Das Transkript zur  Folge 205 mit Dr. Christian Kröner:

Ein Interview über deutliche Worte mit...

Mein Name ist Dr. Christian Kröner. Ich bin niedergelassener Internist und Facharzt für Allgemeinmedizin in einer Praxis in der Nähe von Neu-Ulm.

In einem Post haben Sie deutliche Worte fürs Impfen gefunden. Worum ging es in dem Post genau?

Der Inhalt war im Prinzip nur gedacht, die wichtigsten Fragen, die mir an dem Tag gestellt wurden zur Corona-Impfung, in relativ einfacher und kompakter Sprache wissenschaftlich korrekt zu beantworten.

Es geht darum, wer soll sich impfen lassen. In unserer Hausarztpraxis empfehlen wir das nahezu jedem Patienten. Wenige Ausnahmen bei Leuten, die schwer allergisch vorerkrankt sind oder Schwangere oder Kinder unter 16 Jahren. Der Impfstoff ist noch nicht zugelassen aber prinzipiell empfehlenswert.

Dann haben wir erklärt, wie dieser Impfstoff funktioniert. Dass es schon eine neue Technik ist, die aber doch nicht ganz neu ist. Und in vielen anderen Bereichen der Medizin schon verwendet wird. Wenn man die Zulassungsstudiendaten liest. Die das gemacht haben,  haben an 42 000 Leuten diesen neuen Impfstoff ausprobiert. Davon haben circa oder ein bisschen mehr als 21 000 Leute diesen Impfstoff gespritzt bekommen.

Und bei denen traten sehr wenige  überhaupt relevante Nebenwirkungen auf. Das meiste war ein geschwollener Armoder Muskelkatergefühl im Arm. Was viele vom Impfen kennen. Oder ein leichter Fieberanflug.  Ein zwei Tage Müdigkeit, Kopfschmerzen.

Richtig relevante schlimme Nebenwirkungen sind in der Zulassungsstudie, die wirklich sehr groß war, überraschend groß für einen Impfstoff. Man hat versucht, in der kurzen Zeit möglichst viele Leute zu testen und entsprechend Daten rauszukriegen. Man hat aber nichts Schlimmes gesehen. Daher kann man den  guten Gewissens empfehlen.

Ich bin am 31.12. geimpft worden, weil ich nebenher Notarzt und damit in Prioritätengruppe 1 bin. Mir geht es hervorragend, ich hatte nichts außer dem geschwollenen Muskelkaterarm  24 Stunden. Sonst keine Beschwerden, ich bin fit. Auch alle Kollegen sind geimpft worden, denen geht es gut.

Das haben wir zusammengefasst und am Schluss die üblichen Facebook-Mythen aufs Korn genommen. Wo man natürlich schreibt... Eine Bill-Gates-Verschwörung? Eher nicht. Ob das die Pharmaindustrie bezahlt? Eher nicht, wir kriegen Geld von den Krankenkassen.

Ich fand den Zettel gar nicht so speziell. Aber er hat sehr viele Leute angesprochen. Und sehr vielen Leuten hat es gefallen, sie haben es geteilt. Und jetzt ist er ziemlich bekannt, sagen wir mal so.

Wie entstand die Idee zum Post?

Am Anfang war es kein Post, sondern einfach nur ein Entwurf eines Aushangs für mein Wartezimmer. Nicht korrigiert, mit vielen Fehlern und schlechter Ausdrucksqualität. Den hatte ich nach einem 12-stündigen Praxistag zusammengeschrieben, weil ich an dem Tag sehr, sehr viele Fragen meiner Patienten zur anstehenden Corona-Impfung beantworten durfte.

Und dachte abends, wir machen einen Aushang fürs Wartezimmer. Habe den als Rohentwurf getippt. Und habe den im Vorbeilaufen für private Zwecke schnell fotografiert. Habe den abends auf meinen WhatsApp-Status gestellt. Worauf hin meine Freunde meinten, das ist super, lad das mal bei Facebook hoch, das habe ich getan. Und dann kam der magische Fehler. Ein guter Kumpel meinte, das ist super, ich will das teilen, kann aber nicht. Mach das mal öffentlich.

Ich als Social-Media-Naivling  habe das getan. Öffentlich gestellt. Und beim nächsten Mal wurde es 2000 Mal geteilt. Da war die Katze aus dem Sack und nicht mehr einzufangen. Deswegen habe ziemlich viele Leute diesen Zettel gelesen. Der eigentlich fürs Wartezimmer gedacht war. Die überhaupt nicht in meinem Wartezimmer waren. Eine interessante Erfahrung, die man nur einmal im Leben macht.

Welche Reaktionen haben Sie auf Ihren Post bekommen?

Ich muss sagen, weit über 90 Prozent der Rückmeldungen waren sehr positiv. Ganz viele auch per Direktnachricht, dir mir geschrieben haben, auch Postkarten und Briefe. Auch von ärztlichen Kollegen, die ich nicht kenne, die sagen, es spricht ihnen aus dem Herzen. Ganz viele Hausärzte riefen an, sie wollen den Zettel auf ihrer Homepage haben. Wir haben es als Download bereitgestellt, weil wir mit dem Verschicken nicht mehr nachkamen. Es wurde über 50 000 Mal heruntergeladen. Für unsere kleine Praxis-Homepage sehr beeindruckend.

Und es gibt diese zehn Prozent Impfgegner oder Kritiker, die natürlich sehr dagegen waren. Und das auch sehr lautstark getan haben, bei Facebook meistens. Auch mit erheblichen Beschimpfungen. "Eine Schande des Berufstandes", ich bin "fett und hässlich". Obwohl sie in dem Punkt recht haben, sonst nicht. Ich werde von der Pharma bezahlt, ich wäre korrupt. Es wurde gedroht, die Praxis abzufackeln.

Es sind ein paar Sachen, die ein Straftatbestand sind. Damit war zu rechnen. Wenn das viral geht, dass solche Reaktionen auch kommen. Aber es ist die Minderheit und zum Glück sind die meisten Menschen vernünftig.

Ganz viele haben geschrieben: "Danke für die Information. Die haben mir noch gefehlt." Dann sagen, ich lasse mich impfen Ich habe es vorher nicht verstanden. Aber jetzt macht es Sinn.

Und die zehn Prozent, die Impfgegner sind, die wollte ich nie umstimmen. Es war nie für die Öffentlichkeit. Das man die nicht erreicht, war klar.

Wie gut sind Ihre Patienten über die Corona-Impfung informiert?

Man muss sagen, dadurch dass das Thema so präsent ist, auch in den Medien, das geht momentan jeden an, ist der Informationsstand der Patienten relativ hoch. Aber ich bin der Hausarzt und kenne meine Patienten sehr gut und sehr lange.

Und man wird gefragt, wenn man wegen Blutdruck kommt oder einem eingewachsenen Zehnagel: "Was halten Sie als Hausarzt von dieser Corona-Impfung." Und man antwortet darauf, man möchte auch antworten und die Leute aufklären. Aber wenn ich das 50 Mal am Tag machen muss, komme ich nicht so gut zu meiner Alltagsmedizin, die viel wichtiger ist als die Corona-Impfungsgeschichte.

Deswegen haben wir versucht, die wichtigsten Fragen in einem Aushang zu klären. Dass man im Gespräch persönliche Fragen klären kann.  Wie sinnvoll es ist und wie es aussieht.

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