Nachgefragt! Folge 292 mit Prof. Dr. Dr. Robert Bals

Das Transkript zur Folge 292 mit Professor Robert Bals:

Ein Interview über den Einsatz eines Wirkstoffes zur Behandlung von Covid-19 mit...

Mein Name ist Robert Bals, ich leite die Klinik für Innere Medizin V am Universitätsklinikum des Saarlandes. Wir beschäftigen uns vor allem mit Lungenerkrankungen.

Was ist AAT und wo kommt es zum Einsatz?

Das Alpha-1-Antitrypsin oder dieses AAT ist ein körpereigenes Protein. Und es gibt eine relativ seltene genetische Prädisposition, diesen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, wo man eine Leber- oder Lungenerkrankung kriegen kann, wenn man viel Pech hat. Und bei der Lungenerkrankung wird eben das zum Teil eingesetzt und verleiht den Betroffenen einen gewissen Schutz, dass die Erkrankung weniger schnell schlechter wird.

Wie sind Sie auf die Wirksamkeit von AAT bei Covid-19 aufmerksam geworden?

Zum Anfang der Corona-Pandemie, das hat uns ja, wahrscheinlich jeden, doch stark beeinträchtigt, haben wir natürlich auch angefangen, ob wir mit dem, was wir bisher gemacht haben, irgendeinen Beitrag liefern können zur Behandlung oder Bekämpfung dieser Corona-Pandemie. Und wir beschäftigen uns schon länger mit diesem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel.

Wir wissen, es ist eine Antiprotease, also ein Eiweißstoff, der andere Proteasen, also eiweißabbauende Moleküle, hemmt. Und es gab schon von früher Daten, dass das Coronavirus, ähnlich wie andere Viren erst mal braucht, um aktiv zu werden, eine Aktivierung durch eine körpereigene Protease. Also es muss an der Oberfläche dieses S-Protein, das man ja auch für die Impfung hernimmt, erst gespalten werden, und dann kann das Virus erst in die Atemwegszelle zum Beispiel eindringen.

Und es hat sich herausgestellt, schon von früheren Daten, dass dieses Alpha-1-Antitrypsin diese körpereigene Protease hemmt, die wichtig ist für die Aktivierung des Virus. Das heißt, wenn man mehr Alpha-1-Antitrypsin auf Zellen zum Beispiel draufgibt, dann sieht man, dass das Virus sich nicht mehr so gut replizieren kann und nicht mehr so infektiös ist.

Wie haben Sie die Wirksamkeit getestet?

Also was wir gemacht haben, ist, dass wir es in Zellkulturansätzen nachgewiesen haben, dass es im Prinzip funktioniert. Und wenn man es beim Patienten einsetzen möchte, würde man das natürlich im Rahmen einer größeren Studie machen.

Es gibt dieses Medikament seit vielen, vielen Jahren auf dem deutschen Markt. Es ist auch in vielen, vielen Studien getestet worden, hat sehr, sehr wenig Nebenwirkungen. Deswegen haben wir das nicht als Studie, sondern haben wir das ein paar Patientinnen und Patienten im Rahmen eines Heilversuchs angeboten.

Das hat nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern dient primär dann in der Tat, den individuellen Krankheitsverlauf, wenn man sonst keine anderen wirksamen Therapien hat, zu verbessern. Und dann haben wir das neun Patienten eben angeboten. Und denen ging es eigentlich allen gut damit.

Wir versuchen gerade, eine Studie aufzusetzen, dass man das auch in einer richtigen klinischen Studie testen kann. Man muss schauen, vielleicht klappt das zum Glück nicht mehr, weil gar nicht mehr so viele Patienten betroffen sind.

In welcher Verfassung befanden sich die Patientinnen und Patienten?

Die Patienten, denen wir das Alpha 1 gegeben haben, das waren alles Leute in einer frühen Phase der Erkrankung. Man möchte ja gerade auch die Leute früh identifizieren und behandeln, dass die Erkrankung nicht zu den schweren Lungen- und Organversagensstadien weiterschreitet, weil da die Behandlungsmöglichkeiten natürlich extrem schwierig sind.

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„Nachgefragt!“ befasst sich mit allen Aspekten rund um die Corona-Pandemie: Wir sprechen mit Expert*innen aus Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch mit Menschen, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Dabei kommt ein breites Spektrum von Menschen in den unterschiedlichsten Positionen zu Wort, von der Soziologin bis zum Labormediziner, vom Hautarzt bis zur pflegenden Angehörigen.

„Nachgefragt!“ ist ein Videopodcast, der seit 24. März 2020 an jedem Werktag erscheint. Sie können die Folgen über verschiedene Plattformen sehen und abonnieren beispielsweise bei:

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