Nachgefragt! Folge 293 mit Prof. Dr. Michael Schredl

Das Transkript zur Folge 293 mit Professor Michael Schredl:

Ein Interview über Träume mit...

Mein Name ist Michael Schredl, ich bin Wissenschaftlicher Leiter am Schlaflabor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim.

Was sind Träume?

Träume werden von uns definiert als subjektives Erleben während des Schlafes. Wir gehen auch davon aus, dass jeder Mensch jede Nacht träumt. Das heißt, sobald man einschläft, beginnt auch das Träumen. Und die Entstehung ist letztendlich genauso, wie Wachgedanken entstehen. Man weiß es nicht so wirklich. Es korreliert zwar mit der Gehirnaktivität. Aber letztendlich ist wahrscheinlich fast das ganze Gehirn an der Entstehung der Träume beteiligt.

Beeinflusst die Pandemie unsere Träume?

Die Coronapandemie hat einen Einfluss auf unsere Träume, wie alles, was wir tagsüber erleben. Wir haben auch ein paar Studien, ich war an zwei Studien mit beteiligt. Die zeigt, dass vor allem die, die tagsüber durch die Corona-Pandemie gestresst sind... Da gab es eine Gruppe von Jugendlichen aus Italien. Wenn denen langweilig ist und sie nichts Richtiges zu tun haben, das sind die Personen, die dann auch die negativsten Effekte der Pandemie auf ihre Träume haben.

Oder wenn soziale Kontakte, psychische Probleme vorhanden sind. Also soziale Kontakte wenig und psychische Probleme viel. Dann macht sich das negativ in den Träumen bemerkbar.

Hilft das Träumen bei der Bewältigung des Alltages?

Die Frage, ob das Träumen an sich schon besser hilft, den Alltag besser zu bewältigen, die Frage ist noch offen. Was man aber auf jeden Fall sagen kann, ist, dass wenn man sich mit den Träumen beschäftigt, also nachdem man sich erinnert hat und darüber nachdenkt, wie hängt der Traum mit dem zusammen, was ich gerade erlebt habe, dann ist es tatsächlich so, dass die Träume hilfreich sind.

Dadurch dass sie das Aktuelle kreativ darstellen, aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, können die Träume tatsächlich gute Ideen geben, wie man auch mit den Alltagsproblemen besser umgehen kann.

Können wir unsere Träume aktiv beeinflussen?

Die Frage nach dem "ob wir träumen" ist von der Wissenschaft heute geklärt. Das heißt, Träumen als subjektives Erleben während des Schlafes ist immer vorhanden. Die Frage ist, wenn man aufwacht und das Gehirn vom Schlafmodus auf den Wachmodus umschaltet, ob wir uns dann immer erinnern können. Und diese Frage oder diese Fähigkeit der Erinnerung ist sehr unterschiedlich, kann aber trainiert werden.

Wenn man sich bewusst vornimmt, vorm Einschlafen, sich erinnern zu wollen. Beim Aufwachen sich Zeit nimmt, den Traum, wenn man was erinnert, sich wiederholt vor dem inneren Auge, dann kann die Traumerinnerung tatsächlich relativ schnell trainiert und verbessert werden.

Was können wir gegen Albträume machen?

Albträume sind negativ getönte Träume, die sogar zum Aufwachen führen können. Typische Beispiele sind Verfolgungsträume, Fallträume, gelähmt sein, Tod von nahestehenden Personen, das sind typische Träume. Und wir gehen davon aus, das tatsächlich fünf Prozent der Bevölkerung unter häufigen Albträumen leidet. Einmal pro Woche oder häufiger. Für die Personen ist eine Behandlung angezeigt, wobei wir tatsächlich aktuell eine Methode haben, die man selbstständig anwenden kann. Und die Idee ist letztendlich, den Albtraum zu einem positiven Ende zu bringen.

Der Gedanke dahinter ist, dass die meisten Albträume eben durch das Aufwachen enden. Das heißt, sie sind nie fertig. Deshalb wiederholen sie sich in der ein oder anderen Art, weil sie nie zu Ende gedacht werden. Und die Technik sieht dann vor, dass man am Tage in der Vorstellung sich noch mal in den Albtraum hineinversetzt, gedanklich. Und sich dann überlegt:

Aha, wenn ich weglaufe, weiß ich, das ist keine gute Strategie. Weil der rennt hinterher, solange, bis ich aufwache. Jetzt überlege ich mir, ich drehe mich um. Am besten mit zwei starken Männern hinten dran. Und dann frage ich: "Was willst du von mir?" Das heißt, man überlegt sich einfach eine andere Strategie, weil man aus dem Traum gelernt hat, dass Weglaufen eine schlechte Strategie ist. Und übt in der Vorstellung eine neue Strategie. Und die Empfehlung ist, die eine Strategie, die man sich ausgedacht hat, für einen Traum über zwei Wochen, einmal pro Tag für fünf Minuten zu wiederholen. Dann setzt sich das. Und die nachfolgenden Träume werden verändert.

Das heißt, diese Einstellung, wenn Angst vorhanden ist, dann laufe ich immer weg und versuche, zu vermeiden. Sondern ich überlege aktiv, was ich tun kann. Diese Einstellung wird gelernt, geübt. Und dadurch verändern sich bei sehr vielen Menschen die Albträume relativ schnell. Und verschwinden sogar ganz.

Darum geht es in „Nachgefragt!“

„Nachgefragt!“ befasst sich mit allen Aspekten rund um die Corona-Pandemie: Wir sprechen mit Expert*innen aus Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch mit Menschen, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Dabei kommt ein breites Spektrum von Menschen in den unterschiedlichsten Positionen zu Wort, von der Soziologin bis zum Labormediziner, vom Hautarzt bis zur pflegenden Angehörigen.

„Nachgefragt!“ ist ein Videopodcast, der seit 24. März 2020 an jedem Werktag erscheint. Sie können die Folgen über verschiedene Plattformen sehen und abonnieren beispielsweise bei:

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Nachgefragt! | Der Corona-Video-Podcast

In unserem Video-Podcast „Nachgefragt!“ unterhalten wir uns mit Menschen, die uns von den täglichen Herausforderungen in dieser besonderen Zeit berichten