Nachgefragt! Folge 286 mit Prof. Dr. Stephan Harbarth

„Die Take-Home-Message ist, dass man das Krankenhauspersonal durch ganz verschiedene Kanäle erreichen muss, wenn es darum geht, ihr Hygieneverhalten zu verändern.

Und die Art von Lernspielen wird in Zukunft sicherlich ein ganz wichtiger Bestandteil sein von diesen verschiedenen Strategien, um das Verhalten zu beeinflussen.

Ein Interview über das Lernspiel Escape-Covid-19 mit...

Stephan Harbarth, ich bin Krankenhaushygieniker und Infektiologe hier am Uni-Spital in Genf in der Schweiz.

Worum geht es in Escape-Covid-19?

Es ist ein Lernspiel, das auf gewissen Sequenzen basiert. Videosequenzen. Das ist spielerisch gestaltet. Es hat auch ein bisschen Comic-Character. Der Ziel und Zweck ist, dass Krankenhauspersonal, Pflegepersonal, Ärzte sich besser an die Covid-Hygieneregeln halten.

Das beinhaltet aber auch, dass man sich gegenüber Nicht-Covid-Patienten korrekt verhält.

Es gibt vier Blöcke in diesem Video.

Der erste ist: Was mache ich, wenn ich krank bin und daheim zum Beispiel Fieber entwickele? Soll ich dann ins Krankenhaus gehen? Und so weiter.

Der zweite ist, auf dem Weg zur Arbeit, trage ich einen Mund-und-Nasen-Schutz? Wenn ich mit anderen im Auto fahre, mit anderen Krankenhausmitarbeitern.

 Der dritte Teil ist natürlich, was mache ich richtig oder falsch im Umgang mit Covid-Patienten?

Und viertens: Was mache ich richtig oder falsch im Umgang mit anderen Nicht-Covid-Patienten oder anderen Krankenhausmitarbeitern im Spital?

Und da gibt es jeweils eine Abfolge von Fragen, die man im Rahmen dieses Lernspiels beantwortet. Wenn man die richtig beantwortet, kriegt man einen Bonus. Wenn man sie falsch beantwortet, kann man noch mal. Und wenn man es dann noch falsch beantwortet, wird die richtige Antwort eingeblendet.

Um es kurz zu sagen, es ist ein Lernspiel, das versucht, den Spielinstinkt von Spitalmitarbeitern anzusprechen. Und dadurch das Lernen, den kognitiven Prozess zu erleichtern. Und eben nicht immer nur irgendwelche papierhaften Richtlinien übers Internet im Spital zu verschicken. Sondern hier sollen die Mitarbeiter auch wirklich aktiv durch das Spiel an gewisse Grundregeln der Covid-Kontrolle im Spital erinnert werden.

Wie entstand die Idee zu Escape-Covid-19?

Wir haben bisher vergleichbare Module in der Krankenhaushygiene so nicht eingesetzt. Wir hatten zwar Videomaterial, auf der Basis, was man E-Learning nennt. Auch mit interaktivem Verhalten.

 Aber es war längst nicht so spaßig gestaltet. Es war nicht so entspannend. Es war auch eher ein bisschen mit dem erhobenen Zeigefinger. Deswegen in unserem Bereich Krankenhaushygiene zum ersten Mal.

Die Kollegen aus der Notfallmedizin, Anästhesie, die hier auch wesentlich beigetragen haben, die haben vergleichbare Lernspiele schon in ihrem Bereich angewendet. Aber das hat nichts mit Krankenhaushygiene zu tun.

Und die Frage, warum wir das gemacht haben, ist ganz einfach. Ich meine, Krankenhaushygiene ist nun mal nicht sehr sexy. An der Basis. Weil es ist immer so das Problem, dass man Krankenhausmitarbeiter leider immer wieder auf das richtige Verhalten hinweisen muss. Häufig ist das eben auch nicht richtig angewandt, das Hygieneverhalten.

Und diese Art von E-Learning und Videogaming mit Cartoon-Charakter sorgt halt doch für einen ganz entspannten Lernhintergrund. Wo wir gedacht haben, das ist gerade im Rahmen der ganzen Covid-Pandemie auch vielleicht ein bisschen Entspannung für die Kollegen, dass sie eben nicht ständig nur an die ernsthafte und zum Teil eben tödliche Wirklichkeit dieser Krankheit erinnert werden.

Gerade die Kollegen, die in der Geriatrie und in Altersheimen arbeiten, die haben über die letzten 15 Monate sehr viel Leiden und... Tragik erlebt. Deswegen ist es vielleicht auch eine willkommene Abwechslung, dass man versucht, sie an das richtige Hygieneverhalten zu erinnern, aber gleichzeitig auch versucht, ihnen vielleicht ein bisschen einen heiteren Hintergrund zu liefern.

Planen Sie weitere digitale Lernspiele?

Ich habe heute Morgen die gute Nachricht bekommen, dass das BAG, das ist unser Robert-Koch-Institut in der Schweiz, das Bundesamt für Gesundheit in Bern, die sind sehr daran interessiert, diese Art von Plattform auch weiter in der Zukunft zu benutzen für andere Lerninhalte.

Weil es einfach heutzutage, gerade auch für die jüngere Generation, der Status Quo ist, dass man sich dran gewöhnt, dass man auch durch Videospiele, durch interaktive Lernspiele versucht, Inhalte leichter zu vermitteln.

Und da sind wir sehr zuversichtlich, dass es auch in Zukunft weiter benutzt werden wird.“

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