Phobien: Was ist eine Agoraphobie?

Agoraphobie heißt die übertriebene Angst vor bestimmten Situationen, denen man etwa im Notfall nur schwer entkäme. Sie wird oft mit Klaustrophobie ("Platzangst") verwechselt

aktualisiert am 26.02.2015
Gedränge im Bus

Eingepfercht in einer Menschenmenge – angenehm findet das wohl keiner. Wer allerdings regelrechte Panikattacken bekommt, könnte an Agoraphobie leiden


Die Agoraphobie beginnt oft im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, Frauen sind wohl häufiger betroffen als Männer.

Agoraphobie ist keine "Platzangst"

Der Begriff Agoraphobie enthält das griechische Wort "agora" = "Marktplatz". Deshalb wird diese Phobie oft "Platzangst" genannt. Das ist jedoch irreführend. Denn die meisten Menschen verstehen unter Platzangst die Angst vor engen, kleinen, abgeschlossenen Räumen. Diese Klaustrophie (Raumangst) gehört jedoch zu den spezifischen Phobien.

Angst vor Menschenmengen, Plätzen, Aufzügen

Als Agoraphobie bezeichnen Experten dagegen die Angst vor Situationen, die man nur mit größerem Aufheben wieder verlassen könnte oder in denen man nur eingeschränkt Unterstützung bekäme, sollte es nötig werden. Zum Beispiel die Angst davor, mitten in einer großen Menschenmenge zu stehen, die Angst vor einer U-Bahn- oder Aufzugfahrt. Die Agoraphobie kann mit oder ohne Panikattacken einhergehen.

Zwei Beispiele:


1) Herr Y fürchtet sich davor, in einer großen Menschenmenge zu stehen. Er malt sich aus, dass er plötzlich Hilfe brauchen könnte – etwa weil ihm schwindelig wird, oder weil sein Herz aus dem Rhythmus gerät. In so einem Notfall hätte er Schwierigkeiten, die Menge zu verlassen, Helfer könnten nur mühsam zu ihm vordringen. Er befürchtet, dann auf peinliche Art und Weise in den Mittelpunkt zu geraten.

 

2) Frau X quälen Angstgefühle, sobald sie sich in einem öffentlichen Verkehrsmittel aufhält – eine längere Bahnfahrt oder Flugreise unternimmt. Denn sie kann einen Zug oder ein Flugzeug im Notfall nicht sofort verlassen oder Hilfe von außen erhalten.

Über die eigene Sicherheit nachzudenken, ist natürlich nicht krankhaft. Wenn sich ein Herzkranker in einer riesigen Menschenmenge nicht gut aufgehoben fühlt, ist das nachvollziehbar. Wer Herzbeschwerden verspürt, sollte sich selbstverständlich untersuchen lassen.

Bei Agoraphobie ist die Furcht aber übertrieben groß und logisch nicht begründbar. So kann ein Betroffener zwanzig Jahre jung und nachgewiesenermaßen kerngesund sein – und trotzdem ausgeprägte Angst vor einem drohenden Herzinfarkt haben. Ähnlich unangemessen wäre auch, wenn ein Herzkranker nie wieder alleine das Haus verlässt, aus Angst vor einem Herzanfall.

Viele Betroffenen meiden immehr mehr Orte und Gelegenheiten, die Angst auslösen könnten – sie gehen nicht mehr im Kaufhaus bummeln, verzichten auf den Kinoabend, setzen sich nur noch in Begleitung in die U-Bahn. Im Extremfall verlassen Betroffene ihre Wohnung gar nicht mehr. Ihr Leben schrumpft auf einen minimalen Aktionsradius zusammen.