Das Transkript zur Folge 226 mit Christoph Sonnenschein:

Ein Interview über Studierende in der Covid-19-Pandemie mit...

Mein Name ist Christoph Sonnenschein. Ich arbeite bei Studo. Studo ist ein Kooperationspartner von Universitäten und Studierenden. Wir versuchen, digitale Lösungen für die Hochschullandschaft zu finden. Damit Studierende und Hochschulen digitale Medien besser nutzen können.

Wer wurde im Rahmen der Studie befragt?

Die Studie wurde in Österreich durchgeführt, die Umfrage. Das hat damit zu tun, dass Studo in Österreich gegründet wurde. Und dort eine sehr große Nutzerbreite hat. Sodass eine Umfrage in dem Ausmaß Sinn gemacht hat, um möglichst repräsentativ zu sein.

Die wurde bundesweit in Österreich bei allen Studierenden, die Studo-App benutzen, durchgeführt. Und im Endeffekt haben 420 Studierende auf die Umfrage geantwortet.

Die Umfrage hat sich mit drei Themen beschäftigt. Da ging es zum einen um das Studium im Allgemeinen. Um die Lehre, das Lernen, Lernfortschritte. Und wie das alles in Zeiten von Lockdown und Pandemie funktioniert. Und wie Studierende die veränderte Situation wahrnehmen.

Da ging es auch darum, wie die Hochschule auf die Krise reagiert. Wie mit Studierenden kommuniziert wird. Ob man sich gut informiert und abgeholt fühlt oder ob es Optimierungsbedarf gibt.

Und als Drittes und Wichtigstes ging es darum, wie geht es den Studierenden. Mit der Pandemie, mit der Lockdown-Situation. Wie wirkt sich das auf ihre Studienzufriedenheit, aber auch ihre Lebenszufriedenheit und ihre Lebensumstände aus.

Zu welchen Ergebnissen kommt die Studie?

Im Allgemeinen muss man festhalten, dass es klare Ergebnisse nicht gibt. Weil Studierende genauso divers sind wie der Rest der Bevölkerung. Man kann aber, glaube ich, sagen, dass es zum einen die Hochschulen sehr gut hinbekommen haben, auf die Situation, auf die Krise zu reagieren. Und die Lehre umzustellen. Den Studienalltag konnten die Hochschulen aufrechterhalten. Und es mussten nicht großflächig Veranstaltungen oder sogar Semester ausfallen.

Die Studierenden waren da auch sehr aktiv und in der Lage, relativ schnell auf die digitale Lehre umzusteigen. Natürlich mit geänderten Bedingungen. Aber das hat relativ gut funktioniert.

Was man im herausfordernden Bereich festhalten muss, ist, dass Stress und Arbeitsbelastungen für die Studierenden größer geworden sind. Zum einen betrifft das den allgemeinen Studienalltag. Lehren, Lernen, Prüfungen, Vorbereitungen, solche Sachen. Aber vor allem, und da sind Studierende nicht anders als der Rest der Bevölkerung die Isolation, die sich aus der Lockdown-Situation ergeben hat, hat große Schwierigkeiten mit sich gebracht. Denen im Studienalltag begegnet werden muss.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen für Studierende?

Die studierendenspezifischen Herausforderungen sind die, dass Studierende häufig auf die Infrastruktur der Universität angewiesen sind. Wie zum Beispiel die Bibliotheken oder die Mensa. Und wenig Konversationsmöglichkeiten haben. Bricht diese Infrastruktur zusammen, bricht auch ein großer Teil des Alltags zusammen, der nicht so einfach kompensiert werden kann.

Viele Studierende sind mit der Situation, alleine zu leben.. Sie haben kein Netzwerk, das sie auffängt, weil es aus Freunden besteht, die woanders wohnen. Familie ist nicht unmittelbar greifbar. Und häufig wohnt man alleine und muss stark mit sich alleine zurande kommen, als das in Familiensituationen der Fall ist.

Das Studium als solches zeichnet sich durch große Interaktion aus. Man kommuniziert, unterhält sich. Tauscht Ergebnisse aus, bereitet sich gemeinsam vor. Das muss man entweder durch digitale Kanäle ersetzen. Oder ganz wegfallen lassen. Das sind Probleme, vor denen Studierende stärker aufgrund der Rahmenbedingungen ihres Lebens stehen als andere Bevölkerungsgruppen. Und die zusätzlich zu Unsicherheit und manchmal auch... Wut und Trauer und Verärgerung geführt haben.

Was aus meiner Perspektive, und ich komme selber aus der Hochschullandschaft, wichtig ist, zu erwähnen, ist, dass die allgemeine Herausforderung für die Studierenden die ist, dass sie sich von Visionen verabschieden müssen. Und dass das manchmal sehr schwerfällt.

Viele Leute verbinden vor Antritt des Studiums das Studium mit einer Art und Weise, das Leben zu leben. Die Freiheit zu genießen. Den Alltag anders zu leben, als man das in der Schulzeit unter anderen Abhängigkeiten gemacht hat. Dazu gehören Sachen wie Freizeitgestaltung. Aber auch ein Auslandssemester, ins Ausland zu gehen. Was viele in ihrem Studium gerne einbauen möchten.

Die Corona-Situation hat dazu geführt, dass nicht nur der Alltag sich verändert, sondern man sich auch von ganz großen, visionären Zielen verabschieden muss. Und dass das für Studierende vermutlich auch langfristig eine Sache ist, wo ganz viel Unmut und Unverständnis und auch Ärger über die Situation entsteht. Da weiß man, keiner ist wirklich dafür verantwortlich. Trotzdem fühlt es sich falsch an, dass man die fürs Studium gesteckten Ziele nicht verwirklichen kann.

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„Nachgefragt!“ befasst sich mit allen Aspekten rund um die Corona-Pandemie: Wir sprechen mit Expert*innen aus Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch mit Menschen, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Dabei kommt ein breites Spektrum von Menschen in den unterschiedlichsten Positionen zu Wort, von der Soziologin bis zum Labormediziner, vom Hautarzt bis zur pflegenden Angehörigen.

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