Das Transkript zur Folge 236 mit Uwe Linke:

Ein Interview über Wohnraumgestaltung mit...

Mein Name ist Uwe Linke, ich bin Designer, Paartherapeut und Autor. Meine Expertise ist die Wohnpsychologie. Als die Verknüpfung von Innenarchitektur mit dem Wissen der Psychologie um die emotionalen Bedürfnisse von Menschen mehr zu berücksichtigen und mit Raumgestaltung, Farbe und Licht umzusetzen.

Wie kann ich mein Wohngefühl verbessern?

Der erste Schritt ist zu überlegen, was passt heute noch zu mir. Also ausmisten und würdigen, was früher wichtig für mich war. Aber eben heute nicht mehr gilt. Dann heißt es entsorgen und diese Dinge loswerden.

Der zweite Schritt dabei ist dann das Aufräumen. Damit ist nicht gemeint, dass wir Türen und Schubladen aufmachen und die Dinge verschwinden lassen. Sondern wirklich strukturiert zusammenstellen, was gehört an einen Ort und ist dort sinnvoll aufgeräumt, weil ich dort hingreife.

In der Küche könnte das eine Schublade sein für das gesamte Backzubehör. Oder im Homeoffice alle Unterlagen zu einem Thema zusammenstellen. Dafür muss ich mir auch im Computer neue Strukturen anlegen, damit ich Dinge wiederfinde. Also bestehende Strukturen überdenken und vielleicht auch neu organisieren.

Ein dritter Schritt ist ein Gang durch die eigene Wohnung. Die eigenen vier Wände. Mit den Augen eines Fremden.  Ich habe das in meinem Buch "Die  Psychologie des Wohnens" beschrieben. Es geht darum, wohlwollend aber auch ein bisschen kritisch zum Beispiel am Eingang der Wohnung zu starten, achtsam zu schauen, was einem auffällt.

Und sich immer die Frage zu stellen: Wie fühle ich mich und wie will ich mich fühlen im Raum? Und gibt dieser Raum das tatsächlich her? Erfüllt der Eingang zum Beispiel dieses Ankommen, Platz haben, um den Mantel abzulegen. Liegt da nicht zu viel unsinniges Zeug rum, was da überhaupt nicht hingehört? So könnte ich durch jeden Raum gehen. Schlafzimmer werden oft als Abstellkammern verwendet. Oder als Wäschekammern. Das ist keine gute Idee.

Und auch dass sich die Arbeit im ganzen Wohnraum erstreckt, ist nicht gut, weil dann die Arbeit nie aufhört. Und das Erholen nie anfängt. Diese Trennung von Arbeiten und Entspannen sollte man auf jeden Fall einhalten. Entweder räumlich oder zeitlich organisieren und eine Struktur dafür schaffen, das ist besonders wichtig.

Wie kann ich meine Wohnung mit einfachen Mitteln umgestalten?

Ich merke immer, dass Freiräume als wohltuend empfunden werden. Dazu reicht es, dass man Möbel neu gruppiert. Mal einen Sessel umstellt. Überflüssiges dann wegräumt. Und dadurch größere Freiflächen entstehen lässt, die uns Luft zum Atmen geben.

Weil diese Verdichtung macht unsere Probleme noch konzentrierter. Diese Verdichtung aufzulösen hilft im Kopf, hilft im Raum. Und hilft für das Gefühl, dass man die Wahl hat, sich auf eine bestimmte Art und Weise zu verhalten. Und ein Eimer Farbe, der nützt immer. Eine frische Tapete an die Wand, was man häufig selber machen kann.

Das ist im Prinzip jede Art von Veränderung, es ist gut, wenn man es einfach angeht. Sich die Projekte nicht zu groß macht, sondern in kleinen Schritten vorangeht. Und wie ich gesagt habe, erst mal aufräumen, sortieren. Freiräume schaffen. Vielleicht braucht es eine neue Farbe. Und wenn ich überlege, was ich heute noch brauche, was zu mir passt und was eher nicht mehr, habe ich tatsächlich schon sehr viel gewonnen.

