Nachgefragt! Folge 296 mit Prof. Dr. Martina Sester

Das Transkript zur Folge 296 mit Professorin Martina Sester vom Universitätsklinikum des Saarlandes

Ein Interview über heterologe Impfungen mit...

Mein Name ist Martina Sester. Ich bin hier Professorin für Transplantations- und Infektionsimmunologie an der Universität des Saarlandes und bin hier an der medizinischen Fakultät angesiedelt.

Was ist eine heterologe Impfung?

Unter einer heterologen Impfung muss man Folgendes verstehen, dass man zwei Impfstoff-Prinzipien gegen ein- und denselben Erreger nutzt, um eine bestmögliche Immunantwort aufzubauen. Das ist bei noch nicht so vielen Impfungen realisiert, aber es gibt gute Beispiele dafür. Die Ebola-Impfung ist eine heterologe Impfung, weil man zwei aufeinanderfolgende Impfungen durchführt mit leicht verschiedenen Wirkprinzipien. Das versteht man unter einer heterologen Impfung.

Wieso lassen sich Impfstoffe miteinander kombinieren?

Das Immunsystem wird mit allem möglichen fertig. Das liegt in der Natur der Sache, dass das Immunsystem mit jedwedem Erreger fertig werden muss. Das heißt, auch ein SARS-Coronavirus-2, da reagiert das Immunsystem eigentlich sehr gut darauf. Das heißt, dem Immunsystem kann man sehr viel zumuten. Das heißt, im Grunde kann man auch bei Impfstoffen sehr viele verschiedene Prinzipien wählen. Und das funktioniert auch sehr gut. Das muss man natürlich immer in klinischen Studien testen. Grundsätzlich kann man also dem Immunsystem einiges zumuten, also auch die heterologe Kombination, wie man sieht.

Generell in der Praxis sollte man das allerdings trotzdem mit Bedacht tun, weil man üblicherweise die Impfstoffe natürlich nur so verabreichen sollte, wie sie auch in klinischen Studien, sprich hier in den Zulassungsstudien für die Coronavirus-Impfstoffe verabreicht wurden. Jetzt haben wir natürlich eine besondere Situation hier mit der heterologen Impfung, wie die auch zustande kam.

Grundsätzlich kann man sich das so vorstellen: Die heterologe Impfung funktioniert besonders gut, weil wir das Immunsystem aus verschiedenen Blickwinkeln auch triggern können. Wir haben auch gesehen, dass die einen Impfstoffe besonders gut die Antikörper induzieren und die anderen besonders gut die T-Zellen. Insofern lag natürlich die Vermutung nahe, dass man durch eine Kombination vielleicht sogar im besten Fall beide Komponenten besonders gut triggern kann.

Wichtig ist noch mal zu betonen... Wir haben jetzt natürlich hier einen sehr großen immunologischen Erfolg gesehen bei dieser heterologen Impfkombination. Wichtig ist aber noch mal zu betonen: Selbst wenn man Unterschiede zwischen diesen Regimen sieht, wir haben gesehen, dass alle Regime... Also, wir haben diese heterologe Kombi verglichen mit Astra-Astra und auch den mRNA-homolog-Geimpften und wir haben bei allen Geimpften eine Immunantwort gesehen. Das sollte uns doch optimistisch stimmen.

Egal, welches Regime man bekommt, ich glaube, man fährt mit allen Impfungen sehr gut, und das ist in der Tat die Botschaft, die ich hier gerne aussenden würde. Impfen auf alle Fälle, und im Grunde sind alle Impfstoffe gut und besonders die, die auch von der Effizienz her gut getestet sind.

Wieso können heterologe Impfungen erforderlich sein?

Normalerweise, wie ich sagte, würde man natürlich nur die Kombination wählen, wie sie in Studien getestet wurden. Da werden natürlich auch nur die Kombinationen zugelassen, die eine gute Effizienz auch erhalten. Das heißt, alle, die wir auf dem Markt haben, haben das in Studien auch gezeigt.

Jetzt haben wir bei der heterologen Impfung, AstraZeneca beispielsweise mit dem Vektorimpfstoff, gefolgt von einer mRNA-Vakzine, natürlich jetzt in Deutschland, aber auch in vielen europäischen Ländern die Situation gehabt, dass nach der Erstimpfung mit der Vektor-Vakzine schwerwiegende Nebenwirkungen, also die thrombotischen Ereignisse, aufgetreten sind, die dann die STIKO oder die zuständigen Behörden in den jeweiligen Ländern dazu bewogen haben, diesen mutigen Schritt zu gehen und jetzt nicht diese Doppelimpfung bei diesen jüngeren Menschen unter 60 Jahren fortzuführen, sondern eben diese heterologe Impfung eher zu empfehlen.

Und das war durchaus ein mutiger Schritt, so eine Entscheidung ohne jedwede Evidenz zu treffen. Aber ich nehme mal an, die Kolleg:innen der STIKO, das sind ja auch erfahrene Wissenschaftler:innen, Kliniker:innen in der STIKO, die solche Entscheidungen treffen. Da mag auch die immunologische Expertise, die dort vorliegt, auch ein Beweggrund gewesen sein, eher auf diese gute Immunität zu hoffen, als weitere Nebenwirkungen zu riskieren. Insofern, zumindest die Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass das sehr gut funktioniert.

Lassen sich alle Corona-Impfstoffe kombinieren?

Wir haben ja die Kombination aus einem Vektorimpfstoff mit einer mRNA-Vakzine heterolog getestet. Es kommen demnächst auch Daten heraus, beispielsweise aus Großbritannien, die das umgekehrt gemacht haben, erst eine mRNA-Vakzine und dann der Vektor. Das schließlich muss man immer testen, ob das jetzt genauso gut funktioniert, wie die jeweils homologen Kombinationen oder auch diese heterologe Kombination. Also letztendlich, dem Immunsystem, wie ich sagte, ist viel zuzumuten, das reagiert sehr gut.

Aber welche Kombination dann letztendlich die beste Immunität oder in Langzeitstudien dann auch den besten Schutz hervorruft, das muss man natürlich noch testen.

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