Das Transkript zur Folge 262 mit Claudia Schramm:

Ein Interview über Atem- und Kreislaufübungen für Corona-Patienten mit...

Mein Name ist Claudia Schramm, ich bin Physiotherapeutin am Klinikum Rohrbach in Oberösterreich.

Wie kann man zuhause die Lungenfunktion trainieren?

Häufig sind ja Atembeschwerden wie Atemnot, erschwerte Atmung, Hustenattacken und Schleim ein großes Problem bei einer Corona-Erkrankung.

Wenn ich die Corona-Erkrankung zu Hause auskurieren kann, kann ich wirklich einfache Übungen machen, die mir die Lungenbelüftung fördern und somit die Atemnot reduzieren, den Husten erleichtern, und auch mit den Übungen kann ich den Schleim besser abhusten.

Wichtig sind vor allem in der ersten Phase der Corona-Erkrankung viele Positionswechsel und Lagewechsel. Das heißt, man sollte nicht zu lang oder zu viel in der flachen Rückenlage liegen, weil in dieser Position die hinteren Areale und größeren Areale der Lunge sehr schlecht belüftet sind. Wenn man trotzdem in der Rückenlage liegen möchte, sollte man zumindest den Oberkörper etwas hochlagern.

Betroffene sollten sich auch viel in eine steile Seitenlage begeben oder in eine sogenannte stabile Seitenlage. Wenn es möglich ist, sollen sie sich auch viel auf den Bauch legen. Auch das Sitzen, das Stehen und das Gehen fördern die Lungenbelüftung und die Lungenfunktion sehr gut.

Ein zweiter wichtiger Punkt in der Therapie bei Covid-Erkrankten sind Atemübungen. Die sind ganz einfach, und die sollte man alle ein bis zwei Stunden vor allem am Anfang der Infektion durchführen.

Das heißt einfach, dass man zehn gute Atemzüge durchführen sollte. Man legt dabei die Hände auf den Bauch. Man atmet über die Nase ruhig ein... und über den Mund... lange und entspannt wieder aus. Das Ganze zehnmal durchführen.

Spüre ich bei dieser Übung eine Hustenattacke oder Hustenreiz, dann einfach die Einatmung vor dem Hustenreiz stoppen. Wenn ich ein Problem mit Schleim habe, kann ich die Übung ein bisschen variieren. Und zwar halte ich dann nach der Einatmung die Luft für zwei bis drei Sekunden an. Das heißt, ich atme entspannt ein... halte die Luft zwei bis drei Sekunden an... und atme dann wieder aus.

Spüre ich dann den Schleim weiter oben, dann ist es empfehlenswert, wenn man den Schleim eher abhaucht und nicht so typischerweise abhustet, weil das einfach sehr anstrengend werden kann mit der Zeit. Das heißt, man holt sich noch mal tief Luft, und haucht... einfach ab.

Wenn der Schleim nicht gleich hochkommen will, später noch mal probieren, ein bisschen was trinken, und mit der Zeit kommt der Schleim hoch.

Wie kann man zuhause Kreislaufbeschwerden vorbeugen?

Die Kreislaufbeschwerden entstehen ja oft durch das lange und viele Liegen, was am Anfang der Erkrankung völlig in Ordnung ist, weil man sich ja auch schonen darf.

Den Kreislaufbeschwerden kann ich mit ganz einfachen Kreislauf- und Bewegungsübungen entgegenwirken, die ich in allen Positionen durchführen kann. Das heißt im Liegen, im Sitzen oder auch im Stehen.

Eine Übung, die ich gerne unseren Patienten gebe, ist die sogenannte Muskel-Venen-Pumpe. Dabei bewege ich einfach die Vorfüße im Wechsel Richtung Kopf und wieder nach unten. Das Ganze zwanzigmal hintereinander alle ein bis zwei Stunden.

Auch das Bewegen der Beine und der Arme ist besonders wichtig. Das heißt, im Wechsel einfach die Beine aufstellen und wieder niederlegen oder auch die Arme Richtung Decke bewegen und wieder zurück. Zehnmal hintereinander alle ein bis zwei Stunden, und ich habe eine Supervorbeugung für Kreislaufbeschwerden.

Wie kann man sich nach der Erkrankung, in Absprache mit dem behandelnden Arzt langsam wieder fit machen?

Wichtig nach einer durchgemachten Infektion ist ein regelmäßiges Training. Das sollte so ausschauen, dass man ein Ausdauertraining macht, Krafttraining und auch immer noch die Atemübungen, wie wir sie schon besprochen haben.

Das Ausdauertraining kann dann ein ganz einfaches Gehtraining draußen sein.  Das macht man so vier- bis fünfmal in der Woche, 30 Minuten pro Tag.

Am Anfang merkt man da wahrscheinlich, dass einem das Gehtraining allein recht anstrengend ist. Das heißt, man teilt sich die 30 Minuten einfach auf ein paarmal am Tag auf, zum Beispiel dreimal zehn Minuten am Tag.  Am Anfang gilt also:  kürzere Strecken, dafür öfter, und später einfach immer ein bisschen steigern.

Auch Kraftübungen sind ein wichtiger Punkt.  Dabei sollte man am Anfang kleinere Muskelgruppen trainieren, und später dann größere Muskelgruppen.

Wenn ich jetzt zum Beispiel  die Kräftigung der Arme hernehme, kann ich eine Halbliter-Wasserflasche mit Wasser füllen  und kleinere Muskelgruppen trainieren, indem ich zum Beispiel den Ellenbogen beuge und strecke. 10 bis 15 Wiederholungen, drei Sätze, vielleicht sogar zweimal am Tag, so drei- bis viermal in der Woche.

Wenn ich das steigern möchte, dann einfach den gestreckten Arm mit der Halbliter-Flasche nach oben bewegen und wieder zurück. Das Gewicht einfach mit der Zeit steigern, und ich habe ein super Krafttraining.

Die Atemübungen, die bleiben eigentlich gleich.  Das heißt, die tiefe Atemübung immer wieder durchführen und vor allem beim Ausdauertraining und auch beim Krafttraining immer wieder auf eine ruhige Atmung achten und nicht die Luft anhalten,  wenn ich eine Anstrengung mache.

Ich möchte auch noch erwähnen, dass die Spätfolgen der Corona-Erkrankung sehr vielseitig sein können. Das heißt, ich muss nicht  nur Atembeschwerden haben, oder lang anhaltende Schwäche. Es kann bei den Spätfolgen auch zu Gelenkschmerzen kommen,  zu Gefühlsstörungen in Armen und Beinen, zu Schlafstörungen, Angstzuständen.

Bin ich in meinem Alltag durch diese Probleme sehr eingeschränkt, sollte man sich auf alle Fälle ärztliche Hilfe suchen und vielleicht in eine Physiotherapie, Ergotherapie oder Psychotherapie, je nachdem, welche Beschwerden man hat, begeben.

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„Nachgefragt!“ befasst sich mit allen Aspekten rund um die Corona-Pandemie: Wir sprechen mit Expert*innen aus Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch mit Menschen, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Dabei kommt ein breites Spektrum von Menschen in den unterschiedlichsten Positionen zu Wort, von der Soziologin bis zum Labormediziner, vom Hautarzt bis zur pflegenden Angehörigen.

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Nachgefragt! | Der Corona-Video-Podcast

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