Das Transkript zur Folge 297 mit Dr. Sylvia Jaki:

Ein Interview über Wissenschaftskommunikation mit...

Mein Name ist Sylvia Jaki. Ich bin Medienlinguistin und an der Universität Hildesheim angestellt. Hier bin ich tätig am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation, seit dem Jahr 2013.

Was versteht man unter guter Wissenschaftskommunikation?

Gute Wissenschaftskommunikation zeichnet sich durch viele Dinge aus. Also erst mal, ganz wichtig, gute Wissenschaftskommunikation ist verständlich. Also... Etwas so zu erklären, dass... es wirklich schwierig ist, zu verstehen, aber es geht ja um die Reduktion von Komplexität. Dass bedeutet aber auch, dass man sie wirklich reduzieren muss. Dass die Leute wirklich verstehen, um was es geht. Das ist ein ganz wichtiger Faktor.

Gute Wissenschaftskommunikation ist auch transparent. Das heißt, dass sie sich auf der einen Seite auf nachvollziehbare Quellen stützt. Auf der anderen Seite geht es aber auch darum, zu zeigen: Was kann die Wissenschaft überhaupt? Was kann sie denn gerade noch nicht?

Auch das, hat man in der Corona-Krise gesehen, war ein Problem, das bislang ganz häufig nicht genug kommuniziert wurde. Dass wir bestimmte Dinge gar nicht wissen, oder dass Wissenschaft immer ein ganz langer Prozess ist und auch wirklich von wissenschaftlichem Widerstreit gefüllt wird.

Das ist wirklich ein ganz wichtiger Punkt. Und das wurde nicht immer ausreichend geklärt bislang. Und das ist eben auch mit wissenschaftlicher Transparenz gemeint. Was wissen wir? Wo sind unsere Einschränkungen gerade?

Gute Wissenschaftskommunikation zeigt auch, wenn zum Beispiel eine Expertise an ihre Grenzen stößt. Wenn man sagt: "Ich kenne mich auf diesem Gebiet zwar sehr gut aus, aber hierfür bin ich eigentlich kein Experte mehr. Hier kann ich wirklich nur meine eigene Meinung wiedergeben." Und genau das muss man eben auch transparent machen.

Und, vielleicht noch als letzten Punkt, dass gute Wissenschaftskommunikation eben auch... ja, attraktiv ist, in gewisser Weise. Das war bei der Corona-Krise nicht so wichtig, da ging es stark um Verstehen. Aber um Leuten zu zeigen, Wissenschaft ist faszinierend, ist es wichtig, Sachen nicht nur verständlich, sondern auch in gewisser Weise... interessant aufzubereiten.

Also wie werden Informationen aufbereitet, sodass man sagt: "Mensch, das ist aber spannend." Und gerade dass die Leute sich ein bisschen motiviert fühlen, in ihrer Freizeit solche Wissenschaftskommunikate zu konsumieren.

Was sollte in der Wissenschaftskommunikation vermieden werden?

In der Wissenschaftskommunikation sollte man viele Dinge vermeiden, die eben das Gegenteil von guter Wissenschaftskommunikation sind. Das heißt, intransparent zu sein, was Fakten sind und was eigene Meinungen sind. Das sieht man immer wieder, dass es bestimmte Expert:innen gibt, die immer wieder konsultiert werden, die dann aber auch zu Sachen befragt werden, die eben außerhalb ihrer Expertise liegen.

Man hat z. B. gesehen, Christian Drosten hat es sehr gut geschafft, zu sagen: "Das ist jetzt aber nicht mehr meine Expertise, sondern nur meine Meinung." Aber viele Leute schaffen das eben nicht so gut. Und das ist ein Problem. Meine Meinung zum Thema Quantenphysik ist auch nicht wertvoller als die einer Person, die überhaupt nicht in der Wissenschaft ist. Und so was ist ganz wichtig.

