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Auf einer Skala von null bis zehn: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Arbeit? Sehr zufrieden? Weniger? Spielen Sie vielleicht sogar mit dem Gedanken zu kündigen? Damit wären Sie – zumindest unter den jüngeren Erwachsenen in Deutschland – nicht alleine. Eine Umfrage von ZDFheute hat ergeben, dass mehr als jeder Fünfte zwischen 25 und 34 Jahren gerne kündigen würde.

Tatsächlich rückt das Thema Arbeit immer mehr in den Fokus. Nicht zuletzt wegen der sogenannten Generation Z, der jungen Erwachsenen, die etwa zwischen 1995 und 2010 geboren wurden. Sie haben den Begriff „Quiet Quitting“ geprägt. Er bedeutet, dass Beschäftigte vor allem Dienst nach Vorschrift machen – ohne Überstunden oder Extra-Arbeit. Der Beruf ist Teil des Lebens, steht aber nicht mehr im Mittelpunkt. Anhänger dieser Bewegung wollen einer Überlastung vorbeugen und dadurch ihre körperliche und psychische Gesundheit schützen.

Zu wenig Arbeit schadet der Gesundheit

„Allerdings tut man sich damit keinen Gefallen“, sagt Prof. Dr. Claas Lahmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg. Sich innerlich aus der Arbeitssituation herauszunehmen, könne zwar vorübergehend eine Entlastung sein. Auf Dauer sei es aber ungesund. Ähnlich sieht es auch Dr. Hannah Schade, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund.

Es sei wichtig, dass Menschen Sinnhaftigkeit erlebten, Erfolge hätten und sich in der Gruppe einbringen könnten. „Arbeit bietet eine große Chance, um diese menschlichen Bedürfnisse zu erfüllen“, sagt Schade. Klappt das nicht, müssten diese Bedürfnisse in der Freizeit gestillt werden: nach Feierabend noch Freunde treffen, sich in einem Ehrenamt einbringen oder Erfolgserlebnisse im Sportverein haben. Vielen fehlt aber für solche Aktivitäten nach Dienstschluss die Zeit oder auch schlicht die Energie.

Steigende Unzufriedenheit im Job

Ständige Überlastung, Stress und Zeitdruck sind nur drei Faktoren, die dazu führen können, dass Beschäftigte zunehmend unzufrieden sind. Auch fehlende Wertschätzung, ein zu geringes Gehalt oder ein schlechtes Arbeitsklima können erheblich auf die Stimmung drücken. Eine Studie der Techniker Krankenkasse hat ergeben, dass mehr als ein Viertel der Beschäftigten häufig oder sehr häufig krank zur Arbeit geht. Der Grund sind unter anderem eine fehlende Vertretung oder dringende Arbeiten und Termine.

Gleichzeitig sind psychisch bedingte Krankschreibungen auf einem Rekordniveau. Laut DAK-Psychreport gab es im Jahr 2022 so viele Arbeitsausfälle aufgrund von Depressionen, chronischer Erschöpfung oder Ängsten wie nie zuvor. Demnach übersteigt der Arbeitsausfall das Niveau von vor zehn Jahren um 48 Prozent. Ausgewertet wurden die Daten von rund 2,4 Millionen erwerbstätigen DAK-Versicherten.

Nicht mehr abschalten können, Konzentrationsprobleme, schlechter Schlaf, Bauchschmerzen, Nervosität bis hin zu Angst – all das können Anzeichen dafür sein, dass die Arbeit zur Belastung geworden ist. Spätestens jetzt sollten Beschäftigte dringend gegensteuern. Von einer Kurzschlusshandlung rät Claas Lahmann jedoch ab: „Man sollte nicht aus einer akuten Krise heraus kündigen.

Auch wenn es eine schöne Vorstellung sein mag, lautstark die Tür hinter sich zuzuschlagen.“ Stattdessen kann es sich in vielen Fällen lohnen, aktiv nach Lösungen zu suchen und das eigene Arbeitsumfeld so zu gestalten, dass es besser zu den eigenen Bedürfnissen, Interessen und Stärken passt. Fachleute bezeichnen dieses Vorgehen als „Job Crafting“. Beschäftigte, die sich ihre Stelle zumindest ein Stück weit selbst formen, sollen dadurch motivierter und gelassener sein – und am Ende auch wieder glücklicher.

Diese fünf Fragen sollten Sie sich stellen, um aus dem Jobfrust herauszufinden:

Überlegen Sie sich zu Beginn, was für Sie an Ihrer aktuellen Arbeit positiv und was negativ ist. Denn manchmal ist Beschäftigten gar nicht klar, woher eigentlich dieses diffuse Gefühl der Unzufriedenheit kommt. Oder sie vergessen, dass ihr Job auch schöne Seiten hat. Zum Beispiel die netten Kolleginnen und Kollegen oder dass man mit dem Rad nur zehn Minuten zum Büro braucht. Notieren Sie, welche Vor- und Nachteile ein Jobwechsel hätte. Müssten Sie vielleicht umziehen oder einen deutlich längeren Arbeitsweg auf sich nehmen? Könnten Sie sich dafür mit Aufgabenbereichen befassen, die eher Ihren Interessen entsprechen? Schreiben Sie alles auf, was Ihnen in den Sinn kommt. Diese Liste verschafft Ihnen einen Überblick über den Istzustand und hilft dabei, die einzelnen Pros und Contras besser einordnen zu können.

