Die Pandemie hat vieles auf den Kopf gestellt – auch in den Apotheken. In den zurückliegenden Monaten haben sie neue Aufgaben bekommen, sind Teststellen, geben Impfzertifikate und kostenfreie Schutzmasken aus. All das hat den Apotheken im Jahr 2021 ein sattes Umsatzplus beschert, das geht aus aktuellen Zahlen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hervor.

Demnach haben allein diese Sonderleistungen für rund 2,5 Milliarden Euro Mehrumsatz gesorgt. Doch auch ohne diesen Effekt sei 2021 ein gutes Jahr gewesen, sagte ABDA-Wirtschaftsexpertin Claudia Korf am Mittwoch in Berlin. So lag der Gesamtumsatz der Apotheken im klassischen Geschäft bei knapp 60 Milliarden Euro und damit etwa 5 Prozent über dem Vorjahreswert. Von der guten Entwicklung hätten sowohl große als auch kleine Apotheken profitiert, so Korf. Knapp 211.000 Euro Gewinn vor Steuern erzielte eine durchschnittliche Apotheke – stolze 27 Prozent mehr als 2020.

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Sondereffekt oder Trendwende?

Eine Trendwende wollen die Apotheker darin allerdings nicht sehen. „Sondereffekte sind keine nachhaltige Entwicklung“, sagte der Vize-Chef des Deutschen Apothekerverbands (DAV), Dr. Hans-Peter Hubmann. 2021 sei ein Ausreißerjahr gewesen, in dem Mehrarbeit auch mehr Vergütung gegenübergestanden habe. „Damit ist jetzt aber Schluss.“ Ein Drittel des Gewinns aus 2021 sei allein auf Corona-Sonderumsätze zurückzuführen. 2022 werde man nun wieder in den Normalbetrieb kommen und der ist aus Sicht des DAV schlichtweg nicht ausreichend finanziert. Derzeit bekommen die Apotheken eine Pauschale für die Abgabe rezeptpflichtiger Arzneimittel. Einen Ausgleich für steigende Kosten gebe es nicht, beklagte Hubmann. Sorge bereiten ihm nicht nur die Preise für Energie und die Inflation. Auch die Lohnkosten seien aufgrund neuer Tarifabschlüsse im laufenden Jahr besonders hoch. „Die Politik muss das im Blick haben.“

Dabei steht die Branche vor einem wichtigen Umbruch. Mit dem E-Rezept soll die Arzneimittelversorgung den Weg ins digitale Zeitalter finden. Ursprünglich sollte bereits im Januar der bundesweite Startschuss fallen, bislang allerdings läuft das Projekt noch im Testbetrieb. Hinzu kommen neue Aufgaben für die Apotheker über die sogenannten pharmazeutischen Dienstleistungen. Seit Monaten verhandeln Krankenkassen und Apotheker über diese neuen Services für Patienten, noch im Mai könnte nun eine Einigung stehen, sagte Hubmann. Er zeigte sich optimistisch, dass die Apotheken dann ab Sommer mit den neuen Angeboten starten könnten.

Immer weniger Apotheken

Derweil geht die Zahl der Apotheken in Deutschland weiter zurück. Allein im ersten Quartal 2022 sind noch einmal 99 Betriebe verloren gegangen. Mit 18.362 Apotheken und knapp 22 Betrieben pro 100.000 Einwohner liege Deutschland inzwischen deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 33 Betrieben, sagte ABDA-Wirtschaftsexpertin Korf. „Hinzu kommt ein anhaltender Trend zur Filialbildung, der jetzt noch einmal an Fahrt aufgenommen hat.“ Rund 44 Prozent aller Apotheken seien inzwischen Teil eines Filialverbunds. 2023 könnte die Zahl der Offizinen dann erstmals unter 18.000 sinken, schätzt die ABDA.

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