegen und mit welchem Risiko das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird, ist noch nicht ausreichend erforscht. Um sich anzustecken scheint nach derzeitigem Wissen aber ein relativ enger Kontakt erforderlich zu sein. Beschrieben wurden zum Beispiel Infektionen unter medizinischem Personal, das Kranke versorgte. Es scheint daher besonders wichtig, dass Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen die geltenden Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung beachten.

Woher kommt das MERS-Virus?

Im Jahr 2012 trat in Saudi-Arabien der erste Fall der neuartigen schweren Atemwegsinfektion auf. Als Erreger identifizierten Spezialisten ein bestimmtes Corona-Virus. Es erhielt den komplizierten Namen "Middle East Respiratory Syndrome Corona-Virus" (abgekürzt: MERS-CoV). Übersetzt bedeutet das in etwa: "Mittlerer Osten Atemwegs-Syndrom-Virus". Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Virus von Dromedaren auf Menschen übergehen kann. Doch auch hier besteht noch Forschungsbedarf.

Weltweit erkrankten bislang über tausend Menschen, die meisten davon in Saudi-Arabien und anderen Ländern auf oder nahe der arabischen Halbinsel. In Europa gab es bis jetzt nur wenige Fälle. Sie gelten als importierte Fälle: Betroffen waren ausschließlich Reisende aus der Region der arabischen Halbinsel oder ihre Kontaktpersonen.

Bei einer Lungenspiegelung gewinnt der Arzt Spülflüssigkeit aus den Bronchien. Sie kann auf MERS-CoV untersucht werden

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der Arzt wird den Patienten zu seinen Symptomen und vorangehenden Reisen befragen und ihn körperlich untersuchen. Eventuell kommen zusätzliche Diagnoseverfahren zum Einsatz – zum Beispiel eine Röntgenuntersuchung der Lunge.

Bestätigen lässt sich die Diagnose durch den laborchemischen Nachweis entweder des Virus selbst – idealerweise in Proben aus den unteren Atemwegen, zum Beispiel Sekret aus Luftröhre oder Spülflüssigkeit aus den Bronchien. Oder es finden sich Antikörper im Blut gegen das MERS-CoV.

Wie sieht die Behandlung bei MERS aus?

Es gibt keine spezifische Therapie bei einer MERS-CoV-Infektion. Ärzte können lediglich die Symptome behandeln, zum Beispiel Sauerstoff geben und die Atmung unterstützen, teilweise bis hin zu maschineller Beatmung.

Auch existiert bislang keine spezifische Behandlung mit Medikamenten, etwa gegen die Viren (Virostatika).

Auswärtiges Amt gibt Reisehinweise zu MERS-CoV

Wer Reisen nach Saudi-Arabien und andere Länder der arabischen Halbinsel plant, kann sich auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes über medizinische Risiken im Ausland informieren. Eine allgemeine Reisewarnung besteht nicht. Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten jedoch mit ihrem Arzt klären, ob aus medizinischer Sicht von einer Reise in potienzell betroffene Regionen abzuraten ist. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt Urlaubern mit Diabetes oder anderen Vorerkrankungen, den Kontakt zu Dromedaren und Kamelen zu meiden und keine rohen oder unvollständig erhitzten Kamelprodukte zu verzehren. Zudem sollten Reisende allgemeine Hygieneregeln einhalten, also zum Beispiel häufig Hände waschen.

Beratender Experte: Prof. Dr. med. Gérard Krause, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

Beratender Experte: Professor Dr. med. Gérard Krause

Professor Krause ist Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, Leiter der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig (HZI), Professor für Infektionsepidemiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Mitglied im deutschen Zentrum für Infektionsforschung. Als Leiter eines internationalen Forschungskonsortiums entwickelt er derzeit SORMAS, einem System welches mit Hilfe von Apps und Mobiltelefonen die Überwachung, Eindämmung und Analyse von Epidemien unterstützt.

Quellen:

1. Information des RKI zu Erkrankungsfällen durch das MERS-Coronavirus. Online: http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/M/MERS_Coronavirus/MERS-CoV.html (Abgerufen am 10.06.2015)

 

2. Informationen der WHO zu MERS-CoV. Online: http://www.who.int/csr/disease/coronavirus_infections/en/ (Abgerufen am 10.06.15)

 

3. Middle East respiratory syndrome coronavirus, Joint Kingdom of Saudi Arabia/WHO mission. Online: www.who.int/csr/disease/coronavirus_infection/ MERSCov_WHO_KSA_Mission_Jun13u.pdf (Abgerufen am 17.09.2013)

 

4. Center for Desease Control and Prevention: Middle East Respiratory Syndrome (MERS) Online: www.cdc.gov/coronavirus/mers (Abgerufen am 21.09.2013)

 

5. Informationen des Auswärtigen Amtes zum MERS-Coronavirus. Online: www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/654572/publicationFile/183976/MERS_CoV.pdf (Abgerufen am 10.06.2015)

 

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