Auf holprigem Kopfsteinpflaster umgeknickt, beim Herbstspaziergang über einen Ast gestolpert, und schon wird das Sprunggelenk ­unnatürlich verdreht. Die elastischen Bänder, die das Gelenk stabilisieren, werden überdehnt, manchmal reißen sie ganz oder teilweise ein.

Am häufigsten trifft es das dreitei­lige Außenband. Mit unangenehmen Folgen: Der Knöchel tut weh, schwillt an und verfärbt sich bläulich, weil kleine Blutgefäße verletzt sind.

Verstauchungsgrade: Wie stark die Bänder geschädigt sind, erkennt nur der Arzt

Verstauchungsgrade: Wie stark die Bänder geschädigt sind, erkennt nur der Arzt

Erste Hilfe entsprechend der PECH-Regel

Zur Schadensbegrenzung empfehlen Ärzte direkt nach dem Missgeschick vier Sofortmaßnahmen – zusammengefasst unter der PECH-Regel. P steht für Pause (Entlastung), E für Eis (Kühlen), C für Compression (engl.: Druck) und H für Hochlagern. "Damit lassen sich Blutergüsse, Schwellungen und Schmerzen deutlich reduzieren", sagt Professor Martin Engelhardt, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie am Klinikum Osnabrück. Freizeitsportler sollten stets ein Coolpack und elastische Binden dabeihaben. Auch eine Schmerzsalbe ist sinnvoll.

PECH-Regel:

  • P = Pause. Die betroffene Partie schonen
  • E = Eis, also Kühlen (Achtung: Eis nicht direkt auf die Haut legen, sonst drohen Erfrierungen)
  • C = Compression: Elastischen Druckverband anlegen
  • H = Hochlagern des betroffenen Beines

Die Abkürzung PECH fasst die Sofortmaßnahmen nach Muskel- und Gelenkverletzungen zusammen

Die Patienten können also selbst viel tun. Doch nach dem Umknicken beurteilen, ob Bänder gezerrt oder gerissen sind, können sie nicht. "Wenn ein Bänderriss übersehen und nicht behandelt wird, kann das Gelenk dauerhaft instabil bleiben und verschleißt vorzeitig durch chronische Fehlbelastungen", erklärt Experte Engelhardt.

Kontrolle beim Arzt

Deshalb sollten Betroffene möglichst zeitnah einen Arzt aufsuchen – selbst wenn die Schmerzen nach der Erstbehandlung nachgelassen haben. Der Arzt überprüft zunächst, ob sich das Gelenk normal bewegen lässt. "Um den Zustand der Bänder besser beurteilen zu können, veranlassen wir bei stärkeren Verdrehungen mit Blutergüssen und heftigen Schmerzen zudem eine Kernspintomografie", sagt Engelhardt. Mit Röntgenaufnahmen lassen sich Knochenbrüche ausschließen. Bandverletzungen können aber nicht mit Röntgenbildern gesehen werden. Hierfür kommen gegebenenfalls Ultraschall-Untersuchungen (Sonographie) oder oben ganannte Kernspintomografie zum Einsatz.

Selbst wenn ein Band angerissen ist, genügt es in den meisten Fällen, das Gelenk mit einer speziellen Unterschenkelschiene (Orthese) ruhig zu stellen. Nach ein bis zwei Wochen können Betroffene ihr Sprunggelenk mit einer Gehschiene wieder vorsichtig belasten. Ein anschlie­ßendes Koordinationstraining unter physiotherapeutischer Anleitung beugt erneuten Verletzungen vor.

Sport nicht überstürzen

Und wann dürfen die Patienten wieder Sport treiben? "Voll belastbar ist das Gelenk erst mehrere Monate nach der Verletzung", betont Orthopäde Engelhardt. Davor ist nur vorsichtiges Training empfehlenswert; dabei sollten die Sportler stützende Bandagen tragen. Nach drei bis sechs Monaten überprüft der behandelnde Arzt den Erfolg dieser konservativen Therapiemaßnahmen.

Wann eine Operation nötig ist

Sind jedoch mehrere Bänder verletzt oder sogar vom Knochen abgerissen, raten Ärzte häufig zu einer Operation. Vor allem, wenn neben dem Außen- auch das Innenband oder das Verbindungsband zwischen Schien- und Wadenbein (Syndesmose) betroffen ist.

Oder wenn die Anforderungen an das Gelenk im Alltag oder im Beruf des Patienten besonders groß sind. Engelhardt: "Bei Leistungssportlern, deren Sprunggelenke extremen Belastungen ausgesetzt sind, sollte der Bandapparat operativ rekonstruiert werden, um die Stabilität zu verbessern."

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