Wie lassen sich Wohn- und Arbeitsraum effektiv trennen?

Beim Kombinieren von Leben und Arbeiten geht es immer um das große Thema Abgrenzung und Zonierung. Wir brauchen eine Art räumliche Abgrenzung. Und auch eine geistige Abgrenzung, damit wir Arbeit und Entspannung nicht so komplett verstricken, dass es nicht mehr voneinander trennbar ist.

Entscheidend sind auch Rituale, die den Übergang von einem zum anderen definieren. Die dem Gehirn signalisieren, jetzt bin ich in der Arbeit, ich arbeite konzentriert. Und so banal das klingt, manch einem gelingt es, wenn er eine Kaffeetasse vor sich hinstellt. Oder eine bestimmte Leuchte anmacht.

Es gibt auch Kunden von mir, die haben gute Erfahrung mit Schreibtischauflagen gemacht. Die haben so ein U um den Arbeitsplatz herumgestellt. Um ein bisschen optische Abgrenzung zu schaffen. Auch akustisch sind die wirksam. Dort klappt man sozusagen sein Büro auf. Und macht es wieder zu, wenn man fertig ist. Das ist wirklich eine mentale Umstellung, dass ich jetzt arbeite und im Büro bin.

Es gibt Paravents, die man aufstellen kann. Ein klappbarer Raumteiler. Man kann auch mit Vorhängen im Raum neue Bereiche schaffen. Und es hilft auch, Arbeitsaccessoires aufzustellen. Aber auch die Möglichkeit zu haben, die wieder wegzuräumen,  weil nicht jeder ein eigenes Zimmer hat.

Also, entscheidend ist, dass es kommuniziert wird, wenn ich nicht alleine wohne. Dass ich ungestört sein will. Wir brauchen fast eine Viertelstunde, wenn wir gestört werden, dass wir wieder vollkonzentriert in einem Thema drin sind. 

Und dann ist dieses Bewusstwerden einfach sehr, sehr wichtig. Dass wir entscheiden,  bin ich jetzt zu Hause entspanne ich mich,  mache ich was mit den Kindern. Mit dem Partner. Oder hänge ich einfach ab. Oder konzentriere ich mich auf meine Arbeit. Und wenn diese beiden Dinge immer in so einem Tasking hin- und herspringen, dann bin ich weder erholt noch habe ich konzentriert gearbeitet. Und das ist der entscheidende Punkt, dass wir uns konzentrieren können und die Möglichkeiten dafür haben.

Einen besonderen Tipp möchte ich dazu noch geben. Licht ist extrem wichtig. Ich selbst habe eine sehr gute Arbeitsleuchte. Und ich habe gemessen, man kann sich ja so Apps runterladen. Und ich stellte fest, es waren keine 200 Lux. Und 500 sollten am Arbeitsplatz sein. Weil wir uns besser konzentrieren können, wenn es sehr hell ist.

Dann brauchen wir auch kein warmes Licht, was wir gerne mögen. Sondern das kalte, blaustichige, das dem Gehirn signalisiert, dass Mittagshelligkeit ist und wir uns konzentrieren. Und wir uns nicht zum Schlafen neigen oder uns bald zur Ruhe legen. Das warme Licht gibt es in der Natur nur bei Sonnenuntergang und bei Sonnenaufgang. Und signalisiert, dass es Zeit zum Schlafengehen ist.

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„Nachgefragt!“ befasst sich mit allen Aspekten rund um die Corona-Pandemie: Wir sprechen mit Expert*innen aus Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch mit Menschen, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Dabei kommt ein breites Spektrum von Menschen in den unterschiedlichsten Positionen zu Wort, von der Soziologin bis zum Labormediziner, vom Hautarzt bis zur pflegenden Angehörigen.

„Nachgefragt!“ ist ein Videopodcast, der seit 24. März 2020 an jedem Werktag erscheint. Sie können die Folgen über verschiedene Plattformen sehen und abonnieren beispielsweise bei:

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