Geschwollene Beine und Füße – Ursachen: Lympherkrankungen

Typisch für Lymphödeme sind anfangs Schwellungen an einem Fuß, auch an den Zehen. Später kann das ganze Bein dick werden
von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 08.11.2016

Eine Lymphdrainage kann bei Lymphstörungen der Entstauung dienen

Fotolia/Kzenon

Lymphstörungen: Wenn der ganze Fuß anschwillt

Im Gegensatz zu Phlebödemen, Schwellungen durch Venenleiden, werden bei einem Lymphödem neben den Knöcheln der ganze Fuß und die Zehen dick. Eine zunächst weiche Schwellung der Zehen in quadratischer Form mit tiefen Querfalten ist besonders typisch (Kastenzehen). Sie ist häufig einseitig, kann aber auch an beiden Beinen auftreten.

  • Lymphödem

Ist der Abfluss über die Lymphe behindert, sammelt sich Flüssigkeit zwischen den Zellen. Die Störung kann angeboren sein (primäres Lymphödem) und in der Kindheit, Pubertät oder bis zu 35. Lebensjahr auftreten, in der Mehrzahl bei Frauen. Aber auch Operationen, Krebserkrankungen und -behandlungen, Bestrahlungen, Infektionen sowie Venenerkrankungen können zu Schäden in den Lymphbahnen führen. Sind Nerven geschädigt, zum Beispiel durch einen Schlaganfall, ist mitunter der Lymphabfluss behindert. Ebenso kann ein Tumor für ein Lymphödem am Bein verantwortlich sein. Eine weltweit verbreitete Ursache ist eine Infektion mit Fadenwürmern, Filarien.

Symptome: Die Erkrankung durchläuft typischerweise vier Stadien, von null bis drei. Symptome zeigen sich häufig erst in Stadium eins. Die anfangs weichen Schwellungen an Fuß und Zehen gehen zunächst noch mit Hochlegen der Beine zurück. Die Schwellung wird in weiteren Stadien zunehmend derb, bei Druck bleiben keine Dellen, die Haut ist rau, aber nicht verfärbt. Es bilden sich Bindegewebswucherungen (Fibrose). Auch bei Hochlagerung verändert sich die Schwellung nicht mehr. Ohne Behandlung verhärtet die Schwellung schließlich (Elephantiasis), das Bein wird unförmig, die Haut ist grob aufgetrieben.

Schematische Darstellung von Lymphbahnen und Lymphknoten (ein Klick auf die Lupe zeigt die ganze Grafik)

W&B/Jörg Neisel
  • Erysipel

Eine infektiöse Erkrankung, die sich über das Lymphsystem ausbreitet, ist die Wundrose, medizinisch Erysipel genannt. Die Erreger, meist eine Streptokokkenart, können über Hautverletzungen ins Gewebe eindringen. Unter anderem begünstigen Lymphödeme, chronische Venenschwäche und Hauterkrankungen diese Hautentzündung. Die Erreger können unter Umständen auch in die Blutbahn gelangen und dort eine Blutvergiftung auslösen.

Symptome: Am Bein ist oft der Unterschenkel betroffen. Es zeigen sich schmerzhafte, gerötete, überwärmte Schwellungen um den erkrankten Bereich, die sich in kurzer Zeit weiter ausbreiten können. Ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Fieber und Schüttelfrost kann dazukommen.

Lesen Sie mehr zu diesem Krankheitsbild im Ratgeber "Erysipel (Wundrose)".

Diagnose von Lymphstörungen

Die Krankengeschichte sowie eine genaue Begutachtung der Schwellungen liefern häufig schon deutliche Hinweise. Der Arzt prüft oft auch die Haut auf das sogenannte Stemmer’sche Zeichen: An den geschwollenen Zehen lässt sich mit den Fingern keine Hautfalte mehr hochziehen. Außerdem untersucht er Lymphknoten, Arterien und Venen sowie die Herz-Kreislauffunktionen.

Für eine erweiterte Diagnose kommen vor allem eine Lymphografie, bei der sich mit Hilfe eines Kontrastmittels Lymphbahnen und Lymphknoten begutachten lassen, oder auch die nuklearmedizinische Isotopenlymphszintigrafie infrage. Mit diesen bildgebenden Verfahren ist es möglich, Lymphabflussstörungen und auch bösartige Entwicklungen wie Tumore aufzudecken. Blutuntersuchungen im Labor geben Aufschluss über mögliche Entzündungszeichen und den Eiweißstoffwechsel. Neben den entzündlichen örtlichen Schwellungen erhärten Blutanalysen, gegebenenfalls auch ein bakteriell untersuchter Abstrich, die Diagnose eines Erysipels. Der Arzt wird hier insbesondere nach der Hautstelle fahnden, über die die Bakterien eindringen konnten.

Therapie von Lymphstörungen

In erster Linie helfen zunächst physikalische Behandlungsmaßnahmen, den Lymphabfluss wieder zu normalisieren. Das gelingt am besten, je früher ein Lymphödem diagnostiziert wird, also im ersten Stadium. In späteren Stadien kann die Behandlung Besserung bringen, muss aber meist beständig durchgeführt werden. Es entlastet, wenn der Betroffene sein erkranktes Bein hochlagert. Zur Entstauungstherapie gehören eine Lymphdrainage mit den Händen, eine Kompressionsbehandlung mit Bandagen und einer speziellen Gymnastik. Kompressionsstrümpfe kommen dazu, sobald die Schwellung zurückgegangen ist. Die Hautpflege hat einen besonderen Stellenwert, damit die erkrankte Haut nicht juckt, einreißt oder verletzt wird und sich keine Entzündungen wie ein Erysipel entwickeln können. Die Entstauungstherapie ist manchmal nicht oder nur in veränderter, individuell angepasster Form möglich, wenn zusätzliche Krankheiten, wie Venenerkrankungen, eine arterielle Verschlusskrankheit (siehe nächstes Kapitel "Verschiedene Auslöser"), Herzleiden, Rheuma oder Tumoren, vorliegen.

Liegt eine Wundrose vor, erfolgt die Behandlung mit Antibiotika und Ruhigstellen des Beins häufig in der Klinik. Auch können die Ärzte zugleich vorbeugend gegen mögliche Thrombosen behandeln, um eine Embolie zu verhindern.

Mit Medikamenten lässt sich ein Lymphödem nicht beseitigen. Bei Hautentzündungen und -allergien setzt der Arzt eventuell Kortison und Antihistaminika ein. Operationen kommen nur infrage, wenn die genannten Therapien nicht erfolgreich sind oder wenn ein Tumor diagnostiziert wurde. Zu den chirurgischen Maßnahmen gehören eine mikrochirurgische Lymphgefäßtransplantation beziehungsweise der Aufbau von Plastiken. Ferner können die Chirurgen den Lymphabfluss über andere Wege umleiten. Mitunter entfernen sie erkranktes Gewebe und bauen es wieder neu auf. Eine weitere Maßnahme kann es gegebenenfalls sein, übermäßige Fettansammlungen abzusaugen (Liposuktion; zur Therapie bei Lipödem, siehe Kapitel "Lipödeme").


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