Nachgefragt! Folge 218 mit Prof. Dr. Dr. Thomas Mettenleiter

Das Transkript zur Folge mit Professor Thomas Mettenleiter:

Ein Interview über Haustiere und Covid-19 mit...

Mein Name ist Thomas Mettenleiter. Ich bin Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts des Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Mit Hauptsitz auf der Insel Riem in der Nähe von Greifswald.

Können Haustiere das Coronavirus auf Menschen übertragen?

Es gibt weltweit keine Hinweise darauf, dass infizierte Haustiere en Erreger auf den Menschen übertragen haben. Der reguläre Übertragungsweg ist so, dass die Menschen ihre Haustiere infizieren.

Wie können Menschen ihre Haustiere infizieren?

Einmal natürlich die experimentellen Untersuchungen. Die Frage: Sind diese Tiere überhaupt infizierbar? Das wird in Laboratorien und Instituten weltweit durchgeführt. Das wurde bei Hunden und Katzen gemacht. In China, in den Vereinigten Staaten zum Beispiel. Wir haben bei uns nicht die klassischen Haustiere sondern auch Nutztiere  getestet. Schwein, Rind, Geflügel.

Und dann die Tiere, die näher am Menschen sind, wie Hamster oder Kaninchen. Oder auch Frettchen, die ja als Haustiere durchaus an Beliebtheit gewonnen haben. Die aber auch zur Zucht, zum Beispiel in wissenschaftlichen Einrichtungen, gehalten werden.

Wie äußert sich Corona bei Haustieren?

Infektionen haben stattgefunden bei Hunden, bei Katzen. Auch bei einem Frettchen ist es bekannt, das als Haustier gehalten wurde. Und dann aber auch bei Zootieren, bei Großkatzen, Tiger, Löwen, Schneeleoparden. Und jetzt relativ neu auch bei Gorillas im Zoo von San Diego. Das heißt, diese Tiere können sich am Menschen anstecken.

In all diesen Fällen ist auch die Infektionskette ziemlich klar, dass die eben vom Menschen kommt. Bei den infizierten Tieren ist es so, dass etwa die Hälfte klinische Symptome zeigt, das ist so ähnlich wie beim Menschen. Das heißt, respiratorische Symptome. Also eine Atemwegserkrankung. Das ist im leichten Fall Schnupfen. Kann aber auch bis zu schweren Verläufen, Lungenentzündungen und auch zum Tod in Einzelfällen führen.

Bei etwa der Hälfte der nachgewiesenen Infektionen kommt es nicht zu klinischen Ausprägungen. Auch das ist nicht so unterschiedlich wie den Verlauf, den wir beim Menschen sehen.

Was soll ich machen, wenn mein Haustier Corona hat?

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Haustier an Corona erkrankt, hängt davon ab, ob Sie selber als Besitzer, als Tierhalter Erreger ausscheiden. Wenn Sie selber positiv getestet sind, kann es natürlich passieren, dass es auch zur Infektion von Haustieren kommt. Wobei man sagen muss, es gibt weltweit etwa 120, 130 Berichte, dass Haustiere sich an infizierten Menschen angesteckt haben. Das ist keine große Zahl, wenn man bedenkt, wie viel infizierte Menschen es eigentlich gibt.

Wir wissen aber, dass es gerade auch durch die Infektionen, die nicht zur klinischen Erkrankung führen, natürlich eine hohe Dunkelziffer hat. Aber wenn es zu klinischen Erscheinungen kommt, und das sind in den meisten Fällen respiratorische Erscheinungen, und man ist selber auch positiv getestet, respektive ist Covid-19-Patient, dann kann es sich anbieten, Kontakt mit dem Tierarzt aufzunehmen, ihm den Fall zu schildern, und der Tierarzt entscheidet, ob es notwendig ist, eine Probennahme durchzuführen.

Was muss ich beachten, wenn ich in häuslicher Quarantäne mit einem Haustier bin?

Im Endeffekt gilt das Gleiche wie bei anderen Menschen. Man ist eben infektiös, man scheidet Erreger aus. Und der kann eben auch auf unsere Haustiere übergehen. Man sollte sich auch in dem Kontext gegenüber seinem Haustier verhalten, das heißt, möglichst entfernt bleiben. wenn es die Möglichkeit gibt, das Haustier auch an jemand anderen abzugeben. In dieser Zeit, wenn das nicht geht, möglichst eine räumliche Trennung.

Und sich selber natürlich auch, dadurch dass man Schutzmasken aufsetzt. Dass man sehr strikt auf Hygiene achtet. Auf zum Beispiel die Händehygiene. Häufiges Desinfizieren. Um so die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Tier bei einem ansteckt, entsprechend zu reduzieren. Als Tierhalter muss man eben auch darauf achten, dass man sich gegenüber seinen Tieren entsprechend verhält und nicht nur gegenüber Mitmenschen.

Darum geht es in „Nachgefragt!“

„Nachgefragt!“ befasst sich mit allen Aspekten rund um die Corona-Pandemie: Wir sprechen mit Expert*innen aus Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch mit Menschen, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Dabei kommt ein breites Spektrum von Menschen in den unterschiedlichsten Positionen zu Wort, von der Soziologin bis zum Labormediziner, vom Hautarzt bis zur pflegenden Angehörigen.

„Nachgefragt!“ ist ein Videopodcast, der seit 24. März 2020 an jedem Werktag erscheint. Sie können die Folgen über verschiedene Plattformen sehen und abonnieren beispielsweise bei:

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Nachgefragt! | Der Corona-Video-Podcast

In unserem Video-Podcast „Nachgefragt!“ unterhalten wir uns mit Menschen, die uns von den täglichen...