Diabetes Ratgeber

Sie treten oft in Schüben auf, sind unübersehbar: rote, teils große, jucken­de Flecken auf der Haut, die übersät sind von glänzend weißen Schuppen oder Pusteln. Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland plagen sich mit Schuppenflechte (Psoriasis), einer chronisch-entzündlichen Erkrankung, bei der sich die Zellen betroffener Haut rund viermal schneller erneuern als bei Gesunden.

Die Plaques sind nicht ansteckend. Die Anlage zur Schuppenflechte kann aber vererbt werden. Auf einen Auslöser hin, etwa Stress, Infekte oder mechanische Reize, greift das Immunsystem irrtümlich körpereigene Zellen an, die Krankheit bricht aus. Heilen lässt sie sich nicht, aber pflegende Salben bis hin zu starken, das Immunsystem hemmenden Medikamenten lindern Symptome und lassen Plaques abheilen.

Schuppenflechte kann viele Auslöser haben

  • Infektionen: z. B. durch Streptokokken, chronische Zahn-, Nebenhöhlen-, Magen-Darm-Infekte
  • Sonnenbrand
  • Hautverletzung: z. B. Schnitt-, Schürfwunde, Tätowierung
  • Mechanischer Reiz: z. B. durch Gürtel, BH
  • Stoffwechselstörungen, ­Hormonschwankungen: z. B. durch Menstruation, Schwangerschaft
  • Medikamente: z. B. ­manche Blutdruck- und Schmerzmittel
  • Seelischer Stress: z. B. ­durch familiäre oder berufliche Probleme
  • Erhöhter Alkohol- oder Tabakkonsum
  • Übergewicht
  • Klimatische Einflüsse: z. B. ­kalte, trockene Luft

Diabetes und weitere Begleiterkrankungen

„Menschen mit Psoriasis haben sehr häufig Begleiterkrankungen“, sagt Professor Matthias Laudes, Endokrinologe, Diabetologe und Ernährungsmediziner am Uniklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel. Herz-Kreislauf-Krankheiten, metabolisches Syndrom, entzündliche Darmerkrankungen und Gelenkentzündungen (Psoriasis-Arthritis) gehören dazu.

Besonders oft geht Psoriasis mit Typ-2-Diabetes einher: „Psoriasis-Patienten sind doppelt so häufig zuckerkrank wie Hautgesunde. Je schwerer die Schuppenflechte, desto höher das Typ-2-Diabetes-Risiko“, so Dermatologe Professor Ulrich Mrowietz vom Psoriasis-Zentrum am UKSH. Damit die Begleitkrankheit nicht unentdeckt bleibt, rät er Betroffenen, regelmäßig ihren Blutzucker messen zu lassen. Über einen bestehenden Diabetes sollte der Hautarzt Bescheid wissen. „Manche Psoriasis-Medikamente wie Ciclosporin beeinflussen den Blutzuckerspiegel. Dann muss die Therapie angepasst werden.“

Diabetes Typ 1 und Psoriasis

Typ-1-Diabetes entsteht auf ­andere Weise als der Typ 2 und hat mit Übergewicht und Fettgewebe nichts zu tun. Psoriasis tritt deshalb bei Typ-1-Diabetes nicht ­häufiger auf als bei Gesunden

Fettzellen als Übeltäter

Warum Menschen mit Schuppenflechte so oft an Typ-2-Diabetes leiden, erforschen Matthias Laudes und Ulrich Mrowietz. Sie haben dabei das Fettgewebe unter die Lupe genommen. Denn Patienten mit diesen beiden Krankheiten sind oft übergewichtig. „Fettzellen schütten entzündungsfördernde Botenstoffe aus. Die verteilen sich im Körper und verursachen eine chronische Entzündung“, erklärt Mrowietz. Sie tut nicht weh, führt nicht zu Fieber, Schwellungen oder Rötungen. Aber sie klingt nicht wieder ab.

Über viele Jahre schädigt sie unbemerkt den Körper und begünstigt verschiedene Krankheiten, darunter Typ-2-Diabetes und ­— bei entsprechender Veranlagung — Psoriasis. Ein Auslöser wie Stress lässt die Krankheit schließlich ausbrechen. Typ-2-Diabetes entsteht als Folge einer Insulinunempfindlichkeit der Zellen, die durch die Entzündungsstoffe aus dem Fettgewebe befördert wird.

Übergewichtige Menschen mit Psoriasis sind vermutlich besonders gefährdet, weil ihre Hautplaques Eiweiße produzieren, die die Entzündungen im Körper verstärken und so das Risiko für Diabetes weiter erhöhen. Psoriasis allein führt aber nicht zu Diabetes. Normalgewichtige, auch solche mit Psoriasis, werden in der Regel nicht zuckerkrank. „Übergewicht ist der Haupttreiber für Diabetes“, betont Laudes.

Abnehmen hilft doppelt

Also runter mit dem Gewicht, um Diabetes vorzubeugen? „Tatsächlich ist Abnehmen bei Psoriasis mit Übergewicht die wichtigste Maßnahme, um die Entzündung im Körper zu unterbrechen“, bestätigt Hautarzt Mrowietz. Das belegen auch Studien zu bariatrischen Operationen. Bei diesen Eingriffen wird der Magen so verändert, dass Betroffene dauerhaft abnehmen.

Bei mehr als der Hälfte der Operierten verschwand die Psoriasis nach Erreichen des Normalgewichts. Begleitkrankheiten wie Dia­betes mussten nicht mehr medikamentös behandelt werden. Abnehmen zahlt sich auch aus, wenn Arzneien weiter nötig sind: Fast alle wirken bei Normalgewicht besser.

Damit die Kilos purzeln, empfiehlt Matthias Laudes außer Sport eine mediterrane Kost: wenig Milch- und Fleischprodukte, viel Gemüse und gesundes Fett, etwa aus Nüssen und Saaten, und Pflanzenöle wie Rapsöl. Deren hoher Gehalt an Omega-3-Fettsäuren kann entzündungshemmend wirken. Verzichten sollten Betroffene auf Alkohol und Rauchen. Beides heizt Entzündungen an.

Funktioniert das Abnehmen dennoch nicht, können spezielle Medikamente helfen. Voraussetzung, damit die Krankenkassen für ein Abnehmprogramm in einer Klinik zahlen, ist ein Body-Mass-Index (BMI) über 40 — oder über 35, wenn eine weitere Erkrankung wie Typ-2-Diabetes besteht. Die Wartezeiten sind allerdings lang.

Vorbeugen statt behandeln

Wichtig ist eine gezielte Hautpflege. Hilft dies nichts, können moderne Medikamente, die Biologika, eingesetzt werden. Sie hemmen die Entzündungsbotenstoffe. Hautsymptome bilden sich meist nach wenigen Wochen zurück. „Mit großer Wahrscheinlichkeit bessern diese Biologika auch Begleiterkrankungen wie den Diabetes. Das muss noch genauer erforscht werden“, sagt Ulrich Mrowietz.

Wesentlich sinnvoller wäre es, schon Kinder nachhaltig vor Übergewicht zu schützen, ist Mrowietz überzeugt: „Hätten alle Menschen Normalgewicht, würde sich die Zahl der Psoriasis-Patienten halbieren. Das wäre ein echter Erfolg.“

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