Baby und Familie

Was die meisten Frauen sonst eher fürchten, passiert in der Schwangerschaft unweigerlich: Der Bauch wächst, der Zeiger auf der Waage bewegt sich nach rechts. Manche tun sich schwer, da locker zu bleiben. Andere denken sich "Wie schön, dass ich darauf jetzt nicht achten brauche!" und greifen eher bei kalorienreichen Nahrungsmitteln zu, sei es Kuchen, Bratwurst oder Schokolade.

Nicht für zwei essen

Eine Fehleinschätzung, denn der Kalorienbedarf steigt erst nach und nach - und dann nur um etwa 250 Kilokalorien pro Tag im zweiten und 500 Kilokalorien pro Tag im letzten Schwangerschaftsdrittel. Vorausgesetzt, die werdende Mutter bewegt sich weiterhin so aktiv wie vor der Schwangerschaft, was nicht immer der Fall ist. Wer weniger aktiv ist, benötigt auch nicht so viele zusätzliche Kalorien. Zur Vorstellung: 250 Kilokalorien entsprechen  einem kleinen Müsli mit Joghurt und Früchten oder einem Käsebrot mit einer Tomate. Dabei ist das richtige Gewicht ein wichtiger Faktor: Sowohl zu viele Pfunde als auch eine Hungerkur können Mutter und Kind schaden.

"Übergewicht lässt in der Schwangerschaft das Risiko für Diabetes und Bluthochdruck steigen", sagt Professor Dr. Ekkehard Schleußner, Direktor der Universitätsklinik für Geburtsmedizin in Jena. Außerdem drohen Schwangeren, die deutlich übergewichtig oder fettleibig sind, mehr Komplikationen bei der Geburt. Untergewicht dagegen kann zu einer Frühgeburt,  zu einem Nährstoffmangel beim Baby oder zu einem niedrigen  Geburtsgewicht führen.

Allerdings muss auch gesehen werden: Der BMI vor Schwangerschaft scheint eine wichtigere Rolle zu spielen als die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft. Daher raten Experten, dass sich Frauen mit Kinderwunsch ihrem Normalgewicht zumindest annähern.

Anfangs nimmt die Schwangere noch nicht zu

In jeder Schwangerschaft gilt: Das Gewicht steigt nicht kontinuierlich an. Im ersten Schwangerschaftsdrittel nimmt die Frau in der Regel nicht oder kaum zu, manche nehmen sogar leicht ab. Denn der Körper stellt sich um, viele Frauen können jetzt nur kleine Portionen essen oder leiden unter Übelkeit und Erbrechen. "Nimmt eine Frau in der Frühschwangerschaft deutlich zu, liegt das meistens am Essverhalten", sagt Schleußner. Im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel steigt das Gewicht dann an. Bei normalgewichtigen Frauen üblicherweise um rund 10 bis 16 Kilo. Übergewichtige Frauen sollten eher etwas weniger zunehmen, während Untergewichtige darauf achten müssen, ausreichend Gewicht zuzulegen.

Die Gewichtsverteilung in der Schwangerschaft

Doch eine exakte Empfehlung, wie viel Schwangere - abhängig von ihrem BMI - nun mehr auf die Waage bringen dürfen, gibt es nicht.

So  einfach lasse sich die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ohnehin  nicht steuern, so Experte Schleußner. Denn sie hängt nicht nur davon ab, wie sich die  Schwangere ernährt. Zu einem großen Teil wird sie von schwangerschaftsbedingten   Veränderungen im Körper bestimmt. Hormone sorgen zum Beispiel dafür,   dass sich die Blutmenge im Körper erhöht, die Brüste schwerer werden und   sich Flüssigkeit im Körper einlagert. Am Ende der Schwangerschaft   verteilt sich die Gewichtszunahme – im Beispiel 14 Kilogramm – ungefähr   wie folgt:

Körperteil

Gewicht

Gebärmutter

1,5 kg

Vermehrte Blutbildung

2,0 kg

Plazenta (Nachgeburt)

0,5 kg

Fruchtwasser

1,0 kg

Reserven der Mutter

2,0 kg

Wachstum der Brüste (je 250 Gramm)

0,5 kg

Flüssigkeitseinlagerungen

3,0 kg

Gewicht des Kindes

3,5 kg

Gesamt

14 kg

Gewichtsschwankungen: Wann zum Arzt?

Etwa alle vier Wochen prüft der Arzt das Gewicht der Schwangeren, trägt ihr Gewicht im Mutterpass ein und spricht mit ihr über die Gewichtsentwicklung. "Wenn sie plötzlich stark zunimmt, also etwa zwei bis drei Kilo innerhalb einer Woche, prüft er, was dahintersteckt", sagt Schleußner. Starke Wassereinlagerungen können zum Beispiel auf Bluthochdruck und drohende Komplikationen wie Präeklampsie hindeuten. Aber auch, wenn das Gewicht im zweiten oder dritten Trimester über längere Zeit stagniert oder die werdende Mutter sogar abnimmt, sollte sie einen Arzt aufsuchen.

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