Das Transkript zur Folge 276 mit Eliza Diekmann:

 Ein Interview über eine Modellregion mit...

Ich bin Eliza Diekmann und Bürgermeisterin der Stadt Coesfeld.

Was bedeutet es, wenn eine Stadt Modellregion ist?

Wir haben seit einigen Wochen den Zuschlag bekommen, vom Land NRW. Wir dürfen unabhängig von der Corona-Schutzverordnung verschiedene Projekte starten, die auch Lockerungen und Öffnungen ermöglichen können.

Wie wird man Modellregion?

Wir haben uns mit dem Kreis Coesfeld auf den Weg gemacht. Und gesagt, unsere Inzidenzen sind relativ niedrig. Wenn nicht wir, wer dann?

Wir mussten uns bewerben mit verschiedenen Projektideen, Gedanken, mit Hintergründen. Mussten aufzeigen, wie wir schon mit höheren Inzidenzen umgegangen sind. Wir hatten ja einen Ausbruch bei der Firma Westfleisch. Da hatten wir hohe Zahlen und konnten zeigen, wie wir da runtergekommen sind. Zeigen, wie unsere Entwicklungen vor Ort sind. Und nachweisen, wie wir mit Digitalisierung, Teststrategien und Co. dann diese Projekte erfolgreich umsetzen können.

Wer steht Ihnen beratend zur Seite?

Wir haben Experten im Haus, vom Ordnungsamt. Aber vom Kreis das Kreisgesundheitsamt. Den Landrat, die Bürgermeisterkonferenz mit allen Bürgermeister:innen im Kreis.

Darüber hinaus sind wir immer im Gespräch mit dem Land NRW. Mit dem Gesundheitsamt konkret vor Ort. Und wir haben eine Zusammenarbeit mit der FH Münster, die uns wissenschaftlich auch begleitet.

Dann die Akteure wie Wirtschaftsförderung, der Stadt, aber auch des Kreises, DRK, die uns hier unterstützen.

Wie wägen Sie bei möglichen Öffnungen das Risiko ab?

Wir sind ins Rennen gegangen mit einigen Kulturprojekten. Mit dem Kultureck, wo auch in geschlossenen Räumen Veranstaltungen ermöglicht werden sollten. Da lagen wir bei einer Inzidenz unter 70. In der Zwischenzeit waren wir bis 90 hochgegangen. Und sagten, Nein, das können wir nicht verantworten. Wir müssen abwägen.

Da wurden auch die Rufe aus der Bevölkerung laut, lieber noch Beschränkungen zu haben. Und wir sagten, mit Zahlen von 90, 95, je nachdem, wie sich das weiterentwickelt, können wir nur Projekte unter freiem Himmel verantworten, die wirklich beschränkt und entzerrt sind.

Deswegen sind wir aktuell nur bei zwei Projekten gelandet. Das ist die Freilichtbühne mit Konzerten. Theater, mit Vorstellungen. Und auch das Freibad. Und da sind nur 70 Personen zeitgleich zugelassen. Das Ganze im engen Rahmen, nur per Terminbuchung. Damit nicht viele aus dem Umland nach Coesfeld kommen, das möchten wir vermeiden.

Und das ist ein tägliches Abwägen. Auf der einen Seite Öffnungen ermöglichen, auf der anderen Seite Verantwortung tragen für den Fall, dass etwas passiert. Das sind aber Projekte, die wir voll und ganz vertreten. Und haben da auch Rückhalt aus der Bevölkerung.

Wie erleben Sie die Akzeptanz von Maßnahmen?

Wir haben die Stadtgesellschaft, die unglaublich kooperativ ist. Die auch gemerkt hat, wenn wir zusammenarbeiten, dann schaffen wir es, niedrige Zahlen zu halten. Wir sind jetzt auch unter 70. Stehen relativ gut da, aktuell. Wir haben auch eine Größe von einer Stadt, wo man mit vielen im Gespräch ist und sehen kann, was können wir im Kleinen tun, um eben die Maßnahmen weiter akzeptieren zu können.

Da ist es natürlich wichtig, dass man mit den verschiedenen Gruppen, Akteuren, im Gespräch ist, um einer Unzufriedenheit ein bisschen vorzubeugen. Das ist uns gelungen.

Ich möchte aber sagen, dass dieser Münsterländer Schlag Mensch sich gerne auch an Regeln hält. Wenn er klare Vorgaben hat. Das spielt ein bisschen in die Karten. Aber insgesamt muss man natürlich sagen, dass es eine Riesenportion Glück ist, die wir auch haben, dass wir keine höheren Inzidenzen haben.

Darum geht es in „Nachgefragt!“

„Nachgefragt!“ befasst sich mit allen Aspekten rund um die Corona-Pandemie: Wir sprechen mit Expert*innen aus Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch mit Menschen, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Dabei kommt ein breites Spektrum von Menschen in den unterschiedlichsten Positionen zu Wort, von der Soziologin bis zum Labormediziner, vom Hautarzt bis zur pflegenden Angehörigen.

„Nachgefragt!“ ist ein Videopodcast, der seit 24. März 2020 an jedem Werktag erscheint. Sie können die Folgen über verschiedene Plattformen sehen und abonnieren beispielsweise bei:

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Nachgefragt! | Der Corona-Video-Podcast

In unserem Video-Podcast „Nachgefragt!“ unterhalten wir uns mit Menschen, die uns von den täglichen Herausforderungen in dieser besonderen Zeit berichten