Man muss auch immer überlegen, wer gute oder schlechte Wissenschaftskommunikation betreibt. Wenn wir einen medialen Akteur haben, muss man natürlich auch immer aufpassen, dass man Wissenschaftler:innen oder andere Expert:innen nicht nur benutzt, um eine Argumentationslinie zu füllen, die man vorher schon ausgearbeitet hat. Und dann sagt: "Jetzt suche ich mir noch wen, der genau das schnell bestätigt in einem Halbsatz." Das ist oftmals so ein Problem. Da muss man jetzt von medialer Seite so ein bisschen drauf achten.

Gleichzeitig ist es auch wichtig, dass man die Bürger nicht als unmündig behandelt, also dass man nicht sagt: "Ihr versteht das alles nicht, jetzt wird es kompliziert, und das erkläre ich euch gar nicht."

Und auf der anderen Seite, andersherum, zu stark zu simplifizieren, also zu sagen: "So und so ist es", aber auch Unsicherheiten auszublenden. Zu sagen: "Okay, da stecken ganz komplexe Prozesse dahinter." Und genau diese Balance zwischen beiden Dingen zu finden, ist eigentlich sehr schwierig.

Deswegen brauchen wir gute Wissenschaftskommunikatoren und -kommunikatorinnen, die geschult sind in dem, was sie tun. Wir haben ganz wunderbare Wissenschaftsjournalist:innen und auch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen werden darin immer besser, weil sie die Wichtigkeit guter Wissenschaftskommunikation erkennen.

Warum ist  Wissenschaftskommunikation so wichtig?

Dass eine Wissenschaftskommunikation, die hochqualitativ ist, wichtig ist, haben wir gerade auch in der Corona-Krise verstärkt gesehen. Wissenschaftskommunikation, die hochqualitativ ist, schafft Vertrauen in die Wissenschaft, und genau das brauchen wir.

Denn die Wissenschaft legt ja den Grundstein dafür, zu verstehen, wie bestimmte Dinge in der Welt funktionieren. Und womöglich dann auch, wie man sich bestmöglich verhalten kann, um Problemen entgegenzuwirken, wie eben in der Corona-Krise, wie beispielsweise in der Klima-Krise, gerade auch wieder ein ganz großes Thema. Von daher ist es wirklich wichtig.

Es ist auch wichtig, um zu zeigen: Wissenschaft ist ein Bereich, der auch wahnsinnig spannend ist. Also, da geht es eben nicht nur um Vertrauen, sondern auch darum, Faszination zu schaffen. Weil man eben eigentlich mündige Bürger möchte.

Also, es geht nicht darum, zu sagen: "Wir sitzen in unserem Elfenbeinturm, wir machen was wahnsinnig Kompliziertes. Das versteht ihr eigentlich gar nicht richtig, also glaubt uns das einfach." Sondern es geht wirklich darum, da so eine Barriere, eine Verständnisbarriere auch zu überwinden. Zu sagen: "Leute, wir sind auf einer Augenhöhe. Wir erklären euch das. Wir kennen uns in dem Bereich eben mehr aus. Wir wollen aber, dass ihr das wirklich versteht und mit uns in Dialog eintreten könnt."

Darum geht es in „Nachgefragt!“

„Nachgefragt!“ befasst sich mit allen Aspekten rund um die Corona-Pandemie: Wir sprechen mit Expert*innen aus Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch mit Menschen, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Dabei kommt ein breites Spektrum von Menschen in den unterschiedlichsten Positionen zu Wort, von der Soziologin bis zum Labormediziner, vom Hautarzt bis zur pflegenden Angehörigen.

„Nachgefragt!“ ist ein Videopodcast, der seit 24. März 2020 an jedem Werktag erscheint. Sie können die Folgen über verschiedene Plattformen sehen und abonnieren beispielsweise bei:

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Nachgefragt! | Der Corona-Video-Podcast

In unserem Video-Podcast „Nachgefragt!“ unterhalten wir uns mit Menschen, die uns von den täglichen Herausforderungen in dieser besonderen Zeit berichten