Durch die Pandemie waren viele unserer Grundrechte eingeschränkt. Durch das Impfen können wir die Grundrechte zurückerhalten. Das ist ein großes Bestreben eines jeden Einzelnen, dass er diese Grundrechte wieder erhält.

Wenn wir Apothekerinnen und Apothekern helfen können, dass wir die Impfnachweise in digitaler Form für die Menschen zu Verfügung stellen können, dann ist das hier auf jeden Fall ein zusätzlicher, wichtiger Dienst, den wir gerne leisten wollen.

Ein Interview über die Einbindung von Apotheken in die Impfkampagne mit...

Mein Name ist Gabriele Overwiening. Ich bin Apothekerin. Und seit über 20 Jahren selbständig in meiner eigenen Apotheke. Ich bin auch standespolitisch aktiv. Seit 2009 Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Und seit 01.01.2021 Präsidentin der ABDA: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Bis dato ist das Impfen in Apotheken noch nicht erlaubt, warum wäre es aber sinnvoll?

Das Impfen ist der wichtigste Weg heraus aus der Pandemie. Und diesen Ausweg werden auch wir Apotheken massiv unterstützen, so gut wir können an jeder Stelle, wo wir können, wie wir können.

Die gesamte Impflogistik unterstützen wir, die Impfaufklärung unterstützen wir. Und sollte es Kapazitätsprobleme geben und das Impfen nicht schnell und sicher genug vorangehen, dann stehen wir natürlich auch bereit, um in der Fläche das Impfen in den Apotheken durchzuführen.

Wie sind die Apotheken bis dato in die Impflogistik eingebunden?

Apotheken sind vor Ort niederschwellig zu erreichen und leisten einen großen Beitrag, auch heute schon, in der gesamten Impfstrategiezur Pandemiebekämpfung.

Wir klären auf, wir motivieren die Menschen, sich impfen zu lassen, wir erklären, was Priorisierung beim Impfen bedeutet. Wir versorgen die Arztpraxen mit Impfstoffen, wir klären auch da auf, sind sozusagen das Scharnier zwischen dem Großhandel und den Arztpraxen. Wir rekonstituieren Impfstoffe in den Impfzentren.

 Sie sehen, wir sind also in vielen Bereichen in der Impflogistik eingebunden und leisten hier eine große Hilfe vor Ort.

Mit welchen Kompetenzen können Apotheker die Impfkampagne unterstützen?

Das Impfen ist ja nicht nur reduziert auf den Pieks, den es in den Oberarm gibt. Sondern das gesamte Werk, das Expertenwerk vor und nach dem Impfen, die Aufklärung, das Wissen darum, was passiert denn bei einer Impfung, was tut ein Impfstoff.

Das ist natürlich originäre apothekerliche Expertise. Wir sind ja die Arzneimittelfachleute. Und Impfstoffe sind Arzneimittel. Natürlich wissen wir, was passiert, wenn dann geimpft wird. Natürlich wissen wir, welche Risiken es gibt, wenn geimpft wird. Wir können dazu aufklären, wir können beobachten.

Das, was natürlich den Arztvorbehalt bis heute ausmacht, ist eine mögliche Impfreaktion, die dann auch eine medizinische Intervention erfordert. Und da wir in dieser Pandemie jetzt erleben, dass die Probleme, die Vorkommnisse nach einer Impfung sehr selten auftreten, wie das auch übrigens bei der Grippeschutzimpfung ist, müssen wir hier keine große Sorge haben.

Und können mit der Arzneimittelexpertise, die wir haben, mit einer entsprechenden Schulung, die man für das Impfen als solches noch vornimmt, auch durch Ärzte gerne eben geschult, können wir hier Hilfe geben, wenn die Kapazitäten nicht mehr reichen, die da sind, um alle Menschen möglichst schnell und sicher zu impfen.

Können Apotheken auch in Zukunft mehr Kompetenzen beim Impfen erlangen?

Ich sehe uns in einer guten Kooperation mit den ärztlichen Kollegen. Wir werden uns mit ihnen sicherlich in den nächsten Monaten intensiv auseinandersetzen, wie wir gemeinsam insgesamt das Thema Impfen bearbeiten können, und gemeinsame Projekte finden können.

 Ich kann mir zum Beispiel sehr gut vorstellen, dass in den Apotheken die Impfpässe analysiert werden und daraus entsprechende Empfehlungen entwickelt werden für die Patienten. Und da steht dann drauf: "Bitte lassen Sie sich in Ihrer Arztpraxis impfen. Die und die Impfung ist jetzt als Nächstes nötig, als Nächstes fällig." Sodass wir kooperieren.

 Für mich ist wichtig, so etwas muss Hand in Hand gehen. Wir wollen hier gemeinsam, die Heilberufler gemeinsam, für die Bevölkerung das Allerbeste rausholen.

Da, wo wir hohe Impfquoten brauchen und viel Aufklärung erforderlich ist oder Motivation nötig ist, da sind wir, in den Apotheken vor Ort, eine sehr niederschwellige Anlaufstelle. Eine niederschwellige Anlaufstelle mit hoher Expertise kann natürlich sehr gut motivieren und viele Menschen erreichen. Und da wollen wir uns einbringen.

 Wie gesagt, Hand in Hand und gerne kooperativ.

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