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Der Herbst ist da. Und mit ihm leider auch wieder mehr Corona­viren. Bevor ich herkam, hab ich schon fleißig gesprüht.

Und was haben Sie alles versucht, keimfrei zu kriegen? Ihre komplette Wohnung vielleicht?

Na ja. Ich dachte, ein bisschen mehr Sauberkeit kann nicht schaden.

Während Corona ist ja so mancher Schmutzfink zum Putzteufel geworden. Was okay ist, solange man mit Wasser und Haushaltsreiniger putzt. Aber bitte nicht mit mir! Wir alle sind umgeben von Bakterien, Viren und Pilzen. Und bei Weitem nicht alle sind schädlich.

Von Bakterien weiß ich schon, dass sie nicht alle böse sind. Man braucht sie, um Joghurt zu machen.

Oder auch Kefir. Oder Sauerkraut. Diese Lebensmittel sind sogar besonders gesund. Doch selbst Viren sind nicht immer schädlich. Zumal es nicht alle auf Menschen und andere Tiere abgesehen haben. So gibt es Viren, die Bakterien im Visier haben. Man nennt sie auch Bakteriophagen, also Bakterienesser. Solche Viren gehören zu dem riesigen Ökosystem, das auch Sie in sich tragen.

Ich weiß, wovon Sie reden: vom Mikrobiom, also den winzigen Orga­-
nismen, die mit jedem Menschen zusammenleben. Ich habe jüngst einen Artikel darüber geschrieben.

Genau! Keimfrei wären Sie überhaupt nicht lebensfähig. Und wie jedes Ökosystem ist auch der Mikroben-Dschungel in Ihnen darauf angewiesen, dass Sie ihn schützen. Zum Beispiel, indem Sie mich richtig ver­wenden. Denn leider können wir Desinfektionsmittel nicht gut zwischen Freund und Feind unterscheiden.

Ich wollte Sie ja nicht trinken.

Ich erinnere mich an einen US-amerikanischen Präsidenten, der sogar in Erwägung gezogen hat, es zu spritzen. Auch wenn Donald Trump später sagte, es sei Spaß gewesen. Dennoch gibt es Menschen, die mich völlig falsch verwenden. So erzählte mir jüngst ein Mikrobiologe folgendes Erlebnis: Er sah in einem Supermarkt eine Frau, die eine Gurke kaufen wollte, die ein anderer Kunde angefasst hatte. Sie hielt diese daher unter den Desinfektionsmittelspender am Eingang.

Ich verstehe, man kann es auch übertreiben.

Und sich damit richtig schaden. Übertreibt man es, kann das zum Beispiel dazu beitragen, dass Krankheitserreger immun gegen uns werden. In manchen Bereichen sind wir Desinfektionsmittel wirklich ein Segen, ­etwa wenn in einem Operationssaal alles keimfrei sein muss. Im Alltag lautet die wichtigste Regel aber: in Maßen verwenden!

Und wann sollte ich nun zu Ihnen greifen?

Zum Beispiel, wenn Sie sich verletzen. Dazu würde ich in jedem Fall zu ­einem Wunddesinfektionsspray raten. Wenn Sie es dagegen eher auf Grippeviren abgesehen haben und ihre Hände reinigen möchten, sollte „viruzid“ oder zumindest „begrenzt viruzid“ auf meiner Flasche stehen.

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Dann ist das Desinfektionsmittel im Supermarkt ja doch sinnvoll.

Klar! Wenn Sie nicht die Gurke drunterhalten. Auch im Bus oder in der Bahn schütze ich vor Erregern an Türen und Haltestangen. Das richtige Rezept: Verreiben Sie mich von den Fingerspitzen bis zu den Handgelenken. Fingerzwischenräume und Nagelfalze nicht vergessen. Dann an der Luft trocknen lassen und nicht ab­reiben. Und wenn Sie nach Hause ­kommen, einfach die Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen.

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Quellen:

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Desinfektionsmittel , Einsatz genau abwägen und richtig anwenden! . Online: https://www.infektionsschutz.de/... (Abgerufen am 25.09.2023)