Es gebe den Spruch „Love it, change it or leave it“, sagt Claas Lahmann vom Universitätsklinikum Freiburg. Also: etwas lieben, ändern oder zurücklassen. Wer an Kündigung denkt, hat die Liebe zum Beruf bereits verloren. Zumindest im Moment. Überlegen Sie deshalb, wie es weitergehen könnte. Gibt es Faktoren, die Sie verändern können? Oder passt die Stelle tatsächlich nicht? Folgende Fragen sorgen für Klarheit: Welche Ziele verfolge ich und welche Werte sind mir wichtig? Was erwarte ich von meinem Berufsleben? Mit welchen Nachteilen kann ich auf Dauer leben? Leidet meine Gesundheit unter der Arbeit? „Ich finde es schade, dass man so wenig bereit ist zu sagen: ‚Okay, es passt halt einfach nicht.‘ Stattdessen wird es immer als persönliches Versagen gewertet, wenn man nicht mit dem aktuellen Job klarkommt“, sagt Hannah Schade von der TU Dortmund.

Fühlen Sie sich unterfordert und würden gerne Ihre Kompetenzen erweitern, könnten Sie zum Beispiel eine Fortbildung machen oder in eine Abteilung wechseln, in der Sie Ihre Fähigkeiten besser einbringen können. Bei anhaltender Überlastung ist es vielleicht eine Option, die Stunden zu reduzieren oder Aufgaben abzugeben. Suchen Sie auch das Gespräch mit Ihrem Team oder Vorgesetzten. Beschäftigte sollten sich jederzeit mit Problemen an ihre Führungskraft wenden können, sagt Hannah Schade. „Wenn man schon eine Lösung hat, ist das umso besser. Aber man kann auch sagen: ‚Ich komme mit dem ständigen Kundenkontakt nicht klar, was könnten wir tun?‘“ Es sei wichtig, rechtzeitig zu handeln, so die Expertin. „Man sagt zu lange, dass man dieses Tempo, diese Arbeitsmenge oder diesen Frust nicht ein Leben lang ertragen könne, aber dass es aktuell gerade noch gehe. Bis es irgendwann eben nicht mehr geht.“

Manchmal macht auch die eigene Persönlichkeit dem Arbeitsglück einen Strich durch die Rechnung. Das sei zum Beispiel dann der Fall, wenn wir bestimmte Verhaltensmuster wie einen Schatten mitnähmen, sagt Claas Lahmann. Er bemerke dieses Phänomen immer wieder bei Menschen, die im Zuge ihrer Arbeit krank geworden sind. Betroffene sagten dann: „Das gibt’s doch nicht, ich habe so ein Pech mit meinen Arbeitsstellen, jetzt habe ich schon wieder dieses Problem.“ Manche Beschäftigten würden zum Beispiel dazu neigen, sich stark zu verausgaben. Kommen sie irgendwann an ihre Grenzen, wechseln sie die Arbeitsstelle – nur, um dann wieder bis spätabends im Büro zu sitzen und Zusatzaufgaben zu erledigen. Den Menschen selbst ist ihr Verhalten oft gar nicht bewusst. Deshalb kann ein neutraler Blick von außen, etwa in Form eines Coachings oder einer Therapie, eine gute Unterstützung sein.

Zugegeben: Es ist gar nicht so leicht, nach Feierabend zur Ruhe zu kommen und wirklich abzuschalten. Dabei sei das Privatleben ein wichtiger Schutzfaktor, um trotz hoher Anforderungen gesund zu bleiben, sagt Hannah Schade. Aber: „Wenn ich keine Work-Life-Balance habe, weil mein Job mich so stark beansprucht, dann ist es auch schwierig, erholt in die Arbeit zu gehen.“ Versuchen Sie, den Arbeitsalltag gedanklich hinter sich zu lassen. Dafür ist es auch wichtig, in der Freizeit das Diensthandy abzuschalten und keine Mails mehr zu lesen. Ebenfalls wichtig: Private Gespräche, zum Beispiel beim Abendessen, sollten sich nicht ausschließlich um die Arbeit drehen. Sprechen Sie stattdessen lieber über Dinge, auf die Sie sich freuen oder die Sie glücklich machen.

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Boreout: Was das ist und was hilft

Arbeit kann krank machen. Etwa, wenn die Belastung ständig zu hoch ist. Aber auch wer unterfordert ist, kann Stress und Frust empfinden. zum Artikel


Quellen:

  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales : Arbeitszufriedenheit und Arbeitsbedingungen. Online: https://www.bmas.de/... (Abgerufen am 01.09.2023)
  • Gallup: Gallup, Engagement Index Germany. Online: file:///... (Abgerufen am 25.09.2023)
  • AOK: Unglücklich im Job – was Sie tun können. Online: https://www.aok.de/... (Abgerufen am 04.09.2023)
  • Barmer: Stress im Arbeitsalltag: So bleiben Sie gelassen . Online: https://www.barmer.de/... (Abgerufen am 01.09.2023)
  • DAK: Erneuter Höchststand bei psychisch bedingten Fehltagen. Online: https://www.dak.de/... (Abgerufen am 29.08.2023)
  • Pharmazeutische Zeitung: Psychisch bedingte Krankschreibungen auf Rekordniveau . Online: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/... (Abgerufen am 04.09.2023)
  • Initiative Gesundheit und Arbeit: Job Crafting, was ist das und warum ist das bedeutsam?. Online: https://www.iga-info.de/... (Abgerufen am 25.09.2023)
  • Pfanzelt S: Junge Erwachsene: Jeder Fünfte will kündigen . ZDF: https://www.zdf.de/... (Abgerufen am 22.08.2023)