Das Transkript zur Folge 278 mit Dr. Dr. Ahmad Aziz:

Ein Interview über die Immunität nach einer Covid-19-Erkrankung mit...

Ich bin Ahmad Aziz, ich bin Epidemiologe und Gruppenleiter für populationsbezogene und klinische Neuroepidemiologie am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn. Zudem arbeite ich als Facharzt für Neurologie am Uniklinikum Bonn.

Ich arbeite hauptsächlich an der "Rheinland Studie". Die "Rheinland Studie" ist eine groß angelegte, laufende Bevölkerungsstudie zurzeit in Bonn. In deren Rahmen wir untersuchen, wie die Gesundheit von Erwachsenen sich bis ins hohe Alter entwickelt.

Was war das Ziel Ihrer Studie?

Das Hauptziel unserer Studie war, die Seroprävalenz zu messen. Was war die Prävalenz oder die Zahl der Menschen in Bonn während der ersten Welle, das war von April bis Juni. Damals haben wir diese Studie durchgeführt. Das war das Hauptziel: Was ist die Zahl der Infizierten zurzeit in Bonn?

Und zunächst haben wir auch die Konzentration von neutralisierenden Antikörpern bestimmt in Leuten, bei denen die initiale oder die "Immonoassay", so heißt das, abnormal war. Bei diesen Leuten bestand ein Verdacht auf eine Infizierung. Aber auf Basis dieser Tests kann man nicht sagen, ob diese Leute auch neutralisierende Antikörper haben oder nicht.

Und das ist das Einzigartige an unserer Studie, dass wir auch bestimmt haben, ob diese Infizierten neutralisierende Antikörper hatten im Blut.

Wie war die Konzentration der Antikörper bei den Studienteilnehmern verteilt?

Was wir herausfanden, ist, dass nur bei einem Drittel der Menschen, die sich infiziert hatten, diese neutralisierenden Antikörper vorhanden waren. Sondern nur bei einem Drittel, nicht bei den zwei Dritteln. Das kann verschiedene Ursachen haben.

Einerseits könnte es sein, dass... bei manchen Leuten der initiale Test falsch positiv war. Also abweichend ohne Hinweise auf eine Infizierung mit dem SARS-CoV-2-Virus.

Oder es könnte sein, dass diese Leute sich tatsächlich mit dem Virus infiziert hatten, aber nicht die neutralisierenden Antikörper entwickelt hatten. Und das kann auch verschiedene Gründe haben. Und was sind die Gründe?

Wir haben zum Beispiel herausgefunden, dass bei Leuten, bei denen die Symptome nicht so ausgeprägt waren, oder die Leute, die nur milde Symptome hatten, bei denen war diese Antikörper-Antwort auch weniger ausgeprägt.

Und das ist auch eine Hypothese, die ich habe, wenn man wenig Symptome entwickelt oder asymptomatisch ist und bleibt nach einer Infizierung, dann deutet das darauf hin, dass man nicht so eine starke Immun response entwickelt hat. Und bei diesen Leuten könnte es sein, dass die Immunität im Laufe der Zeit schneller abklingt.

Wie lange nach der Erkrankung konnten Antikörper nachgewiesen werden?

Ja, genau, was wir gemacht haben... Wir haben nach vier bis fünf Monaten bei Menschen, die diese Antikörper am Anfang hatten, nochmals diese Antikörperspiegel bestimmt. Und wir sahen, dass bei den meisten Leuten die Antikörperspiegel abnahmen. Und bei vier konnten die Antikörperspiegel gar nicht mehr bestimmt werden, weil die zu niedrig waren. Und im Durchschnitt sahen wir eine deutliche Abnahme.

Aber wie gesagt, trotz dieser Abnahme... waren die Antikörper bei den meisten innerhalb von vier, fünf Monaten nicht verschwunden. Sodass ich erwarte, dass die Immunität, zumindest bei den meisten so vier, fünf Monate anhielt und vielleicht etwas länger.

Aber es könnte sein, dass diese neutralisierende Antikörperimmunität zumindest bei einem Teil der Menschen wieder, ja, weggeht. Das ist schwer zu sagen. Im Moment. Vielleicht bleibt die zelluläre Immunität, und da liegen Hinweise aus anderen Studien vor.

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