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Lyme-Borreliose: So wird die Krankheit festgestellt

Die typischen Symptome und Laboruntersuchungen weisen den Weg zur Diagnose

von Dr. med. Nina Buschek, aktualisiert am 21.03.2019

Im Gespräch erkundigt sich der Arzt vor allem nach den genauen Beschwerden und nach Zeckenstichen in der Vergangenheit. Oft ergibt sich daraus bereits der Verdacht auf Lyme-Borreliose. Viele Patienten erinnern sich jedoch nicht an einen Zeckenstich. Er kann auch übersehen worden sein. Manche Symptome passen ebenso zu anderen Krankheiten. In diesen Fällen liefern die körperliche Untersuchung sowie gegebenenfalls Blut- und Nervenwasseruntersuchungen weitere Hinweise. Anhand der typischen Symptome in Verbindung mit Laborbefunden lässt sich die Lyme-Borreliose in den meisten Fällen zweifelsfrei feststellen.

Blickdiagnose Borreliose: die typische Wanderröte

Blickdiagnose "Wanderröte"

Charakteristisches, aber nicht immer vorhandenes Frühsymptom der Borreliose ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Ist sie eindeutig zu erkennen, reicht das, um sofort die antibiotische Therapie zu beginnen.

Blutuntersuchung (Antikörpernachweis)

Wenn die klassische Wanderröte fehlt, andere Beschwerden jedoch auf eine Borreliose hindeuten, gibt eine Blutuntersuchung Aufschluss. Im Blut zeigen sich meist spezifische Antikörper gegen Borrelien.

Im Verlauf einer Infektion mit Borrelien bildet die körpereigene Abwehr Antikörper (Immunglobuline) gegen den Erreger. Ab der dritten Erkrankungswoche sind im Blut frühe Antikörper (IgM-Antikörper) nachweisbar und ab der sechsten Krankheitswoche späte Antikörper (IgG-Antikörper). Die Konstellation der frühen und späten Antikörper zeigt dem Arzt, ob die Symptome mit einer Borrelien-Infektion zusammenhängen können oder ob eine andere Ursache wahrscheinlich ist.

Der Antikörpertest ist nur in Zusammenschau mit den Beschwerden aussagekräftig. Denn Antikörper im Blut beweisen noch keine Borreliose. Sie zeigen lediglich, dass der Körper irgendwann Kontakt mit Borrelien hatte und dass das Immunsystem auf die Bakterien reagiert hat. So tragen etliche Menschen Borrelien-Antikörper im Blut, die nie Krankheitszeichen hatten oder die eine ausgeheilte Infektion hinter sich haben. Umgekehrt schließt das Fehlen von spezifischen Antikörpern eine Lyme-Borreliose nicht sicher aus. Letzteres gilt vor allem für die frühe Phase der Krankheit. Bei einer frisch aufgetretenen Wanderröte wenige Tage nach dem Zeckenstich wird der Antikörpertest negativ ausfallen, da sich die Antikörper-produzierenden Zellen noch nicht genügend entwickeln konnten. Fehlen die Antikörper dagegen nach längerer Krankheit und ist das Immunsystem ansonsten intakt, kann man eine Borreliose mit großer Sicherheit ausschließen.

Untersuchung des Nervenwassers (Liquor cerebrospinalis)

Deuten Beschwerden wie Kopfschmerzen, Nervenschmerzen, Gefühlstörungen oder Lähmungen auf einen Befall des Nervensystems hin, liefert die Untersuchung des Nervenwassers wichtige Informationen. Das Nervenwasser, in der Fachsprache Liquor cerebrospinalis, wird durch einen kleinen Einstich in den Rückenmarkskanal (eine Lumbalpunktion) gewonnen. Bei Neuroborreliose finden sich zuverlässig Zeichen von Entzündungs- und Abwehrreaktion gegen Borrelien im Liquor.

Direktnachweis von Borrelien

In Ausnahmefällen, wenn die Borreliose anders nicht eindeutig zu erkennen ist, kann es sinnvoll sein, den Erreger im Körper direkt nachzuweisen. Dazu wird aus der Haut, dem Gehirnwasser (Liquor cerebrospinalis) oder dem betroffenen Gelenk eine Gewebeprobe bzw. Flüssigkeit entnommen und auf Teile der Borrelien-Erbsubstanz untersucht (molekularbiologischer Direktnachweis, Borrelien-PCR). Alternativ kann man die Probe auch im Labor bebrüten und beobachten, ob Borrelien wachsen (Direktnachweis mittels Kultur). Der Direktnachweis ist zeit- und arbeitsaufwändig und sollte nur in darauf spezialisierten Expertenlaboren durchgeführt werden.

Derzeit nicht empfohlene Borreliose-Tests

Manche Ärzte, Labore oder Firmen bieten weitere Tests an, die eine Borreliose absichern sollen. Nicht immer ist deren Nutzen ausreichend belegt. Auch werden die Untersuchungen in der Regel nicht von den Krankenkassen bezahlt. Vom sogenannten Lymphozytentransformationstest (LTT) zum Nachweis der zellulären Immunantwort beispielsweise raten die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ab. Eingesandte Zecken auf Borrelien-Erbsubstanz zu überprüfen hilft bei der Diagnose ebenfalls nicht unbedingt weiter. Denn dass in einer Zecke Erreger enthalten sind, heißt noch nicht, dass eine Infektion stattgefunden haben muss.